Fresenius sät für die 2030er, die Privatanleger haben ihr Pulver verschossen

Der WuXi-Deal eröffnet Fresenius zusätzliche Biosimilar-Kandidaten; erste Markteinführungen erwartet der Konzernchef erst Anfang der 2030er Jahre.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Fresenius erhält Zugriff auf WuXi-Kandidaten
  • Pipeline kann auf 66 Moleküle wachsen
  • Erste Produkteinführungen ab den 2030ern erwartet
  • Privatanlegerstimmung steigt bei niedriger Cash-Quote

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die größte Vereinbarung ihrer Art in der Branche zahlt sich erst im nächsten Jahrzehnt aus. Fresenius hat sie heute mit dem chinesischen Auftragsfertiger WuXi Biologics vorgestellt, und zwar ohne neue Schulden aufzunehmen. Der Markt tritt vor den US-Zwischenwahlen derweil auf der Stelle.

Diese Geduld ist an der Börse gerade selten. Die Privatanleger sind bestens gelaunt und haben kaum noch Geld in Reserve. Dazu kommen Bayer vor den Zahlen, ein Bankenpoker in Italien und ein Abwehrkampf in der Chemie. Hinter fast jeder guten Nachricht des Tages steckt ein Haken.

Fresenius: Wachstum auf Raten

Fresenius verdoppelt seine Entwicklungspipeline, ohne dafür teuer einzukaufen. Der DAX-Konzern sichert sich exklusiven Zugriff auf Kandidaten für Biosimilars von WuXi Biologics. Das sind Nachahmer-Medikamente. Das Portfolio könnte damit von heute 29 auf bis zu 66 Moleküle wachsen.

Wo ist der Trick? Fresenius vergütet WuXi schrittweise nach Entwicklungsfortschritt, behält die weltweiten Vermarktungsrechte und zahlt keine Lizenzabgaben. Die DZ Bank nennt den Deal „klar positiv“, weil die Finanzierung aus dem laufenden Geschäft den Schuldenabbau nicht stört. Jefferies bleibt bei seiner Kaufempfehlung mit Kursziel 55 Euro.

Der Haken ist die Zeit. Erste Markteinführungen erwartet Konzernchef Sen erst Anfang der 2030er Jahre. Laut Jefferies verlieren 85 Prozent der Zielpräparate ihren Patentschutz erst ab 2031. Wer Fresenius hält, bekommt heute also keine höhere Gewinnprognose, sondern eine Wachstumsoption, die der Markt erst in Jahren bezahlen muss. Die Aktie stieg trotzdem auf den höchsten Stand seit März.

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Bayer: Der Gerichtserfolg steckt schon im Kurs

Bei Bayer zählt am Dienstag die Bilanz, nicht das Gericht. Ein Geschworenengericht in Missouri wies am Donnerstagabend im Fall Aretino alle Klagepunkte gegen Monsanto einstimmig ab. Es war der erste Roundup-Prozess seit dem Supreme-Court-Urteil vom Juni. Heute aber lag die Bayer-Aktie zeitweise am DAX-Ende.

Was zählt also morgen? Die operative Seite und die hohe Verschuldung. Nach 36 Prozent Kursplus seit Jahresbeginn ist die Glyphosat-Entlastung eingepreist, sie steckt also bereits im Kurs. Die Messlatte liegt hoch: Das Krebsmittel Nubeqa soll im laufenden Jahr mehr als 3 Milliarden Euro Umsatz bringen.

Bayer braucht morgen Belege, dass die Pharma-Pipeline den Schuldenabbau auch ohne weitere Gerichtserfolge trägt. Offen bleibt zudem, ob die Kläger den angestrebten Vergleich annehmen.

Italien: Intesa greift nach Monte dei Paschi

Szenenwechsel nach Italien, wo eine Großübernahme konkrete Formen annimmt. Intesa Sanpaolo will laut Bloomberg in der Woche ab dem 23. November ein Angebot über 33 Milliarden Euro für Banca Monte dei Paschi di Siena starten. Den Weg frei machten die MPS-Aktionäre selbst. Über 90 Prozent lehnten in der Vorwoche den Fusionsplan ihres Chefs Lovaglio mit Banco BPM und Banca Generali ab.

Was bekommt Intesa für das Geld? Mehr als eine Bank: Bei Erfolg gehört dazu die Beteiligung von rund 86 Prozent an Mediobanca und indirekt ein Anteil von 13 Prozent an Generali. Die Börsenaufsicht Consob prüft noch, die Kartellfreigabe steht aus.

Auch anderswo bewegt sich der Sektor. UniCredit unterzeichnete heute mit der ICICI Bank eine Absichtserklärung zur Handelsfinanzierung zwischen Europa und Indien. Goldman Sachs nahm die Deutsche Bank in seine europäische Liste der Überzeugungswerte auf. Wer in Banken investiert, sollte auf Bilanzen achten, die Übernahmen stemmen können, nicht auf jene, die übernommen werden müssen.

Chemie: Evonik baut eine Mauer

BASF bleibt auf Übernahmekurs bei Evonik, obwohl Evonik am Freitag ein erhöhtes Angebot ablehnte. Laut Handelsblatt prüft Evonik den Kauf des US-Konzerns Ashland mit rund 3,3 Milliarden Dollar Börsenwert. Ein eigener Zukauf ist die klassische Abwehr gegen einen ungeliebten Käufer.

Was bedeutet das für den Preis? Der hängt nun davon ab, ob Evonik sich mit Ashland selbst zu groß für eine Übernahme macht. Covestro-Finanzchef Klaus Fröhlich warnte heute grundsätzlich vor rein kostengetriebenen Fusionen in der Chemie. Rothschild & Co Redburn bleibt bei BASF auf „Buy“, senkt das Kursziel aber leicht auf 61 Euro.

Deutschland: Fabriken brummen, Kassen schweigen

Die deutsche Wirtschaft läuft zweigeteilt. Der Einzelhandel setzte im September real, also nach Abzug der Preissteigerung, 2,0 Prozent weniger um als im Vormonat. Erwartet war ein Plus von 0,4 Prozent. Die Industrie dagegen läuft rund, Elektroindustrie und Maschinenbau heben ihre Exporterwartungen.

Und die Privatanleger? Ihre Stimmung hat sich laut einer Handelsblatt-Umfrage von minus 13,9 auf plus 21,7 Punkte gedreht. Das klingt nach Aufbruch, hat aber einen Schönheitsfehler.

Die Cash-Quote, der Anteil des Geldes, der für neue Käufe bereitliegt, steht bei extrem niedrigen 14,4 Prozent. In den meisten vergleichbaren Phasen stand der DAX sechs Monate später tiefer, im Schnitt um 6,7 Prozent. Gute Laune ohne Geld für neue Käufe ist historisch kein Kaufsignal, sondern eine Mahnung zur Vorsicht.

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Unterm Strich

Diese Woche entscheiden Termine, nicht Stimmungen. Apple legt heute nach US-Börsenschluss Zahlen vor. Bayer folgt am Dienstag, am selben Tag wählen die USA.

Der rote Faden des Tages ist der Haken hinter der guten Nachricht. Fresenius liefert Wachstum erst in Jahren, bei Bayer ist der Gerichtserfolg schon bezahlt, und die Anleger sind gut gelaunt, aber knapp bei Kasse. Wer jetzt kauft, sollte Geschäftsmodelle mit Jahren Vorlauf wie bei Fresenius von Wetten auf die nächsten 48 Stunden trennen.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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