Gold: 207 Tonnen Rekordnachfrage aus China

Gold bleibt über 4.500 US-Dollar, gestützt durch asiatische Nachfrage und Zentralbankkäufe, während die US-Geldpolitik belastet.

Felix Baarz ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Asiatische Nachfrage treibt Gold
  • Zentralbanken kaufen weiter zu
  • Fed-Politik bremst Kurspotenzial
  • Geopolitische Risiken stützen Preis

Gold kommt mit Rückenwind aus Asien und Gegenwind aus Washington in den Juni. Das Edelmetall hält sich über 4.500 US-Dollar, obwohl der US-Dollar stärker wurde und die Zinssenkungsfantasie bröckelt. Der Konflikt ist klar: Physische Nachfrage und Zentralbanken stützen, die Fed drückt auf die Stimmung.

Zum Monatsstart notierte Gold bei rund 4.541 US-Dollar je Feinunze.

In der Vorwoche reichte die Spanne von 4.508 US-Dollar bis fast 4.580 US-Dollar. Auf Monatssicht blieb dennoch ein Minus von 0,8 Prozent. Die Erholung zum Monatsende hing stark an geopolitischen Schlagzeilen rund um eine mögliche Verlängerung des US-Iran-Waffenstillstands.

Asien kauft, Westen wackelt

Fundamental wirkt der Goldmarkt robuster, als der Wochenrückgang vermuten lässt. Der World Gold Council meldet für das Auftaktquartal eine gesamte Goldnachfrage einschließlich OTC von 1.231 Tonnen. Das waren 2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Noch deutlicher sprang der Marktwert der Nachfrage. Er erreichte 193 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 74 Prozent. Das unterstreicht, wie stark der hohe Goldpreis die Marktgröße inzwischen aufbläht.

Der wichtigste Treiber kam aus dem physischen Markt. Die weltweite Barren- und Münznachfrage stieg um 42 Prozent auf 474 Tonnen, getragen von Sicherheitsbedürfnis und Preis-Momentum.

Besonders auffällig bleibt China. Dort legte die Nachfrage um 67 Prozent auf 207 Tonnen zu und erreichte ein Rekordniveau. Im Westen zeigte sich dagegen ein Riss: In den USA verzeichneten Gold-ETF-Halter im März Nettoabflüsse.

Zentralbanken bleiben Käufer

Auch die Notenbanken halten den Markt stabil. Sie kauften im Auftaktquartal netto geschätzt 244 Tonnen Gold. Die Nachfrage lag damit über dem Vorquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Die Nationalbank Polens war erneut der größte Käufer. Sie erhöhte ihre Reserven um 31 Tonnen auf 582 Tonnen. Trotz jüngster Aussagen von Notenbankchef Adam Glapiński über mögliche Verkäufe wirkt das langfristige Ziel von 700 Tonnen weiter wie ein Orientierungswert.

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China stockte ebenfalls auf. Die Volksbank erhöhte ihre Goldreserven um 7 Tonnen auf 2.313 Tonnen.

Ein kleiner, aber interessanter Impuls kommt aus der Industrie. Die Nachfrage aus der Technologiebranche stieg um 1 Prozent auf 82 Tonnen, vor allem wegen des Wachstums bei KI-Infrastruktur.

Fed bremst den Goldpreis

Der stärkste Gegenwind kommt weiter aus der US-Geldpolitik. Die Inflationsdaten aus April zeigten den kräftigsten Anstieg seit drei Jahren. Damit wächst die Erwartung, dass die Fed die Zinsen bis weit ins Jahr 2027 hoch hält.

Das Protokoll zur April-Sitzung stützt dieses Bild. Marktbasierte Erwartungen deuteten kaum Veränderungen im Zielband des Leitzinses in diesem Jahr an. Optionspreise signalisierten zugleich eine rund 30-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis zum ersten Quartal 2027.

Auch deshalb rückt die FOMC-Sitzung am 17. Juni 2026 näher an den Goldmarkt heran. Eine weitere Zinserhöhung wäre für Gold ein Belastungsfaktor, weil höhere Renditen die Attraktivität eines zinslosen Assets schwächen.

Geopolitik bleibt die zweite große Kraft. Washington und Teheran tauschten am Wochenende Vorschläge zu einem Entwurf aus, der den Waffenstillstand verlängern und die Straße von Hormus wieder öffnen soll. Ob daraus mehr wird, ist offen. Kein Wunder, dass Gold oberhalb der wichtigen psychologischen Marke stabil bleibt.

Auf der Nachfrageseite dürfte Asien weiter stützen. Der World Gold Council erwartet, dass geopolitische Faktoren auch über dieses Jahr hinaus zentral bleiben. Das spricht für anhaltende Nettokäufe der Zentralbanken, globale ETF-Zuflüsse sowie weitere Barren- und Münzakkumulation.

Schwächer sieht es bei Schmuck aus. Die Nachfrage fiel im Auftaktquartal unter den Erwartungen aus, weshalb der WGC seine Jahresprognose für die Verarbeitung senkte. Hohe Preise bremsen den Konsum, ein größerer wirtschaftlicher Schaden durch den Nahost-Konflikt könnte zusätzlich drücken.

Die nächsten Impulse liefern US-Daten: der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe, der ADP-Beschäftigungsbericht und der offizielle Arbeitsmarktbericht. Kühlen die Daten ab, bekommt Gold Unterstützung über neue Zinssenkungserwartungen. Fallen sie stark aus, bleibt der Druck der Fed das dominante Thema.

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