Gold: 1.000 Tonnen jährlich von Notenbanken

Notenbanken stocken Goldreserven massiv auf, während der Kurs weiter nachgibt. Analysten sehen kurzfristige Belastungsfaktoren.

Felix Baarz ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis fällt auf 4.173 Dollar
  • Zentralbanken kaufen jährlich 1.000 Tonnen
  • Gold löst US-Anleihen als Top-Reserve ab
  • Starker Dollar und Zinsen belasten Kurs

Zentralbanken kaufen Gold in nie dagewesenen Mengen. Sie machen das Edelmetall zur weltgrößten Reserveanlage. Am Markt spiegelt sich diese Stärke aktuell nicht wider. Der Goldpreis fällt weiter und durchbricht wichtige charttechnische Marken.

Abwärtstrend beschleunigt sich

Am Freitag rutschte der Spotpreis um 1,3 Prozent auf 4.173 US-Dollar ab. Auf Monatssicht summiert sich das Minus damit auf fast acht Prozent.

Vom Rekordhoch im Januar ist das Edelmetall mittlerweile gut ein Viertel entfernt. Der breite Abwärtstrend hält an. Aktuell notiert der Kurs deutlich unter der 200-Tage-Linie von rund 4.450 Dollar.

Zentralbanken räumen den Markt leer

Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council unter 74 Notenbanken belegt einen klaren Trend. Die Institute wollen massiv kaufen. Im Schnitt erwarben sie zuletzt jährlich rund 1.000 Tonnen. Das ist doppelt so viel wie im vorherigen Jahrzehnt.

Fast neun von zehn Befragten planen weitere Zukäufe. Parallel dazu holen viele Staaten ihre Bestände nach Hause. Neun Prozent der Institute verlagerten ihr Gold zuletzt ins eigene Land. Sie wollen weniger abhängig von ausländischen Verwahrern sein.

Laut Europäischer Zentralbank hat Gold erstmals US-Staatsanleihen als wichtigste globale Reserveanlage abgelöst. Besonders Schwellenländer schichten ihre Währungsreserven massiv um. Allein im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken netto 244 Tonnen hinzu.

Inflation und Zinsen belasten

Kurzfristig bestimmen andere Faktoren den Handel. Ein starker Dollar und restriktive Signale der US-Notenbank drücken die Kurse. Die US-Inflation kletterte im Mai auf 4,2 Prozent.

Höhere Zinsen machen das zinslose Gold für Anleger unattraktiver. Die Folge: Der Preis fällt. Große Banken halten dennoch an ihren optimistischen Prognosen fest. Sie werten die aktuellen Belastungen als vorübergehend:

  • J.P. Morgan: 6.000 US-Dollar bis Jahresende
  • Commerzbank: 4.800 US-Dollar bis Jahresende
  • Metals Focus: 4.920 US-Dollar als Jahresdurchschnitt

In der neuen Handelswoche rücken frische Makrodaten in den Fokus. Am 23. Juni stehen die US-Einkaufsmanagerindizes an. Zwei Tage später folgt der wichtige PCE-Preisindex. Diese Daten definieren die nächste charttechnische Richtung.

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