Liebe Leserinnen und Leser,
es ist ein paradoxes Bild, das sich uns an diesem Sonntagnachmittag bietet. Während die diplomatischen Sicherungen im Nahen Osten endgültig durchbrennen, drehen sich die Räder der globalen Konzerne mit einer fast unheimlichen Gelassenheit weiter. Geopolitik und Kapitalmarkt operieren derzeit in zwei Paralleluniversen – das eine in Flammen, das andere in Geschäftigkeit.
Während wir die Bilder von brennenden Öllagern nahe Teheran und zerstörten Wohngebäuden in Beirut verarbeiten, bereiten sich in den Vorstandsetagen von Pharma- und Tech-Giganten die Architekten der nächsten Milliarden-Deals auf die neue Handelswoche vor.
Lassen Sie uns die Ereignisse dieses Wochenendes ordnen.
Das Machtvakuum in Teheran und der Preis des Öls
Wir befinden uns im neunten Tag der massiven amerikanisch-israelischen Militärkampagne gegen den Iran. Die Eskalation nimmt an Breite zu: In der Nacht zum Sonntag attackierte Israel Treibstoffdepots nahe Teheran sowie Kommandeure in Beirut. Der Iran traf im Gegenzug eine Meerwasserentsalzungsanlage in Bahrain.
Doch die für die Märkte womöglich wichtigste Entwicklung vollzog sich hinter verschlossenen Türen. Nach der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Ende Februar hat sich der iranische Expertenrat an diesem Wochenende offenbar auf einen Nachfolger geeinigt. Obwohl der Name noch nicht offiziell bestätigt ist, deuten alle Signale auf Chameneis 56-jährigen Sohn Modschtaba. Washington reagierte umgehend: Präsident Trump erklärte den Sohn für „inakzeptabel“ und drohte, der Krieg werde womöglich erst enden, wenn das iranische Militär und die Führung vollständig ausgelöscht seien.
Für die Weltwirtschaft manifestiert sich dieser Konflikt an einem geografischen Nadelöhr: der Straße von Hormus. Die Meerenge wird von Handelsschiffen derzeit fast vollständig gemieden. Die Frachtkosten schießen um knapp 40 Prozent in die Höhe. Die Sorte Brent kratzt an der 90-Dollar-Marke.
Die europäische Perspektive: In Deutschland entlädt sich der Frust bereits an den Zapfsäulen. Der Tankstellen-Interessenverband geht hart mit den Mineralölkonzernen ins Gericht. TIV-Sprecher Herbert Rabl nannte die Preispolitik am Wochenende schlichtweg „Abzocke“ – „Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert“. Der Vorwurf: Die Konzerne verkaufen günstig eingekauftes, längst gelagertes Rohöl zu massiv überhöhten Krisenpreisen.
Tech-Giganten: Zwischen Rekordjagd und Realismus
Während die physische Infrastruktur im Nahen Osten brennt, baut die Tech-Branche ihre digitale Infrastruktur unermüdlich aus – allerdings mit zunehmendem Blick auf die Kosten.
Zwei Zahlen aus dem aktuellen Geschäftsbericht des niederländischen Chipanlagenbauers ASML verdeutlichen die schiere Wucht des KI-Booms: Die Leistungsverpflichtungen – also feste Kundenbestellungen – sind auf 46,5 Milliarden Euro angewachsen. Die Nachfrage nach modernster Lithographie-Technologie bleibt ungebrochen.
Auch bei Nvidia werden die Anreize entsprechend hochgehalten: Ein aktuelles SEC-Filing offenbart, dass CEO Jensen Huang einen Bonus von 4 Millionen Dollar erhält. Was bei einem geschätzten Privatvermögen von 164 Milliarden Dollar wie ein Tropfen wirkt, ist Teil einer strikten Strategie: Nvidia koppelt die Managementboni künftig noch konsequenter an ehrgeizige Umsatzziele.
Doch es gibt warnende Stimmen. Analysten von Bernstein Research weisen darauf hin, dass Apples Transformation hin zu „Apple Intelligence“ zwar neue Wachstumszyklen für das iPhone eröffnen könnte, aber massive Kostendrücke mit sich bringt. Die Hardware-Anforderungen für On-Device-KI-Modelle sind enorm – ein Balanceakt für die Margen in Cupertino.
Die jüngsten Marktbewegungen eröffnen für disziplinierte Anleger interessante Chancen – genau darauf hat sich Trading-Experte Jörg Mahnert spezialisiert. In seinem kostenlosen Webinar zeigt er, wie Sie mit der bewährten Point & Figure Methode aus Marktvolatilität planbare Gewinne erzielen können. Konkret demonstriert er anhand realer Trades, wie aus strukturierten Einstiegen binnen Wochen zweistellige Renditen entstanden – etwa +68 Prozent mit Renk in 62 Tagen oder +26 Prozent mit Aurubis in 58 Tagen. Sie lernen, wie Sie mit nur ein bis zwei Trades pro Woche systematisch Kapital aufbauen, ohne ständig vor dem Bildschirm zu sitzen. Mahnert erklärt die binäre Ja/Nein-Logik seiner Methode und zeigt, wie Sie Einstiege, Ziele und Absicherungen klar definieren. Am Ende des Webinars erhalten Teilnehmer einen konkreten Trade mit festgelegtem Einstieg und Kursziel. Hier geht’s zur kostenlosen Trading-Strategie
Milliarden-Deals in der Pharmawelt
Dass der Kapitalmarkt auch in Krisenzeiten liquide bleibt, bewies am Freitag der französische Pharmakonzern Servier eindrucksvoll. Für rund 2,5 Milliarden US-Dollar in bar schlucken die Franzosen das US-Biotech-Unternehmen Day One Biopharmaceuticals. Die Aktie des Übernahmeziels schoss daraufhin um 65 Prozent in die Höhe.
Für den morgigen Montag bahnt sich ein weiterer Paukenschlag an: Insidern zufolge stehen der dänische Branchenprimus Novo Nordisk und der US-Telemedizinanbieter Hims & Hers kurz davor, ihren erbitterten Streit um den Verkauf von Abnehmmedikamenten beizulegen. Eine neue GLP-1-Partnerschaft könnte bereits morgen früh offiziell verkündet werden.
Krypto-Ernüchterung und Europas digitale Schritte
Wer in diesen Tagen dachte, Bitcoin würde seinem oft beschworenen Ruf als „digitales Gold“ und krisensicherer Hafen gerecht, wurde über das Wochenende eines Besseren belehrt. Unter dem Druck der eskalierenden Geopolitik sackte die größte Kryptowährung um mehr als 3 Prozent ab und fiel zeitweise unter 68.000 Dollar auf rund 67.275 Dollar. Auch Ethereum und XRP mussten Federn lassen. In echten Krisen regiert am Ende doch der US-Dollar – oder das physische Gold.
In Frankfurt arbeitet man derweil an der eigenen digitalen Zukunft. EZB-Präsidentin Christine Lagarde skizzierte in einem aktuellen Interview die Vision des digitalen Euro als „virtuelles Bankbillett“ – schnell, günstig und zugänglich. Zudem kündigte sie für den kommenden April den Start der App „EuroSteps“ an, die finanzielle Bildung spielerisch mit einem Schrittzähler verknüpfen soll.
Ein erfreulicher Datenpunkt zum Schluss, der in der aktuellen Nachrichtenflut fast unterging: Der Anteil von Frauen an der Spitze deutscher mittelständischer Unternehmen ist laut einer neuen KfW-Studie wieder gestiegen. 2025 wurden rund 16 Prozent – das entspricht 621.000 Unternehmen – von einer Frau geführt. Eine spürbare Erholung vom Tiefstand des Vorjahres.
Was wir diese Woche im Blick behalten
Neben der weiteren Entwicklung im Nahen Osten richten sich die Blicke am Montag auf die Quartalszahlen des kanadischen Bergbauunternehmens New Gold. Es dürfte der letzte eigenständige Bericht vor der 7-Milliarden-Dollar-Fusion mit Coeur Mining sein – ein Lackmustest für die Bewertung von Edelmetall-Minen im aktuellen Marktumfeld.
Die unbequeme Wahrheit dieses Wochenendes: Das Stagflations-Szenario, das wir in den vergangenen Tagen diskutierten, rückt mit jedem Dollar Aufschlag beim Öl näher an die Realität. Die Volatilität dürfte uns begleiten. Wer jetzt einen kühlen Kopf bewahrt, wird am Ende besser fahren als der nervöse Trader.
Ich wünsche Ihnen trotz der unruhigen Weltlage einen friedlichen Rest des Sonntags und einen klaren Kopf für den Start in die neue Handelswoche.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann
