Gerresheimer Aktie: BaFin verschärft Tonart

Die Finanzaufsicht untersucht nun auch den Halbjahresbericht von Gerresheimer. Das Unternehmen plant massive Abschreibungen, während ein neuer Großaktionär Anteile erwirbt.

Redaktion Stock-World ·
Gerresheimer Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • BaFin prüft Leasingverbindlichkeiten und Entwicklungskosten
  • Geplante Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • Verkauf der US-Tochter Centor zur Liquiditätsbeschaffung
  • Neuer Großinvestor erwirbt 4,08 Prozent der Stimmrechte

Gerresheimer steckt tief in der Krise. Was als Routineprüfung der BaFin begann, entwickelt sich zum Flächenbrand: Die Finanzaufsicht weitet ihre Untersuchungen massiv aus und nimmt nun auch den Halbjahresbericht unter die Lupe. Gleichzeitig steigt ein neuer Großinvestor ausgerechnet auf dem Tiefpunkt ein.

Aufsichtsbehörde findet weitere Problemfelder

Die BaFin hat den Radius ihrer Prüfung deutlich vergrößert. Neben den bereits bekannten „Bill-and-Hold“-Umsätzen aus dem Geschäftsjahr 2023/2024 stehen nun auch Positionen aus dem Halbjahresbericht 2024/2025 im Fokus der Aufseher.

Konkret geht es um Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro samt zugehöriger Zahlungsverpflichtungen. Die Behörde zweifelt an der korrekten bilanziellen Erfassung. Ebenfalls auf dem Prüfstand: aktivierte Entwicklungskosten mit einem Buchwert von 29,4 Millionen Euro. Hier hinterfragen die Prüfer insbesondere die angesetzten Nutzungsdauern.

Ein dritter neuralgischer Punkt betrifft Vermögenswerte im Segment „Advanced Technologies“. Diese Position steht mit 196,5 Millionen Euro in der Bilanz.

Massive Abschreibungen belasten Ergebnis

Die operativen Konsequenzen sind gravierend. Das Unternehmen muss bereits eingeräumte Fehler bei „Bill-and-Hold“-Geschäften korrigieren – insgesamt 28 Millionen Euro an Umsätzen werden storniert.

Deutlich schwerer wiegen jedoch geplante Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro. Diese nicht-zahlungswirksamen Abschreibungen machen einen Jahresverlust wahrscheinlich. Die bereinigte EBITDA-Marge wird nun nur noch zwischen 16,5 und 17,5 Prozent erwartet – eine deutliche Korrektur gegenüber den ursprünglichen Zielen.

Die Veröffentlichung des testierten Jahresabschlusses musste das Management auf unbestimmte Zeit verschieben. Ohne diese Zahlen fehlt Investoren die Grundlage für eine fundierte Bewertung.

US-Tochter soll Kasse füllen

Parallel zur Krisenaufarbeitung sucht der Vorstand nach finanziellen Lösungen. Der Verkauf der US-Tochter Centor Inc. soll die angespannte Kapitalstruktur entlasten. Eine internationale Investmentbank wurde bereits mit der Transaktion beauftragt.

Der Erlös soll Liquidität schaffen und dem Konzern wieder bilanziellen Spielraum verschaffen – dringend nötig in der aktuellen Situation.

Investor steigt in der Krise ein

Während der Kurs abstürzt, greift ein neuer Großaktionär zu. Aaron M. Weitman meldete am 3. März über den CastleKnight Master Fund LP einen Anteil von 4,08 Prozent der Stimmrechte. Das Timing ist bemerkenswert: Die Transaktion fällt genau in die Phase der massiven Kursverluste nach Bekanntwerden der erweiterten BaFin-Prüfung.

Ob antizyklisches Schnäppchenjagen oder strategisches Investment – der Einstieg signalisiert zumindest, dass einzelne Investoren trotz der Unsicherheiten Potenzial sehen. Der Markt insgesamt bleibt jedoch skeptisch. Die Aktie notiert weiterhin in der Nähe ihres 52-Wochen-Tiefs bei 15,57 Euro.

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Gerresheimer Aktie

28,68 EUR

– 0,76 EUR -2,58 %
KGV —
KUV 0,42
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 990,61 Mio. EUR
Ø Kursziel 27,38 EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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