Gerresheimer forciert Konzernumbau durch Milliarden-Deinvestitionen

Gerresheimer verkauft zwei Geschäftsbereiche für 1,5 Mrd. Euro an Apax Partners, um Verbindlichkeiten zu senken und die strategische Neuausrichtung voranzutreiben.

Dr. Robert Sasse ·
Gerresheimer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Spartenverkauf für 1,5 Mrd. Euro
  • Schuldenabbau als zentrales Ziel
  • Analysten uneins über Kurspotenzial
  • Hauptversammlung im September geplant

Der Düsseldorfer Verpackungsspezialist Gerresheimer leitet eine tiefgreifende strategische Neuausrichtung ein. Durch den Verkauf bedeutender Geschäftsbereiche an den Finanzinvestor Apax Partners will das Unternehmen seine Bilanzstruktur massiv stärken und den Fokus schärfen. Am heutigen Freitag notiert die Aktie bei 27,64 Euro, was einem leichten Rückgang von 0,93 Prozent entspricht.

Befreiungsschlag durch Spartenverkauf an Apax Partners

Im Zentrum der Neuausrichtung steht die Veräußerung der US-Tochter Centor sowie des globalen Geschäfts mit Kunststoff-Primärverpackungen (Primary Packaging Plastics). Wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, wurde mit Fonds von Apax Partners ein kombinierter Unternehmenswert von rund 1,5 Milliarden Euro für diese Einheiten vereinbart. Dieser Schritt dient primär der Reduzierung der hohen Verbindlichkeiten. Zuletzt lag der Verschuldungsgrad des Konzerns beim 4,95-fachen des bereinigten EBITDA.

Die Deinvestition markiert einen Wendepunkt für Gerresheimer, nachdem das Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit mit operativen und regulatorischen Hürden zu kämpfen hatte. Analyst Christopher Richardson vom Analysehaus Jefferies merkte dazu an, dass der Markt nach diesem Deal nun auf weitere mögliche Schritte warte, insbesondere im Bereich „Moulded Glass“ und den damit verbundenen Bormioli-Aktivitäten.

Bilanzielle Altlasten und operative Fortschritte

Die Ankündigung der Verkäufe erfolgt nach einer Phase der Unsicherheit. Erst Ende Juni konnte das Unternehmen seinen testierten Jahres- und Konzernabschluss für 2025 vorlegen, nachdem interne Sonderuntersuchungen und Prüfungen durch die Finanzaufsicht BaFin zu monatelangen Verzögerungen geführt hatten. Aus den Zahlen ging hervor, dass der Konzernumsatz im Jahr 2025 um 16,6 Prozent auf 2,321 Milliarden Euro stieg, während das bereinigte EBITDA 384,0 Millionen Euro erreichte. Aufgrund eines fehlenden Bilanzgewinns schüttet der Vorstand für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Dividende aus.

Trotz der bilanziellen Herausforderungen treibt Gerresheimer den operativen Ausbau in Wachstumsmärkten voran. Am vergangenen Donnerstag wurde die Inbetriebnahme eines neuen Werks für „Tubular Glass“ im chinesischen Zhenjiang Dagang gemeldet, um die Kapazitäten im asiatischen Raum zu erweitern. Zudem investiert das Unternehmen in Nachhaltigkeit und technologische Innovationen, etwa durch eine neue Photovoltaikanlage am Standort Pfreimd und die Einführung der „Digital Mold“-Technologie zur Beschleunigung der Werkzeugentwicklung.

Analysten zwischen Restrukturierungshoffnung und Skepsis

Die Reaktionen am Kapitalmarkt auf die Deinvestitionen fallen gemischt aus. Während JP Morgan das Kursziel von 46,00 Euro nach Bekanntwerden der Pläne bestätigte, bleibt die UBS deutlich vorsichtiger. Analyst Olivier Calvet bezeichnete den Verkauf zwar als wichtigen Restrukturierungsschritt, beließ die Einstufung jedoch auf „Sell“ mit einem Kursziel von lediglich 12,90 Euro.

Anleger bewerten die aktuelle Entwicklung vorsichtig optimistisch. Der Kurs liegt mit 27,64 Euro derzeit rund 1,94 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 27,11 Euro. Dennoch bleibt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das am 22. August 2025 bei 46,46 Euro markiert wurde, mit über 40 Prozent beträchtlich.

Fokus auf die bevorstehende Hauptversammlung

Die nächste wichtige Wegmarke für das Unternehmen ist die ordentliche Hauptversammlung am 1. September. Das Aktionärstreffen wird virtuell durchgeführt und dürfte kritische Fragen zur Unternehmensführung aufwerfen. Auf der Agenda steht unter anderem die bisher vertagte Entlastung ehemaliger Vorstandsmitglieder wie Siemssen, Metzner und Burkhardt, die im Zusammenhang mit den laufenden BaFin-Prüfungen steht. Zudem stehen Neuwahlen zum Aufsichtsrat an, die den personellen Neuanfang des Konzerns untermauern könnten. Parallel dazu wird für den Zeitraum September oder Oktober die Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichts 2026 erwartet, der weitere Aufschlüsse über die finanzielle Stabilität nach den angekündigten Verkäufen geben wird.

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Gerresheimer Aktie

27,82 EUR

– 0,36 EUR -1,28 %
KGV 0,00
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 958,14 Mio. EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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