Gerresheimer: 65,5 Millionen Euro Leasingfehler

Gerresheimer kämpft mit Bilanzfehlern und BaFin-Prüfung. Der Verkauf der US-Tochter Centor soll finanzielle Entlastung bringen.

Dieter Jaworski ·
Gerresheimer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • BaFin untersucht Bilanzierungsfehler
  • Jahresabschluss auf Juni verschoben
  • Verkauf von Centor eingeleitet
  • Operative Prognose bleibt bestehen

Im operativen Geschäft läuft es nach Plan, in der Bilanzabteilung herrscht Chaos. Der Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer kämpft aktuell an mehreren Fronten. Falsch verbuchte Umsätze riefen die Finanzaufsicht BaFin auf den Plan. Nun versucht das Management, mit einem Notverkauf in den USA Zeit und Kapital zu gewinnen.

BaFin prüft fehlerhafte Bilanzen

Der Kern der Krise liegt in der Rechnungslegung. Auslöser waren Fehler bei sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen, bei denen Erlöse gegen IFRS-Vorschriften zu früh erfasst wurden. Die BaFin weitete ihre anfängliche Prüfung schnell aus.

Konkret bemängeln die Aufseher drei Bereiche. Leasingverbindlichkeiten von rund 65 Millionen Euro wurden in falscher Höhe angesetzt. Hinzu kommen fehlerhafte Angaben zu Entwicklungskosten mit einem Buchwert von gut 29 Millionen Euro sowie fehlende Wertminderungen im Segment Advanced Technologies. Ein Zeitplan für das finale Prüfergebnis fehlt bislang.

Jahresabschluss auf Juni verschoben

Ohne testierten Jahresabschluss fehlt dem Markt die verlässliche Datengrundlage. Solange das wahre Ausmaß der Bilanzprobleme unklar bleibt, agiert institutionelles Kapital äußerst zurückhaltend.

Die internen Untersuchungen zwingen das Unternehmen zu massiven Verzögerungen. Gerresheimer plant nun, den testierten Konzernabschluss für 2025 erst im Juni 2026 vorzulegen. Die Zahlen für das erste Quartal sollen zeitnah danach folgen. Zur Überbrückung setzten die Kreditgeber wesentliche Bedingungen zum Verschuldungsgrad bis in den Herbst aus.

US-Tochter steht zum Verkauf

Um die angespannte Finanzierungsstruktur zu entlasten, treibt das Management den Verkauf der US-Tochter Centor Inc. voran. Der Spezialist für verschreibungspflichtige Medikamentenverpackungen soll frisches Geld in die Kasse spülen.

Der von Morgan Stanley begleitete Prozess stößt offenbar auf Resonanz. Laut Unternehmensangaben gibt es eine zweistellige Anzahl von Interessenten. Gerresheimer rechnet noch im laufenden Jahr mit dem Abschluss der Transaktion.

Operative Stabilität trifft auf hohe Volatilität

Abseits der Bilanzthemen meldet der Konzern eine solide Auftragslage. Für das laufende Geschäftsjahr peilt der Vorstand einen Umsatz von bis zu 2,4 Milliarden Euro an. Die bereinigte operative Marge soll bei rund 18 bis 19 Prozent liegen. Diese Prognose steht unter dem Vorbehalt eines positiven BaFin-Ergebnisses.

An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit in extremen Kursschwankungen wider. Auf Jahressicht verlor die Aktie rund 60 Prozent an Wert und notiert aktuell bei 21,52 Euro. Indes zeigt der RSI-Wert von 27,8 einen stark überverkauften Zustand an.

Die nächsten Monate erfordern Geduld von den Aktionären. Der wichtigste Termin ist die Vorlage des Jahresabschlusses im Juni 2026. Erst wenn die testierten Zahlen auf dem Tisch liegen, lässt sich der fundamentale Schaden der Bilanzfehler abschließend bewerten.

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Gerresheimer Aktie

24,90 EUR

– 0,24 EUR -0,95 %
KGV 37,15
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,16 %
Marktkapitalisierung 872,48 Mio. EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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