Gerresheimer Aktie: Eskalation auf allen Ebenen
Der Bilanzskandal bei Gerresheimer eskaliert mit Verfahren gegen KPMG und Ex-Vorstände. Der Jahresabschluss ist verschoben, Kreditverhandlungen laufen und ein Unternehmensverkauf soll Liquidität sichern.

Kurz zusammengefasst
- BaFin und APAS ermitteln gegen Gerresheimer und KPMG
- DSW prüft Klagen gegen ehemalige Vorstandsmitglieder
- Jahresabschluss 2025 auf Juni 2026 verschoben
- Verkauf der Sparte Centor zur Liquiditätssicherung
Der Bilanzskandal bei Gerresheimer zieht immer weitere Kreise. Neben der bereits laufenden BaFin-Ermittlung hat nun auch die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet — und die Aktionärsschutzvereinigung DSW prüft Schadensersatzklagen gegen ehemalige Vorstandsmitglieder.
KPMG und Ex-Vorstände im Visier
Der Vorwurf gegen KPMG ist konkret: Der Wirtschaftsprüfer hatte den Jahresabschluss 2024 ohne Einschränkung testiert, obwohl darin fehlerhafte Umsatzbuchungen von 35 Millionen Euro steckten. Pikant: KPMG hatte erst 2024 den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst — und beglaubigte umgehend einen fehlerbehafteten Abschluss. Parallel durchleuchtet Grant Thornton als zweite Prüfungsgesellschaft nun die Bücher der Jahre 2024 und 2025.
Der DSW nimmt unterdessen Ex-CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner ins Visier. Im Mittelpunkt stehen Bewertungsfragen rund um Geschäftswerte von rund 676 Millionen Euro sowie Technologiewerte der Sparte Advanced Technologies mit einem Buchwert von etwa 196 Millionen Euro. Was ursprünglich als Prüfung sogenannter Bill-and-Hold-Vereinbarungen begann — Gerresheimer hatte Umsätze zu früh gebucht, entgegen den IFRS-Vorschriften —, hat sich inzwischen auf fehlerhafte Leasingbilanzierung, möglicherweise unzulässig aktivierte Entwicklungskosten und unterlassene Wertminderungen ausgeweitet.
Technischer Verzug, Verkauf und eine Prognose mit Vorbehalt
Der fehlende testierte Abschluss hat den gesamten Berichtsrhythmus zum Erliegen gebracht. Der Jahresabschluss 2025 ist auf voraussichtlich Juni 2026 verschoben, der Q1-Bericht 2026 und die ordentliche Hauptversammlung liegen auf unbestimmte Zeit auf Eis. Weil das Unternehmen vertraglich zugesicherte Reporting-Pflichten verletzt hat, befindet es sich in technischem Kreditverzug — das Management verhandelt derzeit mit Kreditgebern über Fristverlängerungen, um eine Kündigung der Kreditlinien abzuwenden.
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Gleichzeitig kündigte Gerresheimer Wertberichtigungen von 220 bis 240 Millionen Euro an, betroffen sind vor allem Technologie- und Entwicklungsprojekte der 2018 übernommenen Sensile Medical sowie Vermögenswerte eines Glaswerks in Chicago. Zur Liquiditätssicherung steht die US-Medikamentenverpackungssparte Centor über Morgan Stanley zum Verkauf — zuletzt mit 292 Millionen Euro in den Büchern bewertet. Die ausgegebene Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 trägt einen expliziten Vorbehalt: Sie gilt nur, sofern Kreditverhandlungen und BaFin-Untersuchung ein tragfähiges Ergebnis liefern.
Trotz der ungelösten Lage nutzen erste institutionelle Investoren das stark reduzierte Kursniveau. CastleKnight und Deka Investment meldeten zuletzt neue Beteiligungen — die Aktie notiert mit einem Minus von rund 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der entscheidende Prüfstein ist der Juni 2026: Mit der Vorlage des testierten Abschlusses muss das Management zugleich belegen, ob die Kreditlinien gesichert sind und die Umsatzprognose trägt. Ohne diesen Nachweis bleiben auch mögliche Übernahmeszenarien blockiert. Der Halbjahresbericht folgt laut Finanzkalender am 14. Juli 2026.
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