Gerresheimer Aktie: Schuldenabbau zündet Kursrally
Gerresheimer verkauft zwei Geschäftsbereiche an Apax und plant Schuldenabbau. Der Aktienkurs reagiert mit einem deutlichen Kurssprung.

Kurz zusammengefasst
- Verkauf von Centor und Kunststoffsparte
- Käufer ist Private-Equity-Gruppe Apax
- Aktie steigt zeitweise über 20 Prozent
- Fokus auf Drug-Delivery-Systeme geplant
Nach Monaten mit Bilanzskandal, SDAX-Rauswurf und BaFin-Prüfung gibt es für Gerresheimer-Aktionäre endlich wieder etwas zu feiern. Der Verpackungsspezialist trennt sich von zwei Geschäftsbereichen — und der Markt honoriert den Schritt mit einem der stärksten Kurssprünge seit Monaten.
Zwei Sparten, ein Käufer
Gerresheimer verkauft die US-Tochter Centor sowie das globale Geschäft mit Kunststoff-Primärverpackungen an die Private-Equity-Gruppe Apax. Der Deal bewertet beide Einheiten zusammen mit rund 1,5 Milliarden Euro einschließlich Schulden. Damit übernimmt Apax insgesamt 15 bis 16 Produktionsstandorte in neun Ländern und rund 2.400 Beschäftigte.
Die Aktie reagierte deutlich: Zeitweise ging es um mehr als 20 Prozent auf 32 Euro nach oben, den höchsten Stand seit Oktober vergangenen Jahres. Zum Handelsende blieb noch ein zweistelliges Plus übrig. Jefferies-Analyst Christopher Richardson zeigte sich wenig überrascht vom Centor-Verkauf — der sei am Markt ohnehin erwartet worden. Die Primary-Packaging-Plastics-Sparte komme „quasi noch obendrauf“. Richardson rechnet zudem damit, dass Gerresheimer auch das Glasverpackungsgeschäft mittelfristig abgeben könnte.
Kapitalstruktur im Fokus
Der Verkauf ist kein Selbstzweck. Gerresheimer will die erwarteten Mittelzuflüsse nutzen, um die eigene Kapital- und Finanzierungsstruktur zu verbessern und den Verschuldungsgrad zu senken — nach einem Jahr, in dem interne Untersuchungen zur Bilanzierungspraxis die Zahlenvorlage verzögerten und den Konzern aus dem SDAX warfen. Die Finanzaufsicht BaFin prüft die Abschlüsse weiterhin.
Strategisch soll sich Gerresheimer künftig stärker auf hochwertige Drug-Delivery-Systeme, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel konzentrieren. Die beiden verkauften Einheiten erwirtschafteten 2025 zusammen einen Umsatz von rund 570 Millionen Euro — Geschäft, auf das der Konzern künftig verzichtet, um schlanker und fokussierter aufzutreten.
Der Centor-Verkauf soll bis zum Ende des Geschäftsjahres 2026 abgeschlossen werden. Für die Primary-Packaging-Plastics-Transaktion peilt Gerresheimer das erste Halbjahr 2027 an. Bis beide Deals vollzogen sind, bleibt die Umsetzung der angekündigten Entschuldungsstrategie der entscheidende Prüfstein für den Konzern.
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