Gerresheimer: 35 Millionen Euro Umsatzfalschbuchungen
Der Pharmaverpacker Gerresheimer kämpft mit einer BaFin-Prüfung zu Bilanzfehlern, steigenden Energiekosten und deutlichen Kursverlusten. Die Veröffentlichung valider Zahlen wird für Juni erwartet.

Kurz zusammengefasst
- BaFin prüft Bilanzfehler in Millionenhöhe
- Steigende Energiekosten belasten die Margen
- Aktie verliert über 20 Prozent im Jahr
- Wichtige Finanztermine wurden verschoben
Falsche Buchungen, eine laufende BaFin-Prüfung und nun auch noch steigende Energiekosten — Gerresheimer kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Der Pharmaverpackungshersteller hat gerade erst eine Atempause mit seinen Kreditgebern ausgehandelt, doch die Probleme reichen tiefer.
Energiepreise verschärfen Kostendruck
Die jüngsten Erzeugerpreisdaten des Statistischen Bundesamts treffen das Unternehmen zur Unzeit. Im März stiegen die Energiekosten um 7,5 Prozent gegenüber Februar, Mineralölprodukte sogar um 22,9 Prozent. Für einen Hersteller von Glas- und Kunststoffverpackungen, dessen Produktion energieintensiv ist, schlägt das direkt auf die Margen durch.
Ob Gerresheimer diese Mehrkosten an Pharma- und Lebensmittelkunden weitergeben kann, entscheidet maßgeblich darüber, ob die angepeilte bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent für das Geschäftsjahr 2026 erreichbar bleibt. Der Umsatz soll in diesem Zeitraum zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro liegen — bei einem moderat positiven freien Cashflow.
BaFin prüft Bilanzfehler
Das eigentliche Kernproblem sitzt in der Bilanz. Die Finanzaufsicht BaFin leitete im März 2026 eine Prüfung des Konzernzwischenabschlusses ein, nachdem konkrete Anhaltspunkte auf Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften hinwiesen.
Im Zentrum stehen drei Punkte: möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten mit einem Buchwert von 65,5 Millionen Euro, fehlerhafte Nutzungsdauern bei aktivierten Entwicklungskosten sowie nicht erfasste Wertminderungen im Segment Advanced Technologies — Buchwert knapp 197 Millionen Euro. Hinzu kommt ein IFRS-Verstoß: Umsätze wurden für Waren gebucht, die das Unternehmen noch gar nicht verlassen hatten. Die Falschbuchungen belaufen sich auf 35 Millionen Euro beim Umsatz und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.
Solange unabhängige Sonderprüfer keine validierten Zahlen vorlegen, entzieht sich das Unternehmen einer seriösen Bewertung. Belastbare Ergebnisse werden frühestens im Juni erwartet.
Verschobene Termine, offene Fragen
Das Chaos spiegelt sich auch im Kalender. Die Q1-Mitteilung, ursprünglich für den 16. April angesetzt, wurde ebenso verschoben wie die Hauptversammlung vom 3. Juni. Neue Termine stehen noch aus.
Die Kursentwicklung zeigt, wie das Vertrauen der Anleger gelitten hat: Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 21 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sind es mehr als 58 Prozent. Mit 21,80 Euro notiert sie noch immer rund 66 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. Der RSI von knapp 31 signalisiert zwar eine überverkaufte Lage, doch die erhöhte Volatilität von rund 100 Prozent annualisiert zeigt, wie nervös der Markt bleibt.
Der unmittelbare Fahrplan ist klar: Gerresheimer muss den Verkauf der Tochter Centor abschließen, den Jahresabschluss finalisieren und die BaFin-Prüfung überstehen. Erst wenn die Sonderprüfer im Juni valide Zahlen liefern, lässt sich das tatsächliche Ausmaß der Buchungsfehler und die verbleibende Ertragskraft des Konzerns realistisch einschätzen.
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