Gerresheimer Aktie: Doppelschlag mit Bedingungen

Gerresheimer erhält grünes Licht für den Verkauf seiner profitablen US-Tochter Centor und eine Kreditfristverlängerung. Beide Schritte sind an enge Fristen gebunden und sollen die angespannte Finanzlage stabilisieren.

Dieter Jaworski ·
Gerresheimer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Verkaufsprozess für profitables US-Segment Centor gestartet
  • Kreditgeber verlängern Frist für Jahresabschluss bis September
  • Aktie verliert stark und wird aus dem SDAX entfernt
  • Umsatzprognose für 2026 steht unter Vorbehalt

Kreditgeber geben grünes Licht, der Verkaufsprozess für die US-Tochter Centor läuft — Gerresheimer hat gestern Abend per Ad-hoc-Mitteilung gleich zwei kritische Weichen gestellt. Das klingt nach Aufbruch. Hinter beiden Meldungen stecken jedoch klare Fristen und offene Risiken.

Centor-Verkauf mit zweistelliger Interessentenzahl

Morgan Stanley begleitet den Verkaufsprozess für Centor Inc., die US-Tochter für Verpackungssysteme verschreibungspflichtiger Medikamente. Der Start verlief vielversprechend: Eine zweistellige Anzahl potenzieller Käufer hat Interesse signalisiert. Gerresheimer will die Transaktion noch in diesem Jahr abschließen.

Centor ist kein Randgeschäft. Mit einem Buchwert von 292 Millionen Euro Ende 2024 gilt das Segment als profitabelstes Asset des Konzerns. Der Verkauf ist kein strategischer Rückzug aus Überzeugung — er soll die überstrapazierte Kapitalstruktur stabilisieren.

Kreditgeber verlängern Frist bis September

96 Prozent der Schuldschein-Inhaber stimmten einer Verlängerung zu. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf 870 Millionen Euro. Die neue Frist zur Vorlage des testierten Jahresabschlusses 2025 läuft nun bis zum 30. September 2026. Bankenpartner zogen mit. Obendrein setzte Gerresheimer wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad bis einschließlich des dritten Quartals 2026 aus.

Das Unternehmen will den Abschluss aber bereits im Juni 2026 vorlegen — früher als vertraglich nötig. Auslöser der Verzögerung: laufende interne Untersuchungen zu Geschäftsvorgängen aus 2024 und 2025. Eine unabhängige Kanzlei hatte festgestellt, dass Umsätze aus sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen systematisch zu früh erfasst wurden — ein klarer Verstoß gegen IFRS-Vorschriften.

Bilanzkrise kostet Vertrauen und Indexplatz

Die Folgen sind bereits sichtbar. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 36 Prozent verloren, auf Jahressicht sogar 65 Prozent. Zum 10. April 2026 entfernte STOXX Gerresheimer formal aus dem SDAX — automatisch ausgelöst, weil das Unternehmen eine viermonatige Abgabefrist für den Jahresabschluss verpasst hatte.

Hinzu kommen nicht zahlungswirksame Abschreibungen von 220 bis 240 Millionen Euro. Sie betreffen vor allem Technologie- und Entwicklungsprojekte der Sensile Medical AG sowie Vermögenswerte der Gerresheimer Moulded Glass Chicago Inc.

Die Umsatzprognose für 2026 von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro steht unter Vorbehalt. Sie gilt nur, wenn die Bankgespräche erfolgreich abgeschlossen werden und die BaFin-Einwände beigelegt sind.

Der Halbjahresbericht ist für den 14. Juli 2026 geplant. Bis dahin sind der Centor-Abschluss und der testierte Jahresabschluss im Juni die beiden konkreten Prüfpunkte — an denen sich ablesen lässt, ob die Restrukturierung tatsächlich Fahrt aufnimmt.

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Gerresheimer Aktie

27,36 EUR

+ 1,44 EUR +5,56 %
KGV
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 894,59 Mio. EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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