Fünf-Milliarden-Rückkauf: Telekom kontert die Kursflaute

Die Deutsche Telekom legt ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm auf und reagiert damit auf die schwache Bewertung. Der Kurs reagiert positiv.

Dr. Robert Sasse ·
Deutsche Telekom Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rückkauf auf fünf Milliarden aufgestockt
  • Prognose für freien Cashflow angehoben
  • Nettogewinn sinkt um sechs Prozent
  • Kurs legt um fast fünf Prozent zu

Ein Aktienrückkauf im Milliardenmaßstab, ein Nvidia-Deal, ein neues KI-Modell aus Hangzhou und ein Regulierungsbescheid aus Washington: Der Telekom- und Mediensektor liefert an diesem Donnerstag gleich mehrere Nachrichten mit Kursrelevanz. Während die Deutsche Telekom mit einer überraschenden Kapitalmaßnahme Anleger aufhorchen lässt, kämpft The Trade Desk weiter mit dem eigenen Chartbild.

Deutsche Telekom: Rückkauf-Offensive treibt den Kurs

Die Bonner Aktie sprang am heutigen Donnerstag deutlich nach oben und notiert bei 28,80 Euro – ein Tagesplus von 4,92 Prozent. Auf Wochensicht steht sogar ein Zuwachs von 6,59 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich das Plus auf 11,63 Prozent.

Auslöser war eine Kombination aus soliden Halbjahreszahlen und einer kräftig aufgestockten Kapitalrückführung. Der Vorstand um Tim Höttges erhöht den laufenden Rückkauf für 2026 um bis zu 3 Milliarden Euro bis zum Jahresende. Von dem bereits laufenden Programm über bis zu 2 Milliarden Euro waren bis zum gestrigen Mittwoch rund 1,2 Milliarden Euro umgesetzt, entsprechend rund 42,1 Millionen zurückgekaufter Aktien. In Summe könnten die Rückkäufe damit auf bis zu 5 Milliarden Euro anwachsen.

Operativ lief das US-Geschäft rund: Der Konzern hob die Prognose für den freien Cashflow leicht an, auf rund 20 Milliarden Euro für das Gesamtjahr. Das bereinigte EBITDA soll weiterhin bei rund 47,5 Milliarden Euro liegen. Beim Nettogewinn gab es dagegen einen Rückschlag – rund 2,5 Milliarden Euro und damit etwa sechs Prozent weniger als vor einem Jahr, bedingt durch Integrationskosten für UScellular bei T-Mobile US.

Der Rückkauf adressiert direkt die zuletzt schwache Bewertung. Trotz der heutigen Rally notiert die Aktie noch immer gut 16 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro. Der Markt goutiert offenbar die Botschaft: Wer eigene Aktien in dieser Größenordnung einzieht, signalisiert Vertrauen in die eigene Bewertung.

Nokia: KI-Auftragsboom trifft auf wacklige Marge

Kaum ein Titel im Sektor bewegt sich derzeit so heftig wie Nokia. Der finnische Netzwerkausrüster meldete für das zweite Quartal ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 0,07 Euro – deutlich über den erwarteten 0,05 Euro. Der Umsatz kletterte auf 4,82 Milliarden Euro, getragen von einem Auftragseingang im KI-Bereich von 2,8 Milliarden Euro.

Die Kursreaktion darauf war alles andere als geradlinig. Aktuell steht die Aktie bei 8,22 Euro, ein Tagesminus von 1,63 Prozent. Über 30 Tage hat sich der Titel um 20,83 Prozent verbilligt – auf Jahressicht bleibt dennoch ein Plus von 47,08 Prozent, über zwölf Monate sogar von 132,19 Prozent. Diese Diskrepanz zeigt, wie stark die jüngste Konsolidierung nach dem Höhenflug ausgefallen ist: Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro trennen die Aktie mittlerweile fast 45 Prozent.

Unter der Oberfläche zeigen sich Reibungspunkte. Die operative Marge rutschte auf berichteter Basis ins Minus, während sie bereinigt bei 9 Prozent lag – ein Hinweis darauf, wie sehr Sondereffekte das Bild verzerren. Die Bandbreite für die Cashflow-Konversion bleibt mit 55 bis 75 Prozent breit gefasst.

Bank of America bestätigte dennoch ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel auf 18,50 US-Dollar an, gestützt auf das prall gefüllte KI-Auftragsbuch. SEB Equities stufte die Aktie sogar auf Kaufen hoch mit einem Ziel von 12 Euro. Ein zusätzlicher Katalysator: die neue AI-RAN-Plattform in Kooperation mit Nvidia, die das gesamte Funknetzwerk-Geschäft neu bewerten könnte.

Alibaba: Neues KI-Modell befeuert die Rally

Der chinesische Technologiekonzern gehört zu den Gewinnern der vergangenen Wochen. Mit dem neuen Sprachmodell Qwen3.8-Max, das nach Unternehmensangaben 2,4 Billionen Parameter umfasst, positioniert sich Alibaba direkt gegen Anthropic und dessen Claude-Modelle. Das Modell soll unter anderem Chipdesigns entwickeln und wissenschaftliche Arbeiten umschreiben können.

Der Kurs steht aktuell bei 110,20 Euro, nach einem Tagesminus von 1,25 Prozent. Der Blick auf die vergangenen Wochen zeigt aber die eigentliche Dynamik: Über sieben Tage steht ein Plus von 9,11 Prozent, über 30 Tage sogar von 28,14 Prozent. Seit dem Junitief hat sich die Aktie damit spürbar erholt, bleibt aber seit Jahresbeginn mit einem Minus von 13,09 Prozent im Rückstand.

Die Wachstumstreiber liegen im Cloud-Geschäft. Die Cloud Intelligence Group legte um 38 Prozent zu, KI-Anwendungen machen inzwischen 30 Prozent der externen Cloud-Umsätze aus. Für das kommende Quartal erwarten Analysten einen Umsatz von umgerechnet rund 268,86 Milliarden Renminbi, ein Plus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – beim bereinigten Gewinn je Aktie wird dagegen ein Rückgang erwartet. Die durchschnittliche Kaufempfehlung bleibt bestehen, mit einem Kursziel, das eine deutliche Neubewertung nach oben unterstellt. Der nächste Quartalsbericht steht am 17. August an.

Eutelsat: Spektrum-Entscheidung bringt Zusatzertrag

Die US-Regulierungsbehörde FCC hat mit ihrer Entscheidung zur Neuordnung des Upper-C-Band-Spektrums für eine unerwartete Cash-Spritze bei Eutelsat gesorgt. Der Satellitenbetreiber erhält demnach eine Anreizzahlung von 504 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 443 Millionen Euro – vorausgesetzt, die Übergangsfristen werden eingehalten.

Zum Vergleich: Konkurrent SES bekommt mit geschätzten 5,6 Milliarden US-Dollar den mit Abstand größten Anteil, das kanadische Unternehmen Telesat einen kleineren Batzen. CEO Jean-François Fallacher bezeichnete die Entscheidung als wichtigen Meilenstein für die Satelliten- und Telekommunikationsbranche in den USA.

Aktuell notiert die Eutelsat-Aktie bei 2,15 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Der Blick auf die längere Frist zeigt allerdings deutliche Bremsspuren: Über 30 Tage steht ein Minus von 14,13 Prozent, seit dem Hoch im Mai hat sich der Kurs mehr als halbiert. JPMorgan beziffert den Barwert der Anreizzahlungen auf nur etwa 0,50 Euro je Aktie – deutlich weniger als die rund 6 Euro, die SES-Aktionären zugutekommen dürften. Die Auszahlung selbst ist zudem an Übergangsfristen bis 2031 gekoppelt, was den kurzfristigen Kurseffekt begrenzt. Analysten bleiben entsprechend zurückhaltend mit einer neutralen Einstufung.

The Trade Desk: Zittern vor den Zahlen

Kein anderer Titel im Sektor steckt derzeit in einer so unklaren Lage wie The Trade Desk. Die Adtech-Firma legt heute ihre Quartalszahlen vor, Analysten rechnen mit einem Umsatz von 751,6 Millionen US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von 0,41 US-Dollar.

Der Kurs selbst bewegt sich seit Wochen in eine Seitwärtsspanne zwischen Unterstützung und Widerstand. Aktuell notiert die Aktie bei 16,48 Euro, praktisch unverändert zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen zwölf Monate zeigt das Ausmaß des Absturzes: ein Minus von 78,56 Prozent, seit Jahresbeginn liegt der Rückgang bei 49,39 Prozent. Vom einstigen 52-Wochen-Hoch bei 78,26 Euro trennen die Aktie inzwischen fast 79 Prozent.

Institutionelle Anleger haben sich zuletzt zurückgezogen. Mehrere große Fondsgesellschaften reduzierten ihre Positionen im ersten Quartal drastisch. Trotzdem bleibt die längerfristige Einschätzung von Analystenseite konstruktiv – die durchschnittliche Kaufempfehlung mit deutlich höherem Kursziel bleibt bestehen. Als Marken gelten ein Widerstand nahe dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt sowie eine Unterstützung im Bereich des 52-Wochen-Tiefs.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich der Markt strategische Entscheidungen honoriert:

  • Deutsche Telekom: Kapitaldisziplin als Kurstreiber – Rückkäufe statt organisches Wachstum als Story
  • Nokia: KI-Auftragsbuch sorgt für Rally, doch Margendruck bleibt ein Unsicherheitsfaktor
  • Alibaba: Cloud- und KI-Wachstum überstrahlen schwächere Gewinnerwartungen
  • Eutelsat: Regulatorischer Sondereffekt mit begrenzter kurzfristiger Wirkung
  • The Trade Desk: Technische Bodenbildung vor entscheidendem Quartalsbericht

Ein gemeinsamer Trend lässt sich nicht ablesen. Kapitalrückführung, KI-Monetarisierung und regulatorische Sondereffekte treiben jeweils isolierte Kursbewegungen – während die Geduld der Anleger mit operativer Ausführung, besonders bei Marge und Cashflow, branchenweit dünn bleibt.

Ausblick: Diese Termine entscheiden über die nächste Bewegung

Die kommenden Wochen bringen dichten Nachrichtenstoff. Bei der Deutschen Telekom dürften die neuen Rückkauftranchen ab dem 10. August anlaufen und für kontinuierlichen Nachfragedruck sorgen. Nokia muss seine Prognose für das dritte Quartal, ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, gegen die anhaltende KI-Dynamik verteidigen.

Alibaba zeigt am 17. August, ob sich schrumpfende Verluste im Instant-Commerce-Geschäft und Cloud-Wachstum gegen den Investitionsdruck durch KI-Ausgaben durchsetzen können. Bei Eutelsat bleibt der Blick auf die Übergangsfristen bis 2031 gerichtet – kurzfristig dürfte der Kurs davon kaum profitieren. The Trade Desk liefert mit den heutigen Zahlen den unmittelbarsten Stimmungstest des Tages: Reicht es, um wichtige Widerstandsmarken zurückzuerobern, oder folgt der nächste Rutsch in Richtung der Jahrestiefs?

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Deutsche Telekom Aktie

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Sektor Kommunikationsdienste
Div.-Rendite 3,56 %
Marktkapitalisierung 134,74 Mrd. EUR
ISIN: DE0005557508 WKN: 555750

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