Gerresheimer Aktie: Verkauft Randsparten an Apax

Gerresheimer steigert den Cashflow trotz schwächerer Marge. Verkäufe an Apax sollen das Pharma-Verpackungsgeschäft künftig stärker bündeln.

Eduard Altmann ·
Abstrakte Darstellung einer modernen pharmazeutischen Produktionsstätte mit Fokus auf medizinische Verpackungselemente. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatz im ersten Quartal leicht gestiegen
  • Bereinigtes EBITDA deutlich zurückgegangen
  • Cashflow-Abfluss erheblich verringert
  • Verkäufe an Apax Partners geplant

Manchmal ist ein kleineres Unternehmen die bessere Nachricht. Gerresheimer, der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist, hat sich in den vergangenen Monaten konsequent verkleinert – und genau darin liegt derzeit die Geschichte hinter der Aktie.

Wer nur auf die nackten Quartalszahlen schaut, sieht zunächst Rückgang. Wer genauer hinschaut, erkennt einen Konzern, der sich von margenschwachen Geschäftsteilen trennt, um beim Kerngeschäft wieder Tempo aufzunehmen.

Am Mittwoch legte Gerresheimer die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Der Umsatz stieg leicht auf 524 Millionen Euro nach 519 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA brach dagegen auf 66 Millionen Euro ein, verglichen mit 81 Millionen Euro ein Jahr zuvor – die Marge sank von 15,7 auf 12,6 Prozent.

Auf den ersten Blick ein Alarmsignal. Doch der freie Cashflow verbesserte sich deutlich: minus 32 Millionen Euro statt minus 141 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Genau dieser Trend zieht sich seit Monaten durch die Berichte zu Gerresheimer – das Unternehmen bekommt seine Barmittelabflüsse in den Griff, auch wenn die operative Marge noch leidet.

Der große Rückzug aus Randgeschäften

Die eigentliche Kernnachricht liegt aber nicht in den Quartalszahlen, sondern im Umbau der Konzernstruktur. Gerresheimer trennt sich von den Sparten Primary Packaging Plastics und Centor US Holding – verkauft an den Finanzinvestor Apax Partners zu einer Bewertung von 1,5 Milliarden Euro, vereinbart bereits im Juli.

Der Deal soll nun konkret werden: Banken stellen nach übereinstimmenden Berichten rund eine Milliarde Euro Fremdkapital für die Finanzierung bereit, organisiert als Leveraged Loans plus revolvierende Kreditlinie.

Die Syndizierung an institutionelle Investoren ist für den weiteren Jahresverlauf geplant. Das Closing für Centor wird bis Ende des laufenden Geschäftsjahres erwartet, der Verkauf von Primary Packaging Plastics soll in der ersten Hälfte 2027 folgen.

Was bedeutet das für die verbleibende Gerresheimer? Ein schlankeres Unternehmen, konzentriert auf Behälter- und Verabreichungssysteme sowie Glas- und Injektionslösungen für die Pharmaindustrie. Die Divisionszahlen aus dem ersten Quartal zeigen, warum dieser Fokus Sinn ergibt: Containment & Delivery Systems steigerte den Umsatz auf 296 Millionen Euro und die Marge auf 20,6 Prozent – ein Lichtblick.

Ganz anders das Bild bei Moulded Glass: Der Umsatz fiel von 160 auf 144 Millionen Euro, die Marge brach von 20,1 auf lediglich 4,5 Prozent ein. Hier liegt die eigentliche Baustelle, nicht in den verkauften Randgeschäften.

Strukturwandel statt Schnellschuss

Diese Kombination aus Portfoliobereinigung und operativer Konsolidierung fügt sich in ein größeres Bild der Industrie. Pharmazulieferer weltweit stehen unter Druck, sich zu spezialisieren, weil Pharmakonzerne selbst zunehmend auf schlanke, verlässliche Lieferketten für hochwertige Verabreichungssysteme setzen – Injektionslösungen, Spritzen, Behältnisse für Biologika.

Wer wie Gerresheimer gleichzeitig in margenschwachen Commodity-Geschäften wie Kunststoffverpackungen mitmischt, verwässert genau diese Positionierung. Der Verkauf an Apax ist insofern weniger ein Notverkauf als eine strategische Entscheidung, sich auf das zu konzentrieren, was tatsächlich Wert schafft.

Der Aktienkurs reagierte am Mittwoch mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 27,78 Euro – ein Signal, dass der Markt die Neuausrichtung zumindest kurzfristig honoriert. Der Titel notiert damit knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 27,50 Euro und rund 12 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 24,76 Euro.

Von seinem 52-Wochen-Hoch bei 44,88 Euro aus dem vergangenen September bleibt Gerresheimer allerdings weit entfernt, der Abstand beträgt 38 Prozent. Der Weg vom Krisenjahr zurück zur Substanzgeschichte ist also noch lang.

Das Management selbst rechnet mit einer stärkeren zweiten Jahreshälfte 2026. Ob das gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich Moulded Glass stabilisiert und wie reibungslos die beiden Verkäufe an Apax über die Bühne gehen. Für Anleger bleibt Gerresheimer damit ein Fall, bei dem die Bilanz kurzfristig hässlicher aussieht als die eigentliche strategische Logik dahinter.

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Gerresheimer Aktie

27,98 EUR

+ 0,20 EUR +0,72 %
KGV
KUV 0,40
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 928,44 Mio. EUR
Ø Kursziel 27,05 EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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