Gerresheimer Aktie: 35 Millionen Euro Umsatz-Korrektur
Gerresheimer kämpft mit Millionenlücken in der Bilanz, während Kreditgeber Aufschub gewähren und der SDAX-Ausschluss droht.

Kurz zusammengefasst
- Millionenlücken durch Bilanzverstöße
- Kreditgeber stimmen Fristverlängerung zu
- Jeffersen senkt Aktienrating und Kursziel
- SDAX-Ausschluss rückt näher
Bilanzunregelmäßigkeiten, ein verschobener Jahresabschluss und drohender Indexausschluss — Gerresheimer steckt tief in der Krise. Der Verpackungsspezialist kämpft auf mehreren Fronten gleichzeitig, während das Vertrauen der Investoren weiter bröckelt.
Forensische Prüfung deckt Millionenlücken auf
Im Kern geht es um Verstöße gegen interne Richtlinien und IFRS-Vorgaben bei Geschäftsvorgängen der Jahre 2024 und 2025. Konkret betroffen: die Bewertung von Lagerbeständen und sogenannte Bill-and-Hold-Erlöse. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft soll die Vorgänge aufarbeiten.
Der Korrekturbedarf für das Geschäftsjahr 2024 wird auf rund 35 Millionen Euro beim Umsatz geschätzt. Beim bereinigten EBITDA rechnet der Konzern mit einer Anpassung von etwa 24 Millionen Euro. Den testierten Konzernabschluss 2025 strebt das Unternehmen nun für Juni 2026 an — unter der Führung von Interims-CEO Uwe Röhrhoff, der seit November im Amt ist.
Kreditgeber gewähren Aufschub bis September
Trotz der bilanziellen Verwerfungen gelang Gerresheimer eine wichtige Einigung mit seinen Finanzierungspartnern. Inhaber von Schuldscheindarlehen im Volumen von 870 Millionen Euro stimmten mit einer Mehrheit von 96 Prozent einer Fristverlängerung zur Vorlage der Abschlüsse bis zum 30. September 2026 zu. Auch die Bankenpartner tragen die Verlängerung mit.
Im Zuge der Vereinbarung wurden wesentliche Covenants bezüglich des Verschuldungsgrades bis einschließlich des dritten Quartals 2026 ausgesetzt. Das schafft Spielraum für die operative Restrukturierung und den geplanten Verkauf der Sparte Centor Inc.
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Jefferies stuft ab — SDAX-Ausschluss rückt näher
Der Kapitalmarkt zeigt wenig Geduld. Jefferies senkte die Aktie am 19. Mai von „Buy“ auf „Hold“ und kappte das Kursziel von 34,10 Euro auf 26,80 Euro. Als Gründe nannten die Analysten Integrationsrisiken bei der Bormioli-Pharma-Übernahme sowie anhaltende Schwäche in wichtigen Endmärkten.
Obendrein droht ein regulatorischer Einschnitt: Wegen der verspäteten Veröffentlichung geprüfter Finanzdaten gilt ein Ausschluss aus dem SDAX als wahrscheinlich. Die ursprünglich für April geplante Hauptversammlung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 27,00 Euro — rund 58 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro. Zuletzt stützte der Großaktionär Active Ownership Fund mit Käufen den Kurs im Bereich von 28 Euro. Das fundamentale Problem bleibt jedoch ungelöst: Solange das wahre Ausmaß der Bilanzkorrekturen unklar ist, fehlt dem Papier jede verlässliche Bewertungsgrundlage.
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