Gold: 14 Prozent Plus im Monatsvergleich

Gold bleibt trotz möglicher US-Zinserhöhung gefragt: Inflation, Dollar-Schwäche und Zentralbankkäufe stützen das Edelmetall vor Jackson Hole.

Redaktion Stock-World ·
Ein Stapel glänzender Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte bei natürlichem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis gibt um 0,3 Prozent nach
  • Fed-Auftritt in Jackson Hole steht bevor
  • Zentralbanken erhöhen strukturelle Goldnachfrage
  • Dollar verliert nach Anleiherückkauf-Ankündigung

Der Goldpreis notiert am Donnerstag bei 4.584,85 Dollar je Feinunze und gibt damit leicht um 0,3 Prozent nach. Der Blick der Anleger richtet sich auf Freitag: Dann tritt Fed-Chef Kevin Warsh erstmals beim Notenbanker-Symposium in Jackson Hole auf, und seine Aussagen dürften die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben.

Der Auftritt fällt in eine heikle Phase für die US-Geldpolitik. Die PCE-Inflation lag im Juli bei 3,7 Prozent und damit über den Erwartungen, die Kerninflation bei 3,3 Prozent. Damit bleibt die Teuerung bereits den 65. Monat in Folge über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed.

Fitch bezeichnete dieses Ziel zuletzt als „distant aspiration“, das Conference Board rechnet erst 2028 mit einer Rückkehr zur Zielmarke. Der Terminmarkt preist laut CME FedWatch eine Wahrscheinlichkeit von 36,5 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein, bis Dezember steigt sie auf 72,7 Prozent.

Sollte Warsh eine restriktivere Haltung signalisieren, könnte das kurzfristig auf den Goldpreis drücken – ein Kurswechsel weg von lockerer Geldpolitik gilt traditionell als Belastung für das zinslose Edelmetall.

Trotz der Unsicherheit um die Fed-Politik hat Gold in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Auf Monatssicht steht laut Marktdaten ein Plus von 14 Prozent, seit Jahresbeginn liegt der Zuwachs bei 6,2 Prozent.

Getragen wird die Rally auch von strukturellen Faktoren: Nach Berichten chinesischer Wirtschaftsmedien überstieg der Goldanteil an den globalen Währungsreserven Ende 2025 erstmals den Anteil US-amerikanischer Staatsanleihen – Gold kommt demnach auf 27 Prozent, Treasuries auf 22 Prozent.

Zentralbanken weltweit halten inzwischen 3,6 Millionen Tonnen Gold, und im März 2026 reduzierten sie ihre US-Anleihebestände um 82 Milliarden Dollar auf ein Zehnjahrestief von 2,7 Billionen Dollar.

Bessents Anleiherückkäufe befeuern Dollar-Schwäche

Parallel zur Zinsdebatte sorgt eine Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent für Bewegung an den Devisenmärkten. Bessent kündigte einen Rückkauf langfristiger US-Staatsanleihen an, um deren Renditen zu drücken – geplant sind laut Bilanz-Berichterstattung Käufe von zwei Milliarden Dollar zwischen September und November, mit mindestens zwei weiteren Milliarden in Aussicht gestellt.

Die US-Staatsschulden hatten am 19. August erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Fed-Chef Warsh kritisierte den Eingriff des Finanzministeriums öffentlich, was die Spannungen zwischen Notenbank und Regierung zusätzlich verschärft. Der Dollar verlor im Zuge der Ankündigung an Wert, was Gold für Anleger außerhalb des Dollarraums zusätzlich stützt.

Diese Gemengelage aus hartnäckiger Inflation, wachsenden Staatsschulden und geldpolitischer Unsicherheit erklärt, warum Gold trotz der drohenden restriktiveren Fed-Rhetorik in der Nähe seiner Rekordregion verbleibt.

Der Markt scheint die Möglichkeit einer Zinserhöhung bereits teilweise einzupreisen, ohne dass dies bislang zu einem nachhaltigen Ausverkauf geführt hätte. Zuletzt verzeichneten Gold-ETFs Zuflüsse von mehr als 28 Tonnen binnen einer Woche – ein Signal, dass institutionelle Anleger trotz der Unsicherheit an ihrer Absicherungsstrategie festhalten.

Ausblick auf Jackson Hole

Für Anleger dürfte entscheidend sein, wie deutlich Warsh am Freitag seine Haltung zur Zinspolitik formuliert. Erwägt die Fed tatsächlich, wie in Teilen der Berichterstattung spekuliert, den sogenannten Dot Plot abzuschaffen und damit ihre Zinssignale zu verschleiern, könnte das die Unsicherheit an den Märkten zunächst erhöhen statt sie zu senken.

Bis dahin bewegt sich der Goldpreis in einer Handelsspanne, die von den widersprüchlichen Kräften aus Inflationsdruck, Schuldenlast und geldpolitischer Vorsicht geprägt bleibt.

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