Gold: 10-Prozent-Minus unter 4.240 Dollar

Gold fällt auf Monatssicht um zehn Prozent. Friedenssignale im Iran-Konflikt und die jüngste EZB-Zinserhöhung setzen dem Edelmetall zu.

Andreas Sommer ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Gold verliert zehn Prozent im Monat
  • Friedensabkommen im Iran-Konflikt rückt näher
  • EZB erhöht Einlagensatz auf 2,25 Prozent
  • Fed-Sitzung als nächster Kurstreiber

Frieden oder Zinsschock — Gold steht in der kommenden Woche vor zwei gegenläufigen Kräften. Das Edelmetall schloss am Freitag bei 4.239,70 Dollar je Feinunze. Auf Monatssicht steht ein Minus von fast zehn Prozent zu Buche.

Friedenssignal trifft auf Zinsdruck

Der Auslöser für die jüngste Schwäche ist diplomatischer Natur. US-Präsident Trump, iranische Offizielle und Vermittler Pakistan signalisieren übereinstimmend: Ein Friedensabkommen könnte innerhalb von Tagen stehen. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklärte am Samstag, eine Finalisierung sei innerhalb von 24 Stunden möglich. Am Rande des G7-Gipfels könnte ein Interimsabkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus unterzeichnet werden.

Für Gold ist das eine schlechte Nachricht. Der Konflikt hatte die Sorge genährt, explodierende Energiepreise würden die Inflation anheizen und Zentralbanken zu dauerhaft hohen Zinsen zwingen. Ein Deal schwächt dieses Argument.

Hinzu kommt die EZB. Am 11. Juni hob sie die Zinsen erstmals seit September 2023 wieder an. Der Einlagensatz stieg von 2,00 auf 2,25 Prozent. Das setzt Gold zusätzlich unter Druck — das Edelmetall wirft keine Zinsen ab und verliert in einem Hochzinsumfeld an Attraktivität.

Charttechnik sendet klare Signale

Die technische Lage ist angespannt. Gold hat erstmals seit Oktober 2023 unter seiner 200-Tage-Linie geschlossen — ein klassisches Verkaufssignal. Der RSI liegt bei 36,1 und zeigt überverkaufte Bedingungen an. Das kann kurzfristige Gegenbewegungen begünstigen, löst aber den Abwärtstrend nicht auf.

Vom Allzeithoch bei 5.626,80 Dollar hat Gold inzwischen rund 25 Prozent verloren. Die 4.000-Dollar-Marke rückt als nächste Unterstützung in den Blick.

Fed-Entscheidung als Weichensteller

Das entscheidende Ereignis der Woche ist die Fed-Sitzung am 16. und 17. Juni. Es ist die erste unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Eine Zinsänderung erwartet kaum jemand — die Märkte preisen eine 97-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Pause ein.

Entscheidend ist der Dot Plot. Verschiebt er den ersten Zinssenkungsschritt vollständig ins Jahr 2027, dürfte Gold weiter fallen. Lässt er ein Fenster für September offen, könnte das eine scharfe Gegenbewegung auslösen. Warsh hat die Geldpolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte wiederholt kritisiert — seine erste Sitzung könnte eine veränderte Ausrichtung der Fed signalisieren.

Strukturelle Käufer bleiben aktiv

Trotz der Kursschwäche läuft die strukturelle Nachfrage weiter. Zentralbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen Gold. Im April kamen weitere 17 Tonnen hinzu, so der World Gold Council. China stockte die Reserven 18 Monate in Folge auf.

Bemerkenswert ist die Käuferbasis: Laut World Gold Council sind zuletzt neue oder lange abwesende Notenbanken in den Markt zurückgekehrt. Die Nachfrage stützt sich damit auf breiteren Schultern als zuvor.

J.P. Morgan Research erwartet bis Jahresende einen Anstieg auf 6.000 Dollar je Unze. Ob dieser Pfad realistisch bleibt, hängt maßgeblich davon ab, was Warsh am Mittwoch signalisiert — und ob die Straße von Hormus tatsächlich wieder geöffnet wird.

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