Nach einem extrem schwachen Jahr rückt Fiserv wieder stärker in den Blick: Ein Großinvestor steigt ein, die Clover-Plattform erhält biometrische Zahlungsfunktionen, zugleich bleibt der Druck von Analystenseite und Regulierung hoch. Entscheidend wird, ob das Management die Wachstumsgeschichte wieder glaubwürdig untermauern kann.
Hedgefonds steigt groß ein
Der Hedgefonds BlackBird Financial LP hat eine größere Beteiligung an Fiserv gemeldet und damit einen spürbaren Kursanstieg ausgelöst. Fondsmanager Judah Spinner betonte die starke Rolle von Fiserv in der globalen Finanzinfrastruktur.
Die Investmentstory basiert vor allem auf der breiten Aufstellung im Zahlungsverkehr:
- Kernbankendienstleistungen für US‑Banken und Kreditgenossenschaften
- Einer der größten Zahlungsabwickler für Händler weltweit
- Clover-Kassensystem mit Vertrieb über mehrere Kanäle
- PIN-Debit-Routing über STAR, Accel und Zelle-Integrationen
BlackBird verweist darauf, dass Fiserv in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 5 Milliarden US‑Dollar bereinigten Nettogewinn erwirtschaftet hat. Vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 33 bis 38 Milliarden US‑Dollar aus Sicht des Fonds als attraktive Einstiegsbewertung.
Am gestrigen Handelstag schloss die Aktie bei 69,50 US‑Dollar, ein Tagesplus von 1,15 %. Auf Zwölfmonatssicht bleibt der Rückgang jedoch deutlich: Vom 52‑Wochen-Hoch bei 238,59 US‑Dollar hat sich der Kurs um 66,5 % entfernt.
Clover setzt auf Biometrie
Parallel dazu treibt Fiserv die Weiterentwicklung seiner Händlerplattform Clover voran. Zusammen mit dem Fintech Wink integriert das Unternehmen biometrische Identitätsprüfung direkt in den Checkout-Prozess. Erstmals sollen Gesichts- und Handflächenerkennung als Zahlungsoption in Clover eingebettet werden.
Die neuen biometrischen Leser will Fiserv auf der Branchenmesse der National Retail Federation in New York vorstellen, die am 12. Januar startet. Im Laufe des Jahres sollen vor allem Schnellrestaurants, Sportarenen und Einzelhändler Zugang zu der Lösung erhalten.
Starke Position im Restaurant-Markt
Rückenwind erhält Clover durch eine aktuelle Studie von Baird Equity Research vom 7. Januar. Demnach liegt die Plattform im US‑Markt für Kassensysteme in kleineren Restaurants vorn:
- Clover: 20 % Marktanteil mit 175.000 Standorten
- Toast: 17 % Marktanteil mit 145.000 Standorten
- Square: 13 % Marktanteil
- Global Payments: 11 % Marktanteil
Der US‑Markt für Restaurants und Bars kommt auf rund 1,1 Billionen US‑Dollar Jahresumsatz. Etwa 85 % der Rechnungen werden laut Studie per Karte bezahlt, was die Bedeutung starker POS‑Lösungen unterstreicht.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Fiserv?
Bewertungen werden zurückgenommen
An der Wall Street herrscht nach der gesenkten Prognose für das dritte Quartal 2025 allerdings Zurückhaltung. Die fairen Wertschätzungen wurden von zuvor 95,48 auf 86,50 US‑Dollar reduziert. Im Mittelpunkt stehen Sorgen um Umsetzung und Visibilität des Geschäfts.
Zentrale Kennzahlen aktuell:
- Trailing KGV: 10,62
- Forward KGV: 8,10
- Marktkapitalisierung: rund 38 Mrd. US‑Dollar
- Enterprise Value: 66,39 Mrd. US‑Dollar
- Umsatz (TTM): 21,16 Mrd. US‑Dollar
Mehrere Häuser haben ihre Kursziele deutlich gekappt:
- Tigress Financial: Ziel von 250 auf 95 US‑Dollar gesenkt, Einstufung Buy bleibt
- Morgan Stanley: von 179 auf 81 US‑Dollar
- Goldman Sachs: von 149 auf 79 US‑Dollar
Die starken Zielkorrekturen spiegeln die deutlich vorsichtigere Sicht auf Wachstum und Profitabilität wider, auch wenn die Bewertung auf Basis der aktuellen Gewinne vergleichsweise niedrig erscheint.
Politischer und juristischer Druck
Zusätzlich steht Fiserv stärker unter rechtlichem und politischem Druck. Demokratische Mitglieder des Senatsausschusses für Finanzen haben Informationen zur Rolle des früheren Chairman und CEO Frank Bisignano bei der Festlegung der Finanzprognosen angefordert. Hintergrund ist die Aussage des Unternehmens, die unter seiner Führung ausgegebene Guidance nicht zu erreichen.
Zudem sieht sich Fiserv mit Sammelklagen wegen angeblichen Wertpapierbetrugs im Zusammenhang mit der Prognose für 2025 und den Q3-Ergebnissen konfrontiert. Hinzu kommt ein Vergleich im Kontext von Vorschriften der US‑Postbehörde zur Aktualisierung von Adressdaten (Move Update).
Neue Partnerschaften und Digitalprojekte
Strategisch erweitert Fiserv zugleich sein Ökosystem. Zusammen mit Visa will das Unternehmen Visa Intelligent Commerce und das Trusted Agent Protocol in seine „agentic“ Plattform integrieren. Ziel ist es, Händlern die Authentifizierung KI‑gestützter Agenten zu ermöglichen und entsprechende Transaktionen innerhalb bestehender Fiserv-Produkte abzuwickeln.
Außerdem kooperiert Fiserv mit der Bank of North Dakota bei der Einführung des Roughrider Coin. Dabei handelt es sich um den ersten staatlich unterstützten Stablecoin des Bundesstaats North Dakota. Die Einführung ist für 2026 über die Digital-Asset-Plattform von Fiserv geplant.
Wichtiger Termin im Februar
Der nächste große Bewährungsprobe steht bereits fest: Am 4. Februar legt Fiserv die kommenden Quartalszahlen vor. Dann wird sich zeigen, inwieweit der neue CEO Mike Lyons bei der Umsetzung der Turnaround-Strategie vorangekommen ist und ob das Management einen klareren Pfad zur Stabilisierung der Erlöse und Margen aufzeigen kann.
Fiserv-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Fiserv-Analyse vom 10. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Fiserv-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Fiserv-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 10. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Fiserv: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
