Gerresheimer Aktie: 676 Millionen Euro Geschäftswerte unter Verdacht

Gerresheimer kämpft mit Bilanzfehlern und Schadensersatzforderungen. Gläubiger gewähren Aufschub, während das Management Werke schließt und verkauft.

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Wasserseite des Finanzdistrikts bei Dämmerung (KI-generiertes Symbolbild)
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Kurz zusammengefasst

  • DSW prüft Schadensersatzklagen gegen Ex-Vorstände
  • Systematische Umsatzbuchungsfehler belasten Bilanzen
  • Gläubiger stimmen Fristverlängerung für Abschlüsse zu
  • Werk in Chicago Heights wird geschlossen

Die Aktie hat sich vom Februartief bei 14,90 Euro deutlich erholt. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Minus von rund 45 Prozent. Das Bild erzählt von einem Unternehmen, das operative Stabilität behauptet — während juristische und bilanzielle Baustellen wachsen.

DSW prüft Schadensersatz gegen Ex-Vorstand

Der Aktionärsschutzverband DSW hat ein Gutachten eingeholt. Ziel: Schadensersatzansprüche gegen Ex-Vorstandschef Dietmar Siemssen und Ex-Finanzvorstand Bernd Metzner prüfen. Auch Aufsichtsrat und Prüfungsausschuss stehen im Fokus.

Im Kern geht es um Bewertungsfragen rund um Geschäftswerte von 676 Millionen Euro. DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler machte klar: Je konkreter die Ansprüche werden, desto wahrscheinlicher wird ein Prozessfinanzierer einsteigen.

Bill-and-Hold: Der Ursprung der Krise

Das eigentliche Problem sind sogenannte Bill-and-Hold-Transaktionen. Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung, lieferte sie aber erst später aus — und buchte die Umsätze zu früh. Das verstößt gegen IFRS-Vorschriften.

Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte die systematischen Verstöße. Sie belasten 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA. Obendrein stehen Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro unter Fehlerverdacht.

Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Der Vorwurf: Die Prüfer testierten den Jahresabschluss 2024 uneingeschränkt — trotz systematischer Fehler bei der Umsatzrealisierung. KPMG hatte erst 2024 den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst.

Gläubiger geben Zeit, Management handelt

Auf der Finanzierungsseite hat sich Gerresheimer Luft verschafft. Inhaber von Schuldscheindarlehen über 870 Millionen Euro stimmten mit 96 Prozent einer Fristverlängerung zu. Die Abschlüsse müssen nun erst bis Ende September 2026 vorliegen. Wesentliche Covenants zum Verschuldungsgrad hat der Konzern bis dahin ausgesetzt.

Operativ zieht das Management Konsequenzen. Das Werk in Chicago Heights schließt — 172 Mitarbeiter verlieren bis Ende September 2026 ihren Job. Die Produktion verlagert sich nach Italien und Indien. Für 2025 plant Gerresheimer nicht-zahlungswirksame Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro, betroffen sind das US-Werk und die Tochter Sensile Medical AG.

Parallel läuft der Verkauf der US-Tochter Centor, die Verpackungen für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt. Morgan Stanley begleitet den Prozess. Ende 2024 stand Centor mit 292 Millionen Euro in den Büchern — eine zweistellige Anzahl von Interessenten hat sich bereits gemeldet.

Prognose steht, Vertrauen fehlt noch

Für 2026 peilt Gerresheimer Umsätze zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro an, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent und einen moderat positiven freien Cashflow. Die Prognose steht allerdings unter dem Vorbehalt erfolgreicher Kreditverhandlungen und des Ausgangs laufender BaFin-Ermittlungen.

Gut elf Prozent der meldepflichtigen Aktien sind leerverkauft. Erste Leerverkäufer wie Arrowstreet Capital bauen ihre Positionen leicht ab — ein Zeichen, dass die Erholung von rund 26 Euro nicht völlig ignoriert wird. Der testierte Jahresabschluss soll noch im Juni erscheinen. Er wird die erste belastbare Datenbasis seit Ausbruch der Krise liefern — und der Lackmustest für das beschädigte Vertrauen institutioneller Investoren sein.

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Gerresheimer Aktie

31,10 EUR

– 0,14 EUR -0,45 %
KGV —
KUV 0,42
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 1,07 Mrd. EUR
Ø Kursziel 27,38 EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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