Gold: 1,70 Prozent Minus auf 4.092 Dollar

Gold verliert nach Fed-Sitzung an Wert, während Notenbanken im zweiten Quartal massiv aufstocken. Schmucknachfrage sinkt deutlich.

Felix Baarz ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis fällt um 1,7 Prozent
  • Fed lässt Leitzins unverändert
  • Zentralbanken kaufen 289 Tonnen Gold
  • Schmucknachfrage sinkt um 17 Prozent

Der Goldpreis gerät am Freitag erneut unter Druck. Die Feinunze fällt auf 4.092,10 Dollar, ein Minus von 1,70 Prozent binnen eines Tages. Anleger sortieren sich neu, nachdem die US-Notenbank am Mittwoch ihre Zinsentscheidung verkündet hat und der World Gold Council seine jüngsten Nachfragedaten veröffentlichte.

Fed-Entscheidung bringt neue Nervosität

Die Fed beließ den Leitzins am Mittwoch bei 3,50 bis 3,75 Prozent, die fünfte Zinspause in Folge. Erstmals seit 2016 stimmten mit den Regionalpräsidenten Hammack, Kashkari und Logan drei Mitglieder gegen die Entscheidung, das Ergebnis lautete 9:3. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte laut Marktbeobachtern, dass eine Zinserhöhung vorerst nicht zur Debatte steht.

Die Handelswoche selbst verlief turbulent: Nach einem Rutsch unter 4.000 Dollar am Mittwochmorgen sprang der Goldpreis nach der Zinsentscheidung kräftig zurück nach oben. Laut Deutsche-Börse-Daten stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis Mitte September zuletzt auf rund 40 Prozent. In Euro gerechnet notierte Xetra-Gold bei 113,50 Euro je Gramm und bewegte sich damit im Gleichschritt mit dem Dollarpreis.

Zentralbanken drehen nach schwachem Jahresstart auf

Deutlich mehr Bewegung als am Devisenmarkt zeigt sich derzeit bei den offiziellen Goldreserven. Der World Gold Council hat seine Zahlen für das erste Quartal drastisch nach unten korrigiert: Statt ursprünglich gemeldeter 244 Tonnen kauften Zentralbanken demnach nur 57 Tonnen Gold, ein Rückgang von 76 Prozent und der schwächste Wert für ein erstes Quartal seit 15 Jahren.

Im zweiten Quartal drehte sich das Bild komplett. Mit 289 Tonnen kauften die Notenbanken so viel wie in keinem anderen zweiten Quartal seit Beginn der Aufzeichnungen, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der ersten Jahreshälfte kamen insgesamt 345 Tonnen zusammen, der niedrigste Halbjahreswert seit 2022. Polen führte die Käuferliste mit 51 Tonnen an, vor China mit 33 Tonnen.

Kasachstan avancierte mit 15 Tonnen zum viertgrößten Käufer, Usbekistan steuerte 16 Tonnen bei. Die Türkei, Russland und Aserbaidschan wurden dagegen zu Nettoverkäufern. Eine Umfrage des World Gold Council zeigt zudem: 89 Prozent der Notenbanken erwarten in den kommenden zwölf Monaten steigende globale Reserven, fast die Hälfte plant konkret eigene Zukäufe. Der World Gold Council verweist zugleich auf sinkende Transparenz, da etwa China nach eigenen Angaben nur einen Bruchteil seiner tatsächlichen Käufe meldet.

Schmuck schwächelt, Barren und KI-Chips stützen

Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein gegenläufiges Bild zu den Notenbanken. Die weltweite Schmucknachfrage sank im zweiten Quartal um 17 Prozent auf den niedrigsten Stand seit der Pandemie, ihr Wert legte wegen des hohen Preises dennoch um 22 Prozent auf 86 Milliarden Dollar zu.

Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang in China: Dort brach die Nachfrage um 41 Prozent ein, während Anleger gleichzeitig verstärkt Barren und Münzen horteten – deren Nachfrage stieg im ersten Halbjahr um 31 Prozent auf ein Rekordniveau von 314 Tonnen. In Indien fiel die Schmucknachfrage um 15 Prozent, während sich ihr Wert wegen der Preisentwicklung trotzdem erhöhte. Getrieben vom Ausbau der KI-Infrastruktur zog parallel die industrielle Nachfrage aus dem Elektroniksektor an.

Aus goldgedeckten ETFs flossen im zweiten Quartal netto 45 Tonnen ab, umgerechnet rund vier Milliarden Dollar – ein Zeichen dafür, dass viele Finanzinvestoren nach dem starken Preisanstieg der vergangenen Monate Gewinne mitnahmen. Charttechnisch notiert der Goldpreis inzwischen rund 27 Prozent unter seinem Rekordhoch von Ende Januar. Der Abstand verdeutlicht, wie stark sich die Korrektur seit dem Jahresbeginn bereits ausgewirkt hat, während die kräftige Rückkehr der Zentralbanken im zweiten Quartal zumindest auf der Nachfrageseite für neuen Rückhalt sorgen könnte.

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