Gold: 4.187,30 Dollar zum Freitag
Enttäuschende Arbeitsmarktdaten senken Zinserwartungen und treiben den Goldpreis auf 4.187 Dollar. Analysten uneins über Jahresendziel.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis steigt um 1,23 Prozent
- US-Jobbericht enttäuscht Erwartungen deutlich
- Zinserhöhungswahrscheinlichkeit sinkt auf 50 Prozent
- Zentralbanken kaufen weiterhin Goldreserven
Vier Verlustwochen in Folge, dann die Kehrtwende. Ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht hat Gold zum Wochenschluss neues Leben eingehaucht. Der Preis für die Feinunze kletterte auf 4.187,30 US-Dollar, ein Plus von 1,23 Prozent allein am Freitag.
Schwache Jobzahlen drücken Zinserwartungen
Der Auslöser kam aus Washington. Die US-Wirtschaft schuf im Juni nur 57.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Erwartet hatten Ökonomen 110.000. Zusätzlich korrigierten die Statistiker den Vormonatswert nach unten.
Die Folge: Anleger rechnen jetzt weniger fest mit einer strafferen Zinspolitik der Federal Reserve. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September fiel laut CME FedWatch Tool von 66 auf 50 Prozent. Niedrigere Zinserwartungen senken die Opportunitätskosten fürs Halten von Gold. Der US-Dollar gab zeitgleich nach, was das Edelmetall für Käufer außerhalb der Dollarzone günstiger macht.
Auf Wochensicht steht damit ein Plus von rund zwei Prozent. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt allerdings, wie tief der vorherige Einbruch war: Dort steht ein Minus von 6,16 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt Gold 3,56 Prozent im Minus, vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 US-Dollar aus Januar trennen den Preis noch 25,58 Prozent.
Analysten mit völlig unterschiedlichen Zielen
Die großen Häuser sind sich beim Jahresendziel 2026 alles andere als einig. JPMorgan hat seine Prognose für das vierte Quartal deutlich zurückgenommen, von rund 6.000 auf jetzt 4.500 US-Dollar. Goldman Sachs sieht dagegen 5.400 US-Dollar, UBS rechnet binnen Jahresfrist mit einer Erholung auf etwa 5.200 US-Dollar.
State Street nennt eine Spanne von 4.750 bis 5.500 US-Dollar bis Anfang 2027. Die OCBC Bank ist skeptischer und erwartet bis Jahresende einen Rückgang, verweist dabei auf steigende Anleiherenditen und einen stärkeren Dollar. Den langfristigen Trend sieht die Bank aber weiterhin aufwärtsgerichtet.
Der World Gold Council rechnet für das zweite Halbjahr zunächst mit einer Seitwärtsbewegung. Aufwärtspotenzial Richtung 4.500 US-Dollar oder höher sieht der Rat nur bei sich verschlechternden Wirtschaftsdaten oder sinkenden Zinserwartungen.
Charttechnik und Zentralbanken stützen
Der RSI steht aktuell bei 46,6 — weder überkauft noch überverkauft. Das lässt charttechnisch noch Raum in beide Richtungen. Ein nachhaltiger Ausbruch über 4.174,30 US-Dollar gilt Charttechnikern als wichtiges bullisches Signal, mit möglichen Zielen zwischen 4.177 und 4.198,60 US-Dollar, darüber bis 4.312,90 US-Dollar. Unterstützung liefert die Zone zwischen 4.000 und 4.100 US-Dollar.
Einen strukturellen Rückhalt bilden weiterhin die Zentralbanken. Im Mai kauften Notenbanken netto 41 Tonnen Gold für ihre Reserven. Diese Käufe dienen der Diversifizierung und der Absicherung gegen geopolitische Risiken — ein Nachfragefaktor, der unabhängig von kurzfristigen Zinsdebatten wirkt.
Die neue Handelswoche liefert früh neue Impulse. Am Montag erscheint der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor, am Dienstag folgen die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten nach dem ADP-Bericht. Beide Werte dürften zeigen, ob sich der Konjunkturpessimismus vom Freitag bestätigt — und damit, ob Gold seinen Rücksetzer der vergangenen Wochen tatsächlich hinter sich lässt.
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