Gerresheimer Aktie: Bilanz-Chaos!

Der Verpackungsspezialist Gerresheimer verschiebt seinen Jahresabschluss wegen Bilanzunregelmäßigkeiten, erwartet hohe Abschreibungen und muss eine Tochtergesellschaft verkaufen.

Redaktion Stock-World ·
Gerresheimer Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Jahresabschluss wegen Bilanzverstößen verschoben
  • Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • Notverkauf der US-Tochter Centor geplant
  • Analysten senken Kursziele drastisch

Der Düsseldorfer Verpackungsspezialist steckt tief in der Krise. Nach einem brutalen Kurssturz in der Vorwoche und dem Eingeständnis schwerwiegender Bilanzunregelmäßigkeiten herrscht bei Anlegern massive Verunsicherung. Zwar zeigte der Kurs gestern eine erste Gegenreaktion, doch die Verschiebung des Jahresabschlusses und laufende Untersuchungen wiegen schwer.

  • Ereignis: Jahresabschluss 2025 auf unbestimmte Zeit verschoben
  • Grund: Verdacht auf Bilanzverstöße („Bill-and-Hold“-Geschäfte)
  • Kursreaktion: Absturz auf 10-Jahres-Tief (17,70 Euro), gestern Erholung (+8 %)
  • Belastung: Wertberichtigungen von bis zu 240 Mio. Euro erwartet
  • Strategie: Notverkauf der US-Tochter Centor angekündigt

Bilanz-Verschiebung und BaFin-Ermittlung

Die Nachricht schlug am Markt ein wie eine Bombe: Gerresheimer hat den für den 26. Februar geplanten Jahresabschluss abgesagt. Das Unternehmen räumte ein, dass interne Richtlinien und Rechnungslegungsstandards verletzt wurden. Im Zentrum der Ermittlungen stehen sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen, bei denen Umsätze möglicherweise zu früh verbucht wurden.

Bereits seit September 2025 prüft die Finanzaufsicht BaFin den Konzernabschluss. Um die Vorwürfe aufzuklären, wurde inzwischen eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mandatiert. Diese Unsicherheit über die tatsächliche Vermögenslage ist Gift für den Aktienkurs.

Teure Bereinigung und Notverkäufe

Die finanziellen Auswirkungen zeichnen sich bereits ab. Der Konzern rechnet mit nicht zahlungswirksamen Abschreibungen in einer Höhe von 220 bis 240 Millionen Euro. Parallel dazu musste die Prognose für die operative Marge (bereinigtes EBITDA) auf 16,5 bis 17,5 Prozent gesenkt werden.

Um die angeschlagene Kapitalstruktur zu stabilisieren, zieht das Management die Reißleine: Die US-Tochter Centor soll noch im laufenden Jahr verkauft werden. Der ursprünglich geplante Verkauf der Sparte Moulded Glass wurde hingegen vorerst auf Eis gelegt.

Analysten kappen Kursziele massiv

An der Börse sorgten die Nachrichten für Panikverkäufe. Am 11. Februar markierte die Aktie bei 17,70 Euro ein neues 10-Jahres-Tief. Gestern, am Dienstag, nutzten spekulative Anleger das niedrige Niveau für einen Einstieg, was den Kurs um rund 8 Prozent über die 20-Euro-Marke hievte. Vom 52-Wochen-Hoch bei über 80 Euro bleibt das Papier jedoch meilenweit entfernt.

Banken reagierten prompt mit drastischen Kurszielsenkungen:
* Deutsche Bank: Runter von 34 auf 22 Euro
* Berenberg: Senkung von 30 auf 20 Euro
* DZ Bank: Kappung auf 16 Euro

Analyst Falko Friedrichs von der Deutschen Bank macht deutlich, dass ohne den Abschluss der BaFin-Untersuchung keine seriöse Neubewertung möglich ist.

Unsicherheit bis Ende März

Das Management-Chaos der letzten Monate – CEO Dietmar Siemssen und Finanzchef Bernd Metzner mussten bereits im Oktober gehen – gipfelt nun in einer Vertrauenskrise. Interims-Chef Uwe Röhrhoff steht vor der Aufgabe, die Bilanz zu bereinigen. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum 31. März 2026 einen testierbaren Abschluss vorzulegen. Ob dieser Termin gehalten werden kann, ist angesichts der laufenden Prüfungen jedoch offen.

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Gerresheimer Aktie

32,18 EUR

+ 0,84 EUR +2,68 %
KGV —
KUV 0,42
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 1,11 Mrd. EUR
Ø Kursziel 27,38 EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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