Kein testierter Jahresabschluss, keine Hauptversammlung, kein Q1-Bericht – bei Gerresheimer fehlt derzeit der gesamte Finanzkalender. Das Unternehmen hat bestätigt, dass die Veröffentlichung des Abschlusses für 2025 nicht wie vorgesehen bis Ende März gelingt. Frühestens im Juni 2026 soll der Abschluss vorliegen.
Bilanzfehler mit erheblichem Ausmaß
Der Kern des Problems: Mitarbeitende haben intern gegen Bilanzierungsvorschriften verstoßen. Die Korrekturen betreffen vor allem die Umsatzerfassung sowie die Bewertung von Vorräten. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht die betroffenen Geschäftsvorgänge aus den Jahren 2024 und 2025 – und braucht dafür länger als erwartet.
Die finanziellen Konsequenzen sind erheblich. Potenzielle Abschreibungen von 220 bis 240 Millionen Euro stehen im Raum, hauptsächlich auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und einen Standort in Chicago. Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 wird die eigenen Zielvorgaben verfehlen, beim Gewinn je Aktie droht ein zweistelliger Einbruch – ein Verlust ist dabei nicht ausgeschlossen.
Regulatorischer Druck auf mehreren Ebenen
Die BaFin hat zwei separate Prüfverfahren eingeleitet: eines zu den konsolidierten Zwischenabschlüssen von Dezember 2024 bis Mai 2025, ein weiteres als Ausweitung einer bereits laufenden Ad-hoc-Prüfung zum Abschluss per November 2024. In beiden Fällen geht es um konkrete Verstöße gegen Bilanzierungsvorschriften.
Parallel verhandelt Gerresheimer mit Kreditgebern über eine Verlängerung der Fristen zur Vorlage des testierten Abschlusses. Werden diese Fristen formal überschritten, könnten Banken vertragliche Rechte geltend machen. Wie kulant sich die Gläubiger zeigen, ist derzeit offen.
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Hinzu kommt der drohende SDAX-Ausschluss: Die Deutsche Börse dürfte die Aktie aus dem Index nehmen, was Indexfonds zu Umschichtungen zwingt und weiteren Verkaufsdruck erzeugen könnte. Zur Bilanzentlastung plant Gerresheimer zudem den Verkauf der US-Tochter Centor – was die Ertragskraft des Konzerns allerdings weiter schwächen würde.
Ausblick für 2026
Für das laufende Jahr gibt das Unternehmen trotz allem eine Orientierung: Gerresheimer erwartet einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent und einen moderat positiven Free Cashflow. Das erste Halbjahr soll dabei erwartungsgemäß schwächer ausfallen.
Die Aktie hat seit dem 52-Wochen-Hoch bei 78,45 Euro rund 76 Prozent verloren und notiert aktuell bei 18,60 Euro – deutlich unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts von 32,28 Euro. Der nächste konkrete Meilenstein ist die geplante Vorlage des testierten Jahresabschlusses im Juni 2026. Bis dahin hängt die Kursentwicklung maßgeblich davon ab, ob die Kreditgeber-Verhandlungen zu einer einvernehmlichen Lösung führen und die BaFin-Prüfungen keine weiteren Überraschungen bringen.
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