Gold: 26 Prozent unter Rekordhoch

Anhaltende Kapitalabflüsse aus Gold-ETFs und steigende Zinserwartungen setzen den Goldpreis unter Druck. Zentralbankkäufe bieten jedoch Unterstützung.

Felix Baarz ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Gold-ETFs verlieren weiter an Volumen
  • Fed-Protokoll könnte Zinserhöhung signalisieren
  • Charttechnik zeigt Abwärtsrisiko unter 4.140 Dollar
  • Asiatische Zentralbanken stützen die Nachfrage

Der Goldpreis kämpft mit einem hartnäckigen Problem: Institutionelle Investoren ziehen weiter Kapital aus Gold-ETFs ab. Der Markt wartet zudem auf das Protokoll der Fed-Sitzung vom Juni. Das Edelmetall notiert bei knapp 4.140 US-Dollar je Feinunze — 26 Prozent unter dem Rekordhoch vom Januar.

ETF-Investoren ziehen sich zurück

Die Datenlage bei den größten Gold-Fonds zeigt ein klares Muster. Gold-ETFs verloren im Mai laut World Gold Council 16 Tonnen. Die Abflüsse setzten sich bis in den Juni fort.

Rund 298 Tonnen ETF-Gold liegen inzwischen nahe der 4.000-Dollar-Marke im Minus. Das könnte weitere Kursanstiege begrenzen.

Auch die Kapitalflüsse zeigen den Stimmungswechsel. Die rollierenden 90-Tage-Zuflüsse erreichten Ende Februar fast 30 Milliarden US-Dollar. Seitdem fielen sie auf Werte zwischen minus 5 und minus 10 Milliarden US-Dollar.

Anleger verschieben ihr Kapital zusätzlich in Wachstumswerte. Sie holen Geld aus defensiven Anlagen wie Gold und stecken es in Technologieaktien.

Fed-Protokoll als nächster Katalysator

Für die kurzfristige Richtung rückt nun die Geldpolitik der US-Notenbank in den Fokus. Die Fed veröffentlicht diese Woche das Protokoll ihrer Juni-Sitzung. Parallel schwanken die Erwartungen für eine Zinserhöhung im September mit jeder neuen Wirtschaftszahl.

Der Hintergrund liegt in der jüngsten Inflationsentwicklung. Der Iran-Krieg löste einen Energieschock aus. Die Schließung der Straße von Hormus störte globale Lieferketten und trieb Preise von Benzin bis Flugtickets nach oben.

Die Inflation beschleunigte sich von 2,4 Prozent im Januar auf einen Drei-Jahres-Höchststand. Der Verbraucherpreisindex kletterte im Mai auf 4,2 Prozent im Jahresvergleich.

Das ist die höchste Jahresinflationsrate seit April 2023 – nach 3,8 Prozent im April. Das US-Arbeitsministerium veröffentlichte die Daten am 10. Juni.

Der Inflationsanstieg hat die Zinserwartungen der Fed komplett verändert. Im Januar rechneten Ökonomen noch mit Zinssenkungen. Nun erwarten einige Analysten wegen der Preise und eines robusten Arbeitsmarkts eher eine Zinserhöhung.

Aktuelle Marktdaten zeigen zudem eine steigende Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September. Die genauen CME-FedWatch-Werte schwanken dabei von Woche zu Woche. Höhere Zinsen belasten Gold, weil das Metall keine Zinsen abwirft.

Charttechnik zeigt Abwärtsrisiko

Auch technisch bleibt das Bild angeschlagen. Gold handelt am Dienstag nahe 4.140 US-Dollar – 26 Prozent unter dem Rekordhoch vom Januar bei 5.598 US-Dollar.

Gold notiert erstmals seit 2024 unter seinem gleitenden 20-Wochen-Durchschnitt. Dieser hatte zuvor den gesamten Aufwärtstrend gestützt. Im Mai wies er die Erholung ab und zeigt seither nach unten.

Auch der Tageschart zeigt Schwäche. Seit dem Rekordhoch bewegt sich Gold in einem fallenden Kanal. Dessen Mittellinie bildet aktuell eine Unterstützung nahe 4.141 US-Dollar.

Bricht diese Marke, drohen weitere Verluste. Ein Tagesschluss über 4.400 US-Dollar würde den Abwärtskanal durchbrechen und die bärische Struktur infrage stellen. Ein Wochenschluss unter der Nackenlinie dagegen würde das Kursziel der Schulter-Kopf-Schulter-Formation bei rund 2.575 US-Dollar aktivieren.

Zentralbanken stützen die Nachfrage

Trotz der ETF-Abflüsse bleibt das Gesamtbild nicht durchweg negativ. Gold konsolidiert aktuell zwischen 3.800 und 4.200 US-Dollar. Zentralbankkäufe bilden dabei einen strukturellen Boden, liefern aber nicht genug Schwung für eine nachhaltige Rally.

Bei den Kapitalflüssen zeigt sich zudem eine regionale Kluft. Asiatische Märkte, allen voran China und Indien, pflegen ein anderes Verhältnis zu Gold-ETFs.

Sorgen um eine Abwertung der heimischen Währung treiben dort die Nachfrage. Hinzu kommt die kulturelle Nachfrage nach Gold als Wertspeicher. Die Geldpolitik in Asien weicht zudem von der Fed ab. Diese Faktoren halten die asiatischen Kapitalflüsse im positiven Bereich.

Ein möglicher diplomatischer Fortschritt könnte die Marktlage zusätzlich verändern. Fortschritte bei einem US-Iran-Friedensabkommen drücken die Sicherheitsprämie, die im Januar-Rekordhoch eingepreist war. Der Iran-Konflikt stärkte zugleich den US-Dollar – und Gold bewegt sich meist entgegengesetzt zum Dollar.

Für die kommenden Wochen bleibt die Lage zweigeteilt. Anhaltende ETF-Abflüsse und ein starker Dollar belasten den Goldpreis. Robuste Zentralbankkäufe stützen dagegen die langfristige Nachfrage.

Hält die Marke bei 4.140 US-Dollar, bleibt der fallende Kanal intakt. Bricht sie, rückt das Kursziel bei 2.575 US-Dollar in den Blick.

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