Gerresheimer Aktie: Ausweglose Lage?

Gerresheimer verschiebt Jahresabschluss erneut, verliert SDAX-Platz und muss massive Abschreibungen vornehmen. Die BaFin weitet ihre Untersuchungen aus.

Dr. Robert Sasse ·
Gerresheimer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Erneute Verschiebung des testierten Jahresabschlusses
  • Verlust des SDAX-Indexplatzes mit Folgen
  • BaFin-Ermittlungen zu Buchhaltungsfehlern ausgeweitet
  • Massive Abschreibungen in Millionenhöhe nötig

Der Düsseldorfer Verpackungsspezialist Gerresheimer manövriert sich immer tiefer in eine handfeste Vertrauenskrise. Eine erneute Verschiebung des Jahresabschlusses und die Ausweitung laufender BaFin-Ermittlungen zwingen das Unternehmen nun sogar aus dem SDAX. Für Anleger verdichten sich die Anzeichen, dass die internen Bilanzierungsprobleme weitaus gravierender sind als ursprünglich angenommen.

Am späten Dienstagabend musste das Management einräumen, dass der testierte Konzernabschluss für 2025 erst im Juni vorliegen wird. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft benötigt für ihre Sonderuntersuchung der vergangenen zwei Geschäftsjahre mehr Zeit. Diese Verzögerung hat direkte Konsequenzen für die Aktionärsstruktur: Gerresheimer verliert seinen Platz im SDAX. Indexfonds sind dadurch gezwungen, ihre Positionen umzuschichten, was zusätzlichen Verkaufsdruck generiert.

Der verschobene Jahresabschluss wirbelt zudem den gesamten Finanzkalender durcheinander. Folgende Termine wurden bis auf Weiteres gestrichen:
– Veröffentlichung der Q1-Zahlen (geplant für 16. April 2026)
– Ordentliche Hauptversammlung (geplant für 3. Juni 2026)

Gleichzeitig laufen im Hintergrund hektische Gespräche mit den Kreditgebern. Das Unternehmen muss rasch eine Verlängerung der vertraglichen Meldefristen aushandeln, um das mögliche Ziehen von Kreditklauseln durch die Banken zu verhindern.

BaFin-Ermittlungen und massive Abschreibungen

Ihren Ursprung hat die Krise in fehlerhaften Buchungen Ende 2025, als Mitarbeiter Umsätze vor der eigentlichen Warenauslieferung verbuchten. Die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Prüfungen mittlerweile drastisch ausgeweitet. Neben der reinen Umsatzrealisierung stehen nun auch möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von knapp 30 Millionen Euro auf dem Prüfstand.

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Parallel dazu muss das Unternehmen gewaltige Wertberichtigungen vornehmen. Auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und den US-Standort in Chicago entfallen Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro. Um die angespannte Bilanz zu entlasten, prüft das Management nun sogar den Verkauf der hochmargigen US-Tochter Centor – ein Schritt, der die ohnehin schwächelnde Profitabilität des Gesamtkonzerns weiter belasten dürfte.

Charttechnik spiegelt den Vertrauensverlust

Der Kapitalmarkt straft diese fundamentale Intransparenz hart ab. Aktuell notiert das Papier bei nur noch 17,32 Euro und verzeichnete allein heute einen weiteren Rücksetzer von 4,31 Prozent. Blickt man auf die vergangenen zwölf Monate, beläuft sich der Wertverlust auf drastische 77,49 Prozent. Das ehemalige 52-Wochen-Hoch bei gut 80 Euro aus dem März 2025 ist völlig außer Reichweite geraten. Ein RSI-Wert von 17,7 signalisiert zwar eine stark überverkaufte Situation, doch Leerverkäufer stockten ihre Positionen zuletzt weiter auf.

Der nächste harte Meilenstein für Gerresheimer ist nun der Juni 2026. Bis zur Vorlage des testierten Abschlusses und den finalen Ergebnissen der BaFin-Untersuchungen fehlt dem Markt jegliche verlässliche Bewertungsgrundlage. Die kurzfristige Kursentwicklung hängt bis dahin primär vom Wohlwollen der Kreditgeber bei den ausstehenden Fristverlängerungen ab.

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Gerresheimer Aktie

20,76 EUR

– 0,20 EUR -0,95 %
KGV 30,41
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,19 %
Marktkapitalisierung 714,29 Mio. EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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