Gold: 1.231 Tonnen Rekordnachfrage im Q1

Gold fällt auf 4.240 Dollar, während Nachfrage und Angebot auseinanderdriften. Investment überholt Schmuck als größten Nachfrageposten.

Redaktion Stock-World ·
Ein großer Goldbarren auf einer dunklen Oberfläche mit Goldstaub und einem unscharfen Finanzbüro im Hintergrund. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Gold fällt 25 Prozent unter Januar-Hoch
  • Globale Goldnachfrage erreicht Rekordniveau
  • Investment verdrängt Schmuck als Hauptnachfrager
  • Zentralbanken kaufen breiter aufgestellt

Nach einem Rückgang von fast zehn Prozent im vergangenen Monat notiert Gold aktuell bei 4.239,70 US-Dollar je Unze — rund 25 Prozent unter dem Januar-Hoch von 5.626,80 Dollar. Der RSI liegt bei 36,1 und signalisiert damit überverkaufte Bedingungen. Hinter der Kurskorrektur verbirgt sich jedoch eine strukturelle Geschichte: Nachfrage und Angebot driften immer weiter auseinander.

Rekordnachfrage, moderates Angebot

Im ersten Quartal 2026 erreichte die globale Goldnachfrage 1.231 Tonnen — ein neuer Rekord, entsprechend rund 193 Milliarden US-Dollar. Auf der Angebotsseite wuchs das Gesamtangebot im gleichen Zeitraum um lediglich zwei Prozent. Die Minenproduktion soll 2026 auf 3.907 Tonnen steigen. Klingt viel — ist es aber nicht, gemessen am Nachfragedruck.

Erschwerend kommt hinzu: Die Produktionskosten steigen. Die globalen nachhaltigen Gesamtkosten (AISC) kletterten 2025 um zwölf Prozent auf 1.552 Dollar je Unze. Höhere Preise schaffen zwar Anreize, mehr Altgold zu recyceln. Das gleicht die strukturelle Angebotslücke aber kaum aus.

Schmuck verliert, Investment gewinnt

Ein bemerkenswerter Wandel vollzieht sich in der Nachfragestruktur. Erstmals dürfte 2026 physisches Investment — Barren und Münzen — den Goldschmuck als größten Nachfrageposten ablösen. Die weltweite Schmuckproduktion brach 2025 um 19 Prozent auf ein Fünfjahrestief ein. Für 2026 erwartet der Markt einen weiteren Rückgang um elf Prozent. Hohe Preise zwingen Konsumenten zu leichteren Stücken und niedrigeren Karatstufen.

Der Technologiesektor wächst derweil leise. Dank des zunehmenden Einsatzes von künstlicher Intelligenz legte die Goldnachfrage aus diesem Bereich um ein Prozent zu.

Zentralbanken: breitere Käuferbasis

Die Zentralbanknachfrage startete stark ins Jahr. Im ersten Quartal 2026 kauften Notenbanken netto schätzungsweise 244 Tonnen — mehr als im Vorquartal und über dem Fünfjahresschnitt. Polen war erneut der größte Einzelkäufer mit 31 Tonnen im Quartal. Die Nationalbank hält nun 582 Tonnen und peilt 700 Tonnen an.

Bemerkenswerter als die Volumina ist die Breite der Käufer. Zentralbanken aus Guatemala, Indonesien und Malaysia traten zuletzt erstmals oder nach langer Pause am Goldmarkt auf. Das deutet auf eine wachsende institutionelle Nachfragebasis hin. Der World Gold Council erwartet für das Gesamtjahr Käufe zwischen 700 und 900 Tonnen.

Fed und Geopolitik als kurzfristige Taktgeber

China liefert aktuell ein zweigeteiltes Bild. Der Preisabschlag gegenüber Europa hat sich stark verringert, private Käufer warten jedoch auf günstigere Einstiegsniveaus. Chinas Zentralbank hingegen hat ihre Goldreserven 18 Monate in Folge erhöht.

Geopolitisch bleibt der Iran-USA-Waffenstillstand das bestimmende Thema. Berichte über eine mögliche Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges und Verhandlungen über das Nuklearprogramm dämpften die Risikoprämie vorübergehend. Gold fiel daraufhin auf ein Zweimonatstief, bevor es sich erholte.

Die FOMC-Sitzung am 16. und 17. Juni wird zum nächsten Prüfstein. Die Märkte sehen eine 97-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause — aber eine 70-prozentige Chance auf mindestens eine Erhöhung bis Dezember. J.P. Morgan hält ein Kursziel von 6.000 Dollar bis Jahresende für möglich, knüpft das aber explizit an geopolitische Entspannung und eine lockerer werdende Fed-Politik.

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