Fünf Tage Galgenfrist – und die Märkte greifen zu

Eine diplomatische Verlängerung löst eine Erholungsrally an den Märkten aus, doch hohe Anleiherenditen und explodierende Dieselpreise signalisieren anhaltende Risiken.

Eduard Altmann ·
Fünf Tage Galgenfrist – und die Märkte greifen zu

Kurz zusammengefasst

  • DAX springt nach Trump-Ultimatum über 3,6 Prozent
  • Ölpreis stürzt um bis zu 14 Prozent ab
  • Dieselpreise notieren nahe Allzeithoch
  • Commerzbank-Chefin warnt vor massivem Stellenabbau

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern bat ich Sie, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn am Montagmorgen die Handelsräume öffnen. Die Antwort der Märkte kam schneller und heftiger, als selbst Optimisten erwartet hatten. Ein einziger diplomatischer Halbsatz aus Washington genügte, um den DAX vom Rande des Abgrunds zurückzureißen.

Donald Trump hat sein 48-Stunden-Ultimatum an den Iran um fünf Tage verlängert. Die angedrohten Schläge gegen iranische Kraftwerke und Energieinfrastruktur – vorerst ausgesetzt. Begründung: „produktive Gespräche“. Teheran dementierte umgehend. Den Märkten war das gleichgültig. Sie griffen nach dem Rettungsanker, als gäbe es keinen zweiten.

Das Relief Rally und seine Halbwertszeit

Die Reaktion der Anlageklassen folgte dem Lehrbuch. Brent-Rohöl, das seit Ausbruch der Iran-Krise um 50 Prozent gestiegen war und zwischenzeitlich die 113-Dollar-Marke durchbrach, stürzte im Tagesverlauf um bis zu 14 Prozent auf 96 Dollar ab, bevor es sich nahe 102 Dollar stabilisierte. WTI fiel zeitweise unter 89 Dollar.

Der DAX nutzte die Vorlage. Von seinem Tagestief bei 21.946 Punkten katapultierte sich das Barometer um über 3,6 Prozent nach oben und durchbrach die 23.000er-Marke – Schluss bei 23.178 Punkten. S&P 500 und Nasdaq 100 legten jeweils rund 2 Prozent zu.

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Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich in Berlin erleichtert und bot Washington deutsche Vermittlungshilfe an. Doch die Internationale Energieagentur warnt weiterhin vor der schwersten globalen Energiekrise seit Jahrzehnten. Und die Zahlen geben ihr recht: Die Zerstörung von 17 Prozent der katarischen LNG-Exportkapazität durch iranische Raketen – ein Schaden von 20 Milliarden Dollar, dessen Reparatur bis zu fünf Jahre dauern könnte – zeigt, wie fragil die globale Energieversorgung bleibt. Ein Ölpreisrückgang um 14 Prozent an einem Tag heilt keine zerbombte Infrastruktur.

Was der Anleihemarkt wirklich denkt

Während die Aktienmärkte feiern, erzählt der Rentenmarkt eine nüchternere Geschichte. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries gab am Montag zwar leicht auf 4,33 Prozent nach, bleibt aber nahe dem Krisenhoch von 4,39 Prozent – ein Niveau, das Wachstumsaktien systematisch unter Druck setzt.

In Europa ist die Lage noch brisanter. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zwischenzeitlich bei 3,03 Prozent – ein 15-Jahres-Hoch. Am Geldmarkt preisen Händler für 2026 mittlerweile drei Zinserhöhungen der EZB ein. Der Grund: explodierende Diesel- und Kerosinpreise, die laut Goldman Sachs ein noch größeres Inflationsrisiko darstellen als der Rohölpreis selbst. Der EZB sind die Hände gebunden. Wer in meinem gestrigen Newsletter las, dass die Notenbanken zum Zuschauen verdammt sind – an diesem Befund hat sich nichts geändert. Die Dieselpreise notieren bei 2,30 Euro pro Liter, nahe am Allzeithoch.

Orlopp gegen Orcel: Die Handschuhe sind ab

Abseits der Geopolitik eskaliert in Frankfurt ein Kampf, den ich seit Tagen verfolge und der am Montag eine neue Schärfe erreichte. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat in der Süddeutschen Zeitung die Konfrontation mit UniCredit-Chef Andrea Orcel offen gesucht.

Ihr Argument ist so simpel wie vernichtend: Orcel strebt eine Kosten-Ertrags-Quote von 35 Prozent an. Orlopps Rechnung dazu: „Anders kommt man nicht auf eine Kostenquote von 35 Prozent […] Oder wir werden eine Niederlassung in einem Konzern und erleben womöglich dasselbe, was wir bei der HVB gesehen haben, einen Personalabbau von zwei Dritteln.“ Zwei Drittel. Das ist keine Effizienzsteigerung, das ist Demontage. Was sich hier abspielt, ist weit mehr als ein Übernahmepoker – es ist ein Lackmustest dafür, ob europäische Bankenkonsolidierung auch ohne Kahlschlag funktionieren kann.

Bitcoin unter Druck, Amazon baut vor

Dass geopolitische Krisen nicht automatisch Krypto-Assets beflügeln, bestätigt sich erneut. Bitcoin konsolidiert bei rund 68.500 Dollar, nachdem die 70.000er-Marke nach unten durchbrochen wurde. Über 300 Millionen Dollar an Long-Positionen wurden liquidiert. Hohe Ölpreise, schwindende Zinssenkungshoffnungen, schrumpfende Liquidität – die Gravitationskräfte des traditionellen Finanzsystems, vor denen ich am Wochenende warnte, ziehen voll durch. Anthony Scaramucci nennt es eine „routinemäßige Korrektur im 4-Jahres-Zyklus“. Mag sein. Der Makro-Gegenwind bleibt trotzdem erheblich.

Ganz andere Signale sendet die Tech-Welt. Aus SEC-Filings ging am Montag hervor, dass Amazons Cloud-Sparte AWS bis 2027 eine Million Nvidia-GPUs bestellt hat. Während die alte Welt um Ölrouten kämpft, zementiert die neue Welt ihre Infrastruktur-Monopole bei der Rechenleistung. Die Prioritäten könnten unterschiedlicher kaum sein.

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Fünf Tage – und dann?

Wir haben eine Atempause gewonnen. Fünf Tage. Die UN erinnert an den humanitären Preis dieser Krise: 3,2 Millionen Vertriebene im Iran, eine Million im Libanon. Ein kleiner Lichtblick erreichte uns aus Brüssel: Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten kann ab dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet werden – ein Beweis, dass multilaterale Diplomatie auch in Zeiten der Fragmentierung noch Ergebnisse liefert.

Behalten Sie in den kommenden Tagen vor allem zwei Indikatoren im Blick: die Dieselpreise und die Rendite der Bundesanleihen. Sie sind die wahren Seismographen für die Schmerzgrenze der europäischen Wirtschaft. Alles andere ist Tagesrauschen.

Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann

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