Fiserv erlebt nach einem deutlichen Verfehlen der Q3-Erwartungen und einer kräftigen Senkung der Jahresprognose einen beispiellosen Kursverfall. Die Aktie notiert aktuell um 67,70 US-Dollar und liegt seit Jahresbeginn rund 67 % im Minus – einer der stärksten Rückgänge in der Unternehmensgeschichte. Anleger stellen das frühere Wachstumsprofil und das Management nun grundlegend infrage.
Historischer Kurssturz
Vom 52‑Wochen‑Hoch bei 238,59 US‑Dollar hat der Zahlungsdienstleister einen massiven Wertverlust erlitten. Seit dem Peak brach der Kurs um 71,3 % ein, während der Nasdaq Composite im gleichen Zeitraum zulegen konnte.
Charttechnisch ist der Titel klar angeschlagen. Die Notierung liegt deutlich unter dem 50‑Tage- und dem 200‑Tage‑Durchschnitt, was auf anhaltenden Abwärtsdruck hinweist. Der entscheidende Bruch erfolgte Ende Oktober, als die Aktie nach den Q3-Zahlen in einer Sitzung um mehr als 44 % einbrach.
Q3-Zahlen und Prognosesenkung
Der Quartalsbericht vom 29. Oktober markierte den Wendepunkt in der Bewertung:
- Q3 bereinigter Gewinn je Aktie: 2,04 US‑Dollar, unter den Erwartungen
- Q3 bereinigter Umsatz: 4,92 Mrd. US‑Dollar, nur +1 % im Jahresvergleich
- Jahresprognose Umsatz: Reduktion des erwarteten Wachstums von 10 % auf 3,5–4 %
- Ausblick bereinigtes EPS: 8,50–8,60 US‑Dollar, Ende einer 39‑jährigen Serie zweistelliger EPS‑Zuwächse
Die Korrektur der Prognose traf den Markt besonders hart, weil Fiserv über Jahrzehnte als verlässlicher Wachstumswert galt. Mit dem Programm „One Fiserv“ räumt das Management ein, dass die aktuelle Entwicklung hinter den Erwartungen der Anspruchsgruppen zurückbleibt.
Führungsteam im Umbruch
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch Veränderungen im Top-Management. Der frühere CEO Frank Bisignano ist in die Trump-Regierung gewechselt, wodurch eine Lücke an der Spitze entstanden ist. Das Unternehmen stellt sich mit einem weitgehend neuen Führungsteam neu auf:
- Zwei Co‑Präsidenten aus der Zahlungs-Sparte von JPMorgan und von UnitedHealth Group
- Ein neuer CFO von Global Payments
- Drei neue Aufsichtsratsmitglieder, die im Januar 2026 starten sollen
In den vergangenen Wochen kam es zu mehreren Insiderkäufen im Gesamtvolumen von über 1,5 Mio. US‑Dollar. Diese Käufe signalisieren Zuversicht im Management, konnten den anhaltenden Verkaufsdruck an der Börse bislang aber nicht brechen.
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Analysten werden vorsichtiger
Die Reaktion der Analysten fiel deutlich aus, mehrere Häuser reduzierten Rating und Kursziele:
- JPMorgan: Abstufung auf „Neutral“, Kursziel 85 US‑Dollar
- Morgan Stanley: Abstufung auf „Equalweight“, Kursziel 81 US‑Dollar
- BNP Paribas Exane: Herabstufung auf „Neutral“, Kursziel von 200 auf 62 US‑Dollar gesenkt
- Jefferies: Einstufung „Hold“ bestätigt, Kursziel auf 60 US‑Dollar reduziert
Im Konsens liegt die Bewertung nun bei „Hold“. Der durchschnittliche Zielkurs von 82,10 US‑Dollar impliziert ausgehend vom aktuellen Niveau ein rechnerisches Potenzial von rund 21 %.
Bewertung auf Langfristtief
Die Kursverluste haben die Bewertung auf Niveaus gedrückt, die seit über einem Jahrzehnt nicht mehr erreicht wurden:
- KGV: rund 10 auf Basis der zurückliegenden Gewinne
- Enterprise Value: etwa das 13‑Fache des erwarteten freien Cashflows
- Marktkapitalisierung: rund 37,5 Mrd. US‑Dollar, nach über 100 Mrd. US‑Dollar auf dem Höchststand
In den vergangenen 15 Jahren erwirtschaftete Fiserv freien Cashflow von 29 Mrd. US‑Dollar, der überwiegend über Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückfloss. Trotz der reduzierten Wachstumsannahmen rechnet das Unternehmen künftig mit mindestens 5 Mrd. US‑Dollar freiem Cashflow pro Jahr.
Wachsende Konkurrenz und operative Schwächen
Im Fintech-Sektor verschärft sich der Wettbewerb. Nach Einschätzung von RBC-Analysten dürfte Konkurrent Jack Henry Marktanteile hinzugewinnen. Parallel steht Fiserv unter Druck wegen früherer Preispraktiken und möglicher Kundenstreitigkeiten, die ein bis zwei Jahresgewinne durch Vergleiche binden könnten.
Besonders im Fokus steht der Bereich Merchant Solutions, der seit der Übernahme von First Data im Jahr 2019 rund die Hälfte der Konzernerlöse ausmacht. Schwächer als erwartete Entwicklungen in diesem Segment waren ein wesentlicher Grund für die deutliche Senkung der Prognose.
Ausblick: Wachstum auf niedrigerem Niveau
Fiserv kämpft derzeit mit einer deutlichen Glaubwürdigkeitslücke gegenüber Investoren. Das Unternehmen muss beweisen, dass das Kerngeschäft im Bankeninfrastruktur-Bereich und die Clover-Kassensystemplattform auch mit moderateren Zuwachsraten stabil wachsen können. Für 2026 stellt das Management lediglich ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht und setzt damit bewusst eine niedrigere Messlatte als in den Jahren mit zweistelligem Wachstum.
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