Gerresheimer Aktie: Deadline naht

Der Pharmaverpacker Gerresheimer kämpft mit Bilanzierungsfehlern und Wertminderungen. Die Vorlage des Konzernabschlusses bis Ende März ist entscheidend für den Aktienkurs.

Eduard Altmann ·
Gerresheimer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Frist für Jahresabschluss endet am 31. März
  • Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • BaFin weitet Prüfungen deutlich aus
  • Neue Investoren wittern Turnaround-Chance

Zwei BaFin-Prüfungen laufen parallel, der Jahresabschluss ist verschoben, Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro stehen im Raum. Für den Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialisten Gerresheimer läuft die Zeit: Bis zum 31. März muss der Konzernabschluss vorliegen. Gelingt das nicht, dürfte die ohnehin gebeutelte Aktie weiter unter Druck geraten.

Die Bilanzierungsfehler, die das Unternehmen Ende 2025 einräumen musste, haben Ausmaße angenommen, die weit über ursprüngliche Befürchtungen hinausgehen. Im Kern geht es um die fehlerhafte Umsatzrealisierung durch sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen. Dabei wurden Umsätze verbucht, bevor Waren tatsächlich ausgeliefert wurden – eine Praxis, die Gerresheimer nun komplett einstellen will.

Die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Untersuchungen deutlich ausgeweitet. Neben dem Geschäftsbericht 2023/24 nimmt sie nun auch den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025 unter die Lupe. Konkret geht es um potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz prüft bereits Schadenersatzansprüche.

Massive Prognosesenkung belastet

Die finanziellen Folgen wiegen schwer. Das Management rechnet nur noch mit einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,5 bis 17,5 Prozent – zuvor waren 18,5 bis 19,0 Prozent das Ziel. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll um einen hohen zweistelligen Prozentsatz sinken, ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Hinzu kommen Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, insbesondere bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und dem US-Standort Chicago.

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Um die Bilanz zu stabilisieren, plant Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor. Morgan Stanley soll den Prozess noch 2026 abschließen. Das Problem: Centor arbeitet hochmargig – ein Verkauf könnte die ohnehin geschwächte Profitabilität weiter belasten. Den geplanten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hat das Management dagegen gestoppt; das Werk in Chicago Heights soll Ende 2026 schließen.

Anleger positionieren sich

Trotz der Unsicherheit bewegen sich neue Investoren. Am 3. März meldete der CastleKnight Master Fund LP eine Beteiligung von 4,08 Prozent. Auch die Deka Investment veröffentlichte eine Stimmrechtsmitteilung. Offenbar wittern manche Marktteilnehmer im aktuellen Kursniveau eine Turnaround-Chance. Die Aktie notiert bei rund 19 Euro – weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 82 Euro vom März 2025.

Für 2026 plant Gerresheimer mit einem Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro. Das Management erwartet ein schwächeres erstes Halbjahr, bevor eine Stabilisierung einsetzen soll. Entscheidend wird die fristgerechte Vorlage des Jahresabschlusses bis zum 31. März sein. Am 16. April folgt dann der nächste Quartalsbericht – ein Termin, der zeigen wird, ob das Unternehmen die Bilanzierungsprobleme tatsächlich in den Griff bekommt.

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Gerresheimer Aktie

24,58 EUR

+ 1,16 EUR +4,95 %
KGV 36,09
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,17 %
Marktkapitalisierung 847,61 Mio. EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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