Gerresheimer Aktie: Erhöhte Anspannung?

Der Pharmazulieferant Gerresheimer kämpft mit zwei BaFin-Prüfungen, Abschreibungen bis 240 Mio. Euro und einem Aktientief. Die Vorlage des testierten Jahresberichts bis Ende März ist entscheidend.

Redaktion Stock-World ·
Gerresheimer Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Zwei parallele Prüfungen der Finanzaufsicht BaFin
  • Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • Aktienkurs auf einem 16-Jahres-Tief
  • Verkauf der profitablen US-Tochter Centor geplant

Gerresheimer steht unter massivem Druck. Zwei parallele BaFin-Prüfungen, verschobene Abschlüsse und Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro haben die Aktie auf ein 16-Jahres-Tief gedrückt. Bis zum 31. März muss der testierte Jahresbericht vorliegen – sonst droht weiteres Ungemach.

BaFin schlägt zweimal zu

Die Finanzaufsicht hat die Gangart verschärft. Neben der laufenden Untersuchung zum Konzernabschluss 2024 startete die BaFin eine zweite Prüfung zum Halbjahresbericht 2025. Im Fokus stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen, bei denen Umsätze vor tatsächlicher Warenauslieferung verbucht wurden.

Konkret geht es um möglicherweise fehlerhaft ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro. Der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist räumte interne Verstöße ein: Einzelne Mitarbeiter haben Rechnungslegungsvorschriften verletzt. Ex-CEO Dietmar Siemssen und CFO Bernd Metzner mussten bereits gehen.

Dramatische Korrektur der Prognose

Die finanziellen Folgen sind erheblich. Gerresheimer erwartet Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro für 2025, vor allem bei Sensile Medical in der Schweiz und dem Werk in Chicago. Die bereinigte EBITDA-Marge soll nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent erreichen – statt der ursprünglich kommunizierten 18,5 bis 19,0 Prozent.

Der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte um einen hohen zweistelligen Prozentsatz einbrechen. Ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Für 2026 peilt das Management einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro an.

Notverkauf der Kronjuwelen

Um die Bilanz zu stabilisieren, will Gerresheimer die US-Tochter Centor verkaufen. Morgan Stanley soll den Prozess noch 2026 abschließen. Das Problem: Centor produziert hochmargige Verpackungssysteme und ist überdurchschnittlich profitabel. Ein Verkauf würde die ohnehin angeschlagene Margenstruktur weiter verschlechtern.

Den geplanten Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hat das Management dagegen gestoppt. Das Werk in Chicago Heights wird Ende 2026 geschlossen.

Turnaround-Spekulation trotz Absturz

Die Aktie markierte am 26. Februar bei 15,57 Euro ein neues 10-Jahres-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von über 31 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch bei 82 Euro vom März 2025 beträgt der Abstand mehr als 76 Prozent.

Zuletzt zeigten sich erste Erholungstendenzen. Am Freitag legte das Papier um 5,59 Prozent auf 19,09 Euro zu, innerhalb einer Woche summiert sich das Plus auf knapp 14 Prozent. Gleichzeitig meldete der CastleKnight Master Fund LP eine Beteiligung von 4,08 Prozent – offenbar wittern Investoren eine Chance im Chaos.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kündigte derweil an, Schadenersatzansprüche zu prüfen.

Stichtag 31. März entscheidet

Bis zum Monatsende muss Gerresheimer den testierten Jahresbericht vorlegen. Gelingt die transparente Aufarbeitung der Bilanzfehler und räumt das neue Management die offenen Punkte mit der BaFin aus, könnte sich der Boden festigen. Weitere Verzögerungen oder negative Überraschungen würden dagegen einen erneuten Test der Tiefststände provozieren. Der nächste Quartalsbericht folgt am 16. April, die Hauptversammlung ist für den 3. Juni 2026 angesetzt.

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Gerresheimer Aktie

28,68 EUR

– 0,76 EUR -2,58 %
KGV —
KUV 0,42
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 990,61 Mio. EUR
Ø Kursziel 27,38 EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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