Gold: 13 Prozent Minus seit Iran-Konflikt

Steigende Ölpreise und robuste US-Arbeitsmarktdaten setzen Gold zu. Die Fed sieht sich zu Zinserhöhungen gezwungen.

Redaktion Stock-World ·
Ein einzelner Goldbarren, teilweise im Schatten, mit einer rötlichen Spiegelung auf dunklem, strukturiertem Hintergrund. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Gold verzeichnet vierten Verlusttag
  • Ölpreise treiben Inflation an
  • US-Arbeitsmarkt übertrifft Erwartungen
  • Commerzbank senkt Goldprognose

Krieg im Nahen Osten — und Gold fällt. Was paradox klingt, folgt einer klaren Logik: Der Iran-Konflikt treibt die Ölpreise, die Ölpreise treiben die Inflation, und die Inflation hält die Fed in Schach. Das zinslose Edelmetall zahlt den Preis.

Vierter Verlusttag in Folge

Am Donnerstagmorgen notiert Gold laut Kitco bei 4.449,9 US-Dollar je Feinunze — ein Minus von 37,2 Dollar gegenüber dem Vortag. Es ist der vierte Handelstag in Folge mit deutlichen Verlusten. Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar ist der Goldpreis um rund 13 Prozent gefallen. Öl legte im gleichen Zeitraum um mehr als 50 Prozent zu.

Der Mechanismus dahinter ist eindeutig: Iranische Raketenangriffe beschädigten den Flughafen Kuwaits, US-Streitkräfte operierten nahe der Straße von Hormus — und Diplomatieverhandlungen stocken. Steigende Energiepreise befeuern die Inflation, was der Fed wenig Spielraum für Zinssenkungen lässt. Gold verliert in diesem Umfeld an Attraktivität.

Arbeitsmarkt macht es noch schwerer

Frische US-Konjunkturdaten verstärken den Druck. Private Arbeitgeber schufen im Mai 122.000 neue Stellen — deutlich mehr als die prognostizierten 110.000 und das stärkste Beschäftigungswachstum seit 16 Monaten. Die JOLTS-Stellenangebote signalisierten ebenfalls einen robusten Arbeitsmarkt.

Das Ergebnis: Laut CME FedWatch Tool preisen Märkte inzwischen eine fast 42-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im Dezember ein. Zinssenkungen rücken in weite Ferne.

Am Freitag folgen die Nonfarm Payrolls. Erwartet werden 85.000 neue Stellen bei einer Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Ein erneut starkes Ergebnis würde die Zinserwartungen weiter nach oben treiben. Die erste FOMC-Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh ist für den 16. und 17. Juni angesetzt — der Ton dieser Sitzung dürfte maßgeblich sein.

Banken passen Ziele an

Die Commerzbank senkte ihre Goldpreisprognose für Ende 2026 auf 4.800 US-Dollar — nach zuvor 5.000 Dollar. An der langfristigen Schätzung von 5.200 Dollar bis Ende 2027 hält sie fest. Goldman Sachs bleibt aggressiver: Das Jahresziel liegt bei 5.400 Dollar für Ende 2026, gestützt auf anhaltende Zentralbankkäufe und die Erwartung, dass die Fed irgendwann wieder lockert.

Marktbeobachter sehen einen glaubwürdigen Waffenstillstand oder ein Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus als entscheidenden Wendepunkt. Ein solches Szenario würde den Öl-Inflationsdruck beseitigen, der Fed Spielraum geben und den Dollar schwächen — eine Kombination, die Gold strukturell begünstigen würde.

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