Falsch verbuchte Umsätze, zwei laufende BaFin-Prüfungen und ein Jahresabschluss, der erst im Juni erscheint: Der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist steckt in der schwersten Krise seit Jahren. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 80,55 Euro im März 2025 hat die Aktie rund 78 Prozent verloren — und notiert damit erstmals seit der Finanzkrise 2009 wieder unter 20 Euro.
Bilanzierungsfehler lösen Kettenreaktion aus
Der Ausgangspunkt der Krise liegt in fehlerhafter Umsatzerfassung: Einzelne Mitarbeiter buchten Erlöse über sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen, bevor Waren physisch ausgeliefert worden waren. Gerresheimer hat daraufhin eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Untersuchung der Bilanzierungspraktiken für 2024 und 2025 beauftragt. Diese Sonderuntersuchung dauert länger als geplant — weshalb der testierte Jahresabschluss nicht zum 31. März vorliegen wird, sondern erst im Juni 2026.
Die Folgen ziehen sich durch den gesamten Kalender: Die Q1-Mitteilung, ursprünglich für den 16. April angekündigt, wird verschoben. Die ordentliche Hauptversammlung am 3. Juni fällt ebenfalls aus dem Terminplan.
Die BaFin hat ihre Prüfungen inzwischen ausgeweitet. Neben dem Geschäftsbericht 2023/24 nimmt die Finanzaufsicht nun auch den Zeitraum Dezember 2024 bis Mai 2025 unter die Lupe — mit Fokus auf möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.
Gewinnwarnung, Abschreibungen, Indexrauswurf
Operativ trifft das Unternehmen die Krise hart. Für 2025 erwartet Gerresheimer Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro, vor allem bei der Schweizer Tochter Sensile Medical und dem US-Standort Chicago. Die bereinigte EBITDA-Marge sinkt auf 16,5 bis 17,5 Prozent — nach zuvor prognostizierten 18,5 bis 19,0 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie droht ein Einbruch im hohen zweistelligen Prozentbereich; ein Verlust ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Um die Bilanz zu entlasten, will Gerresheimer die US-Tochter Centor noch 2026 verkaufen und hat Morgan Stanley mit dem Prozess beauftragt. Das Problem dabei: Centor gilt als margenstarkes Geschäft, dessen Veräußerung die ohnehin geschwächte Profitabilität weiter belasten könnte.
Parallel dazu erwartet das Unternehmen seinen eigenen Ausschluss aus dem SDAX. Indexfonds müssen bei einem solchen Rauswurf umschichten, was zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt. Ein Hedgefonds erhöhte seine Short-Position zuletzt von 0,47 auf 0,62 Prozent des Aktienkapitals.
Kreditgeber als nächste Hürde
Mit seinen Banken verhandelt Gerresheimer über eine Verlängerung der Fristen zur Vorlage des testierten Abschlusses. Werden diese Fristen formal gerissen, könnten Kreditgeber Vertragsrechte ziehen. Wie flexibel sich die Banken zeigen, ist offen.
Der nächste konkrete Prüfstein ist die Vorlage des Jahresabschlusses im Juni 2026. Erst dann wird erkennbar, wie tief die Bilanzierungsfehler tatsächlich reichen — und ob die laufenden BaFin-Verfahren weitere Korrekturen erzwingen.
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