Der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist steht vor der schwerwiegendsten Bewährungsprobe seiner Geschichte. Bilanzierungsfehler, eine laufende BaFin-Untersuchung und ein Kurseinbruch um 77 Prozent innerhalb von zwölf Monaten haben das Vertrauen nachhaltig beschädigt. Der 31. März rückt als Deadline für den Jahresabschluss näher – die letzte Chance für einen Neuanfang.
BaFin prüft Umsatzrealisierung
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht untersucht seit September Verstöße gegen Bilanzierungsvorschriften. Im Zentrum stehen sogenannte „Bill-and-Hold“-Verträge: Gerresheimer soll Umsätze für 2024 verbucht haben, bevor die Kontrolle über die Ware tatsächlich auf Kunden übergegangen war. Das Unternehmen hat reagiert und die Praxis vollständig eingestellt. Zusätzlich nimmt die Aufsicht die Vorratsbewertung unter die Lupe.
Eine zweite Prüfungsgesellschaft durchleuchtet mittlerweile die Geschäftsjahre 2024 und 2025. Die ursprünglich für Ende Februar geplante Ergebnisveröffentlichung musste verschoben werden.
Prognosen drastisch gesenkt
Die Bilanzprobleme schlagen voll auf die Ertragslage durch. Für 2025 rechnet Gerresheimer mit einem Umsatzrückgang am unteren Ende der Spanne von minus vier bis minus zwei Prozent. Die EBITDA-Marge wurde auf 16,5 bis 17,5 Prozent gekappt – zuvor lagen die Erwartungen bei 18,5 bis 19,0 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte im hohen zweistelligen Prozentbereich sinken und könnte negativ ausfallen.
Hinzu kommen Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro, hauptsächlich bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und dem US-Standort Chicago. Für 2026 peilt das Management einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro an.
Portfolio wird bereinigt
Das Führungsteam befindet sich im Umbruch. Nach den Abgängen von CEO Dietmar Siemssen Ende Oktober und CFO Bernd Metzner übernahm Wolf Lehmann die Finanzvorstandsrolle. Uwe Röhrhoff führt seit November als Interims-CEO.
Parallel treibt Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor voran, begleitet von Morgan Stanley. Das Geschäft gilt als profitabel, ein Verkauf würde jedoch die Konzernmarge belasten. Das Werk in Chicago Heights wird Ende 2026 geschlossen. Den geplanten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hat das Unternehmen hingegen auf Eis gelegt.
Spekulativer Investor steigt ein
Der Kurs fiel auf den tiefsten Stand seit über 16 Jahren. Nach einem Minus von rund 34 Prozent seit Jahresanfang zeigte sich zuletzt eine leichte Gegenbewegung – die Aktie legte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen deutlich zu.
Anfang März meldete der CastleKnight Master Fund LP einen Stimmrechtsanteil von 4,08 Prozent. Das Überschreiten der Meldeschwelle datiert auf den 11. Februar. Offenbar wittern einige Investoren eine Turnaround-Chance.
Vertrauen muss zurückgewonnen werden
Bis zum 31. März muss Gerresheimer den Jahresabschluss vorlegen. Am 16. April folgt ein Update zum ersten Quartal, die Hauptversammlung ist für den 3. Juni angesetzt. Eine transparente und nachvollziehbare Darstellung der Zahlen könnte den Grundstein für eine Stabilisierung legen. Gelingt dies nicht, dürfte der Druck auf die Aktie anhalten.
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