Gerresheimer Aktie: Ungemütliche Entwicklungen
Der Verpackungsspezialist Gerresheimer hat die Frist für seinen Jahresabschluss verpasst und verhandelt mit Banken. Regulierer ermitteln gegen Prüfer KPMG, und Aktionäre prüfen Klagen gegen Ex-Vorstände.

Kurz zusammengefasst
- Verpasste Frist für testierten Jahresabschluss 2025
- Berufsrechtliches Verfahren gegen Wirtschaftsprüfer KPMG
- Aktionärsschutz prüft Klagen gegen ehemalige Vorstände
- Verkauf der US-Tochter Centor zur Liquiditätssicherung
Die Bilanzaffäre bei Gerresheimer nimmt weiter an Fahrt auf. Der Verpackungsspezialist hat die Frist zur Vorlage seines testierten Jahresabschlusses für 2025 verstreichen lassen — und verhandelt nun mit Gläubigern, um einen formalen Kreditverzug abzuwenden.
Vertraglich vereinbarte Meldefristen gegenüber den Banken wurden damit verletzt. Solange kein testierter Abschluss vorliegt, bleibt auch die ausgegebene Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 mit einem expliziten Vorbehalt versehen — nämlich dass Kreditverhandlungen und BaFin-Untersuchungen ein tragfähiges Ergebnis liefern.
KPMG und Ex-Vorstand im Visier
Die Krise weitet sich regulatorisch und juristisch aus. Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet — ausgerechnet weil der Prüfer den Jahresabschluss 2024 ohne jede Einschränkung testiert hatte, obwohl darin fehlerhafte Umsatzbuchungen von 35 Millionen Euro enthalten waren. Parallel dazu prüft der Aktionärsschutzverband DSW mithilfe eines Gutachtens Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen Vorstandschef Dietmar Siemssen sowie den früheren Finanzvorstand Bernd Metzner — und richtet den Blick auch auf den Aufsichtsrat, insbesondere den Prüfungsausschuss.
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Mit Grant Thornton arbeitet inzwischen eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an der Aufarbeitung der Abschlüsse für 2024 und 2025. Im Mittelpunkt stehen Bewertungsfragen rund um Geschäftswerte von rund 676 Millionen Euro sowie Technologien der Sparte Advanced Technologies mit einem Buchwert von etwa 196 Millionen Euro. Was als Prüfung von Bill-and-Hold-Vereinbarungen begann, hat sich auf fehlerhafte Leasingbilanzierung, möglicherweise unzulässig aktivierte Entwicklungskosten und unterlassene Wertminderungen ausgeweitet.
Centor-Verkauf und institutionelle Käufer
Um Liquidität zu schaffen, hat das Management Morgan Stanley mit dem Verkauf der US-Tochter Centor beauftragt. Zusätzlich stehen nicht-zahlungswirksame Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro an — hauptsächlich auf Technologieprojekte der Sensile Medical AG und ein Glaswerk in Chicago, das bis Ende 2026 schließen soll. Der Centor-Verkauf schafft zwar kurzfristig Spielraum, schwächt aber die Gesamtprofitabilität des Konzerns.
Hauptversammlung und Q1-Bericht bleiben auf unbestimmte Zeit verschoben; der Halbjahresbericht ist für den 14. Juli 2026 terminiert. Ohne testierten Abschluss bleiben auch mögliche Übernahmeszenarien durch externe Investoren vorerst blockiert. Bemerkenswerterweise haben einzelne institutionelle Anleger — darunter CastleKnight und Deka Investment — trotz der ungelösten Lage neue Beteiligungen auf dem stark reduzierten Kursniveau gemeldet. Ob das als Vertrauenssignal oder schlicht als opportunistischer Einstieg zu werten ist, werden die Ergebnisse der laufenden Kreditverhandlungen zeigen müssen.
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