Gold: 244 Tonnen Zentralbankkäufe im Q1

Trotz gesenkter Jahresziele von Goldman Sachs und Deutscher Bank kaufen Zentralbanken auf Rekordniveau Gold. Der Preis fällt, doch die strukturelle Nachfrage bleibt hoch.

Andreas Sommer ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldman und Deutsche Bank senken Goldziele
  • Fed-Chef Warsh signalisiert weitere Zinserhöhungen
  • Iran-Abkommen dämpft Krisennachfrage nach Gold
  • Zentralbanken kaufen 244 Tonnen im ersten Quartal

Drei Großbanken, drei sehr unterschiedliche Szenarien — und ein Goldpreis, der sich gerade in beide Richtungen erklären lässt. Das Edelmetall steht unter Druck: Fed-Chef Kevin Warsh gibt den Falken, der Iran-Deal dämpft die Krisennachfrage. Strukturell sieht das Bild jedoch anders aus.

Prognosen klaffen weit auseinander

Goldman Sachs hat sein Jahresziel für 2026 am 19. Juni von 5.400 auf 4.900 US-Dollar je Feinunze gesenkt. Begründung: Die Fed werde 2026 die Zinsen nicht senken. Die Deutsche Bank traf es noch härter — sie kürzte ihre Prognose für das dritte Quartal um 22 Prozent auf 4.300 Dollar. Für das vierte Quartal erwartet sie dann wieder 4.800 Dollar.

JPMorgan bleibt der Ausreißer nach oben. Die Bank senkte zwar ihren Jahresdurchschnitt für 2026 auf 5.243 Dollar, hält aber am Ziel von rund 6.000 Dollar für das Schlussquartal fest. Manche Analysten sehen sogar 6.300 Dollar bis Ende 2027.

Aktuell kostet eine Unze Gold rund 4.050 Dollar — rund 28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.627 Dollar. Der RSI liegt bei 33, was technisch auf überverkauftes Terrain hindeutet.

Warsh und der Iran-Deal bremsen

Am 16. und 17. Juni leitete der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh sein erstes FOMC-Meeting. Die Zinsen blieben unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Der Ton danach war eindeutig hawkish: Neun von 18 Ausschussmitgliedern signalisierten mindestens eine weitere Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Ein starker Dollar und höhere Opportunitätskosten — das belastet Gold direkt.

Parallel dazu unterzeichneten die USA und der Iran am 17. Juni ein vorläufiges Abkommen. Es sieht ein Ende militärischer Operationen vor und öffnet den Weg für Sanktionserleichterungen sowie die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die Folge: weniger Krisennachfrage, stabilere Energiemärkte, gedämpfter Inflationsdruck.

Zentralbanken kaufen auf Rekordniveau

Allerdings gibt es eine Kraft, die dem Preisdruck entgegenwirkt. Laut dem World Gold Council-Survey vom 16. Juni planen 45 Prozent der befragten 76 Zentralbanken, ihre Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten aufzustocken. Das ist der höchste Wert in neun Jahren Umfragegeschichte.

Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken netto 244 Tonnen Gold — mehr als im Vorquartal und mehr als im Fünfjahresdurchschnitt. Besonders Schwellenländer bauen Gold als strategischen Reserveposten aus. Diese Nachfrage ist strukturell, nicht spekulativ — und sie lässt sich durch Fed-Rhetorik allein kaum wegdrücken.

Ob JPMorgans 6.000-Dollar-Ziel erreichbar bleibt, hängt maßgeblich davon ab, wann die Fed den Kurs dreht. Solange Warsh auf Straffung setzt, bleibt der Gegenwind real — auch wenn 244 Tonnen Zentralbankkäufe pro Quartal einen stabilen Boden legen.

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