Gold: 289 Tonnen Notenbank-Käufe im Q2
Der Goldpreis legt zu, während Zentralbanken ihre Bestände ausbauen. Fed-Entscheid, Iran-Konflikt und US-Arbeitsmarkt bleiben wichtige Einflussfaktoren.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis steigt um 1,4 Prozent
- Notenbanken kauften 289 Tonnen
- Chinas Reserven erreichen Rekordwert
- Fed-Sitzung und Arbeitsmarktdaten folgen
Gold steigt am heutigen Donnerstag um 1,4 Prozent auf 4.448,18 Dollar je Feinunze und setzt damit die Erholung der vergangenen Tage fort. Der Preis hatte seit Wochenbeginn deutlich nachgegeben, nachdem steigende US-Anleiherenditen und ein fester Dollar die Anleger zunächst verunsichert hatten. Nun sorgen nachlassende Inflationssorgen und schwache Arbeitsmarktdaten für neuen Rückenwind.
Notenbanken kaufen in Rekordtempo
Der Preisanstieg fällt in eine Phase intensiver Käufe der Zentralbanken. Im zweiten Quartal 2026 erwarben Notenbanken weltweit netto 289 Tonnen Gold – die größte Menge, die jemals in einem zweiten Quartal registriert wurde.
Chinas Zentralbank stockte ihre Reserven im Juli um weitere 20 Tonnen auf einen Rekordwert von 2.377,5 Tonnen auf und hat damit im laufenden Jahr bereits 60 Tonnen hinzugekauft. Auch die niederländische Zentralbank war aktiv: Sie verlagerte in den vergangenen sechs Monaten 86 Tonnen Gold von New York und Ottawa nach London, um die Handelbarkeit der Bestände im Krisenfall zu verbessern.
Diese strukturelle Nachfrage bildet ein Gegengewicht zu den kurzfristigen Schwankungen, die derzeit von der Geldpolitik und geopolitischen Ereignissen ausgehen.
Fed-Zinsentscheid und Iran-Konflikt im Fokus
Die kommenden Wochen dürften für den Goldpreis richtungsweisend werden. Am 15. und 16. September tagt der Offenmarktausschuss der US-Notenbank. Fed-Chair Kevin Warsh hatte sich zuletzt hawkisch zur Inflationsentwicklung geäußert, was laut dem CME FedWatch Tool die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September auf 66,4 Prozent trieb.
Zuvor hatte die Fed Ende Juli den Leitzins mit 9:3-Stimmen bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, wobei sich Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan für eine Erhöhung ausgesprochen hatten.
Zusätzlich belastet die Eskalation zwischen den USA und dem Iran die Stimmung an den Märkten. Die USA hatten am Mittwoch Luftschläge auf Ziele im Iran geflogen, Teheran reagierte mit Vergeltung.
Präsident Trump signalisierte am heutigen Donnerstag jedoch, dass die Angriffe kurzlebig bleiben würden, zeigte sich aber zugleich bereit für weitere Schläge. Diese Aussagen linderten die Inflationssorgen an den Märkten etwas, was dem Goldpreis zusätzlich half.
Am Arbeitsmarkt zeichnet sich derweil eine Abkühlung ab: Der ADP-Bericht vom Dienstag zeigte mit nur 38.000 neuen Stellen im August den schwächsten Zuwachs seit Januar und blieb deutlich unter der Erwartung von 47.000. Am morgigen Freitag folgt mit dem offiziellen US-Arbeitsmarktbericht für August die nächste wichtige Datenveröffentlichung, die weitere Hinweise auf den Kurs der Fed liefern dürfte.
Angebotsseite gerät zunehmend in den Blick
Neben der Nachfrage rückt auch die Förderseite stärker in den Fokus der Marktbeobachter. Ein Analyst von S&P Global prognostiziert für 2026 einen Höhepunkt des Goldangebots bei 110 Millionen Unzen, gefolgt von einem Rückgang auf 103 Millionen Unzen bis 2028. Der World Gold Council erwartet den sogenannten „Peak Gold“ hingegen erst für 2027, gefolgt von einem langfristigen Plateau ohne abrupten Einbruch der Fördermengen. Südafrika konnte seine Produktion zuletzt immerhin steigern – die Fördermenge lag im Juni um 6,2 Prozent über dem Vorjahresmonat.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus geldpolitischer Unsicherheit, geopolitischen Spannungen und struktureller Notenbanknachfrage bestimmend. Die kommenden Tage mit Arbeitsmarktbericht und Fed-Sitzung dürften zeigen, ob sich die Erholung der vergangenen Sitzungen fortsetzt.
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