Der Verpackungshersteller Gerresheimer steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Wegen internen Ermittlungen zu möglichen Bilanzverstößen muss der Konzern seinen Jahresabschluss für 2025 um Monate verschieben und ruft damit die Finanzaufsicht auf den Plan. Wie gravierend sind die Unregelmäßigkeiten, die den Aktienkurs massiv einbrechen ließen?
Verantwortlich für die Verzögerung bis voraussichtlich Juni 2026 ist eine laufende Sonderuntersuchung. Eine zweite externe Prüfungsgesellschaft durchleuchtet derzeit die Geschäftsjahre 2024 und 2025, da einzelne Mitarbeiter offenbar interne Richtlinien und Rechnungslegungsvorschriften verletzt haben. Im Zentrum stehen dabei die Bilanzierung von Vorräten sowie die Umsatzrealisierung. Auch die Finanzaufsicht BaFin hat sich eingeschaltet und prüft den jüngsten Zwischenabschluss. Dabei fokussieren sich die Ermittler auf sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen, bei denen Umsätze bereits vor der eigentlichen Warenauslieferung verbucht werden.
Die internen Verfehlungen hinterlassen deutliche Spuren in den Büchern. Gerresheimer rechnet nun mit Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro und senkte die Prognose für die bereinigte EBITDA-Marge auf 16,5 bis 17,5 Prozent. Beim Gewinn je Aktie schließt das Management sogar einen Verlust nicht mehr aus. An der Börse sorgte die Nachrichtenlage für einen drastischen Ausverkauf. Mit einem aktuellen Kurs von 18,69 Euro hat das Papier auf Jahressicht über 76 Prozent an Wert verloren und notiert weit unter seinen langfristigen Durchschnittslinien.
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Dominoeffekt: SDAX-Abstieg und Bankengespräche
Die fehlenden testierten Zahlen setzen eine weitreichende Kettenreaktion in Gang. Das Unternehmen geht selbst davon aus, in Kürze aus dem SDAX ausgeschlossen zu werden, was durch zwingende Umschichtungen von Indexfonds weiteren Verkaufsdruck erzeugen dürfte. Gleichzeitig muss das Management nun mit seinen Kreditgebern verhandeln, um die Fristen für die Vorlage des Jahresabschlusses zu verlängern und formale Vertragsverletzungen abzuwenden. Um die strukturelle Lage anzupassen, plant Gerresheimer zudem, noch in diesem Jahr die hochmargige US-Tochter Centor zu verkaufen, während der Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts gestoppt wurde.
Trotz der aktuellen Krise stellt das Management für das laufende Geschäftsjahr 2026 eine operative Erholung mit einem Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro in Aussicht. Bevor diese operativen Ziele jedoch in den Fokus rücken können, müssen die bilanziellen Altlasten geklärt werden. Die ursprünglich für den 3. Juni 2026 angesetzte Hauptversammlung wurde bereits abgesagt; ein neuer Termin sowie das Datum für die Vorlage der Ergebnisse des ersten Quartals stehen noch aus.
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