Fourmile, Red Chris, Panuco — drei Großprojekte treiben den Minensektor
Barrick vergibt 192-Millionen-Auftrag für Fourmile, Newmont erhält Genehmigung für Red Chris. Silbermarkt steuert auf sechstes Defizitjahr zu.

Kurz zusammengefasst
- Barminco erhält Zuschlag für Fourmile-Ausbau
- Red Chris erhält Umweltgenehmigung in British Columbia
- First Majestic verkauft Del-Toro-Mine an Sierra Madre
- Vizsla treibt Bau des Panuco-Projekts voran
Innerhalb weniger Tage hat sich die Nachrichtenlage für Gold- und Silberminen verdichtet wie selten zuvor: Ein 192-Millionen-Dollar-Bauauftrag in Nevada, eine wegweisende Umweltgenehmigung in British Columbia und ein abgeschlossener Portfolioumbau in Mexiko. Während die Kurse im gesamten Sektor diese Woche nachgeben, schaffen fünf Unternehmen operative Fakten — und legen damit die Grundlage für die Produktionsprofile der kommenden Dekade.
Barrick Mining: 192-Millionen-Dollar-Vertrag für Fourmile
Der australische Untertagebau-Spezialist Barminco, eine Tochter von Perenti, hat den Zuschlag für die Entwicklung von Barricks Fourmile-Projekt in Nevada erhalten. Der 45-monatige Vertrag umfasst rund 16 Kilometer Untertageausbau, Gebirgssicherung und Oberflächenanlagen — Startschuss ist Juli 2026.
Fourmile liegt direkt neben dem Goldrush-Projekt, wo Barminco bereits für Nevada Gold Mines operiert. Dieses Joint Venture gehört zu 61,5 % Barrick und zu 38,5 % Newmont. Die räumliche Nähe beider Vorhaben dürfte Synergien bei Logistik und Personal ermöglichen.
Strategisch ist Fourmile ein Schlüsselbaustein: Barrick treibt den geplanten Börsengang einer Minderheitsbeteiligung an seinen nordamerikanischen Goldaktiva voran — inklusive Nevada Gold Mines, Pueblo Viejo und eben Fourmile. Die IPO-Pläne sollen bis Jahresende abgeschlossen werden.
Die operativen Zahlen untermauern die Ambitionen. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um 67 % auf 5,22 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn schnellte um 238 % auf 1,60 Milliarden US-Dollar. An der Wall Street tragen 13 von 15 Analysten eine Kaufempfehlung. UBS hat das Kursziel zuletzt von 50 auf 54 US-Dollar angehoben.
Newmont Mining: Grünes Licht für Red Chris
Am 19. Juni hat der weltgrößte Goldproduzent eine entscheidende Hürde genommen: Die Behörden in British Columbia haben die regulatorischen Genehmigungen für den Übergang der Red-Chris-Mine vom Tagebau zum Blockbruchbau erteilt. Die Minenlebensdauer verlängert sich damit potenziell bis Mitte der 2040er-Jahre.
Besonders bemerkenswert ist der Genehmigungsprozess selbst. Die geänderte Umweltverträglichkeitsbescheinigung wurde in einem konsensbasierten Verfahren mit der Tahltan Nation erreicht — ein Modell, das in der kanadischen Bergbaubranche zunehmend zum Standard wird.
Newmont arbeitet derzeit an der Machbarkeitsstudie, bevor eine endgültige Investitionsentscheidung fällt. Die letzte veröffentlichte Kostenschätzung aus einer Vormachbarkeitsstudie von 2021 bezifferte das Investitionsvolumen auf 2,6 Milliarden Kanadische Dollar. Das Projekt soll während der Bauphase über 1.800 Arbeitsplätze schaffen und im laufenden Betrieb rund 1.500 Stellen sichern.
Der Kurs steht heute bei 86,60 Euro — ein Rückgang von rund 7 % binnen einer Woche. Trotz der kurzfristigen Schwäche bewerten 22 Analysten die Aktie im Konsens mit „Kaufen“. BMO-Analyst Matthew Murphy hat sein Kursziel auf 145 US-Dollar angehoben.
First Majestic Silver: Del-Toro-Verkauf besiegelt
Gestern hat Sierra Madre den Erwerb der Del-Toro-Silbermine von First Majestic abgeschlossen. Der Deal bringt 20 Millionen US-Dollar in bar plus Aktien, ergänzt um bis zu 20 Millionen US-Dollar an meilensteingebundenen Nachzahlungen.
Die Struktur des Deals ist geschickt gewählt. First Majestic hält nun rund 24,8 % an Sierra Madre — mit gestaffelten Weiterverkaufsbeschränkungen. Zusätzlich enthält der Vertrag eine Ressourcen-Klausel: Weist Sierra Madre innerhalb von 48 Monaten mindestens 100 Millionen Unzen Silberäquivalent an Mineralressourcen nach, werden weitere 10 Millionen US-Dollar fällig. First Majestic trennt sich also von einer nicht-strategischen Mine, behält aber substanzielles Aufwärtspotenzial.
Nach dem Del-Toro-Verkauf betreibt das Unternehmen vier produzierende Untertageminen in Mexiko, darunter eine 70-%-Beteiligung an der Los-Gatos-Silbermine. Die Aktie notiert bei 14,81 Euro und hat in den letzten 30 Tagen knapp 15 % verloren. H.C. Wainwright sieht dennoch erhebliches Potenzial und hat das Kursziel auf 30,75 US-Dollar gesetzt.
Vizsla Silver: Panuco nimmt Gestalt an
Vizsla Silver treibt den Bau seines Panuco-Silber-Gold-Projekts in Sinaloa, Mexiko, mit hohem Tempo voran. Am 16. Juni wurde der Ausrüstungsliefervertrag mit FLSmidth unterzeichnet — ein umfassendes Paket, das acht zentrale Anlagenmodule abdeckt: von Brech- und Mahlkreisläufen über Eindickung bis hin zur Merrill-Crowe-Verarbeitung und Raffination.
Die Ausrüstung ist so spezifiziert, dass sie sowohl die anfängliche Kapazität von 3.300 Tonnen pro Tag als auch die geplante Erweiterung auf 4.000 Tonnen pro Tag unterstützt. Bereits im April hatte Vizsla die Aufträge für Ingenieurwesen, Beschaffung und Baumanagement an M3 Engineering sowie für das Minendesign an Mining Plus vergeben. Die Projektfinanzierung steht: Mit einer Kassenposition von über 450 Millionen US-Dollar ist Panuco voll durchfinanziert.
Die Projektökonomie liest sich beeindruckend:
- Jährliche Produktion: 17,4 Millionen Unzen Silberäquivalent
- After-Tax-NPV (5 %): 1,8 Milliarden US-Dollar bei 111 % interner Rendite
- All-in-Sustaining-Costs: 10,61 US-Dollar pro Unze — im globalen Vergleich im oberen Kostenquartil
- Durchschnittliche Gehalte: 416 Gramm pro Tonne Silberäquivalent
Ausstehendes Puzzlestück ist die MIA-Umweltgenehmigung, die das Management zur Jahresmitte 2026 erwartet. Erst danach kann die formelle Bauentscheidung fallen. Der erste Silberguss wird für das zweite Halbjahr 2027 angepeilt.
Pan American Silver: Hochgradige Entdeckungen bei La Colorada
Pan American Silver hat bei der La-Colorada-Mine mindestens vier neue hochgradige Adern entdeckt. Die Bohrkampagne zwischen November 2025 und Januar 2026 umfasste knapp 17.800 Meter in 38 Bohrlöchern. In rund 40 % der berichteten Löcher lagen die Silbergehalte über 1.000 Gramm pro Tonne — einzelne Proben erreichten bis zu 10.305 g/t Silber.
Parallel investiert das Unternehmen in seine Timmins-Operationen in Ontario. Die erste Phase des Timmins-Camp-Projekts umfasst rund 146 Millionen US-Dollar für eine 625-Meter-Schachtverlängerung, einen 814 Meter langen Zugangsstollen und einen 1,3 Kilometer langen Explorationsstollen.
Auf der Kapitalrückgabeseite hat Pan American im März 2026 sein Aktienrückkaufprogramm erneuert — mit der Genehmigung, bis zu 5 % der ausstehenden Aktien zurückzukaufen. Bei einem aktuellen Kurs von 41,31 Euro hat die Aktie in den vergangenen 30 Tagen rund 14 % eingebüßt. Die Produktionsprognose für 2026 liegt bei 25 bis 27 Millionen Unzen Silber, was ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr signalisiert. Sechs von neun Analysten empfehlen den Kauf mit einem medianen Kursziel von 64,50 US-Dollar.
Sechstes Silberdefizit in Folge als Branchenkulisse
Hinter den Einzelnachrichten zeichnet sich ein strukturelles Bild ab. Der Silbermarkt steuert 2026 auf das sechste Defizitjahr in Folge zu — der prognostizierte Fehlbetrag beläuft sich auf 67 Millionen Unzen. Die weltweite Minenproduktion dürfte nur um 1 % auf 820 Millionen Unzen wachsen, ein Tempo, das mit der industriellen Nachfrage nicht Schritt hält. Die Aufnahme von Silber in die US-Liste kritischer Mineralien verschärft die strategische Dimension zusätzlich.
Bei den Goldproduzenten fällt auf, wie eng Barrick und Newmont verflochten bleiben. Beide treiben ihre jeweils größten Entwicklungsprojekte voran — Fourmile und Red Chris —, während sie über Nevada Gold Mines operativ verzahnt sind. Die Silberproduzenten verfolgen unterschiedliche Strategien: First Majestic schärft das Portfolio durch Verkäufe, Vizsla beschleunigt den Bau, Pan American kombiniert Exploration mit Aktionärsrendite.
Katalysatoren für die zweite Jahreshälfte
Die nächsten Monate bringen für jedes der fünf Unternehmen klar definierte Weichenstellungen. Barricks geplanter Nordamerika-IPO zum Jahresende wird zeigen, wie der Markt die Nevada-Assets bewertet. Newmonts endgültige Investitionsentscheidung zu Red Chris bestimmt, ob Milliarden in einen Blockbruchbau fließen, der die Mine bis in die 2040er tragen soll.
Für Vizsla Silver dreht sich alles um die MIA-Genehmigung — ohne sie bleibt die formelle Bauentscheidung ausgesetzt. Pan Americans aktualisierte Reserven- und Ressourcenschätzung im dritten Quartal wird offenlegen, welchen Langfristwert die spektakulären La-Colorada-Funde tatsächlich haben. Und First Majestic muss nach dem Del-Toro-Verkauf beweisen, dass die verbliebenen vier Minen genug Wachstumspotenzial bieten. Rekordhohe Goldpreise, ein anhaltendes Silberdefizit und beschleunigte Projektzeitpläne — die Voraussetzungen für ein ereignisreiches zweites Halbjahr sind gelegt.
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