Gerresheimer Aktie: BaFin greift durch

Die Finanzaufsicht weitet ihre Prüfung bei Gerresheimer aus. Der Konzern reagiert mit dem Verkauf einer profitablen Tochter und muss hohe Wertberichtigungen vornehmen.

Andreas Sommer ·
Gerresheimer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • BaFin prüft Bilanzierung bei Leasing und Entwicklungskosten
  • Verkauf der US-Tochter Centor soll Liquidität sichern
  • Wertberichtigungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • Aktie verliert über 70 Prozent im Jahresvergleich

Der Verpackungsspezialist Gerresheimer rutscht immer tiefer in einen komplexen Bilanzskandal. Während die ungenutzt verstrichene Frist für den Jahresabschluss den Abstieg aus dem SDAX besiegelte, nimmt die Finanzaufsicht nun weitere Ungereimtheiten ins Visier. Um die angespannte Lage zu stabilisieren, greift das Management zu drastischen Gegenmaßnahmen und stellt das profitabelste Tochterunternehmen zum Verkauf.

Ermittlungen ziehen weite Kreise

Ursprünglich entzündete sich die Krise an fehlerhaften Verbuchungen sogenannter Bill-and-Hold-Umsätze – also Waren, die als abgerechnet gelten, obwohl sie noch beim Hersteller lagern. Diese Praxis führte allein für das Jahr 2024 zu Korrekturen von 35 Millionen Euro beim Umsatz. Inzwischen hat die BaFin ihre Untersuchung massiv ausgeweitet. Die Aufseher prüfen nun auch die Bilanzierung von Leasingverbindlichkeiten, aktivierte Entwicklungskosten sowie unterlassene Wertminderungen.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Bormioli-Übernahme. Die Risiken dieses Zukaufs wurden im vergangenen Halbjahresbericht offenbar zu gering eingeschätzt. Die Vorgänge belasten zudem den Wirtschaftsprüfer KPMG, gegen den die Abschlussprüferaufsichtsstelle bereits ein berufsrechtliches Verfahren eingeleitet hat.

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Notverkauf und juristische Nachspiele

Um sich in dieser prekären Lage finanziellen Spielraum zu verschaffen, hat das Unternehmen Morgan Stanley mit dem Verkauf der US-Tochter Centor beauftragt. Die Veräußerung dieses hochprofitablen Segments mit einem Buchwert von 292 Millionen Euro gleicht einem harten Einschnitt in die Unternehmenssubstanz. Gleichzeitig muss der Konzern nicht-zahlungswirksame Wertberichtigungen von bis zu 240 Millionen Euro verbuchen, die vor allem Technologieprojekte und eine Werksschließung in den USA betreffen.

Diese fundamentale Krise spiegelt sich schonungslos im Kursverlauf wider: Auf Sicht von zwölf Monaten hat das Papier drastische 72,40 Prozent an Wert verloren und notiert aktuell bei 19,40 Euro. Während der Aktionärsschutzverband DSW bereits Schadensersatzansprüche gegen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner ausarbeitet, nutzen erste institutionelle Investoren wie Deka Investment das stark gedrückte Kursniveau für einen strategischen Einstieg.

Eine verlässliche fundamentale Bewertung des Unternehmens bleibt bis zur Vorlage des testierten Jahresabschlusses im Juni 2026 unmöglich. Die ausgegebene Prognose für das laufende Jahr – ein Umsatz von bis zu 2,4 Milliarden Euro bei einer EBITDA-Marge von maximal 19 Prozent – steht unter dem absoluten Vorbehalt, dass die laufenden BaFin-Verfahren keine weiteren tiefgreifenden Bilanzlöcher zutage fördern.

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Gerresheimer Aktie

19,34 EUR

– 1,24 EUR -6,03 %
KGV 30,41
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,19 %
Marktkapitalisierung 714,29 Mio. EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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