Gold: 4.520 Dollar zwischen Hormus-Blockade und Zinsangst
Geopolitische Spannungen und Inflationssorgen treiben Gold auf Rekordniveau, während die Fed eine Zinserhöhung signalisiert.

Kurz zusammengefasst
- Blockade der Straße von Hormus
- Fed signalisiert mögliche Zinserhöhung
- Goldnachfrage erreicht Rekordhoch
- Schmucknachfrage bricht ein
Über 4.500 US-Dollar je Unze, aber mit angezogener Handbremse: Gold bewegt sich derzeit zwischen geopolitischer Dauerspannung und wachsendem Zinsdruck — zwei Kräfte, die sich gegenseitig neutralisieren. Dabei ist die Ausgangslage alles andere als gewöhnlich.
Teheran schweigt, Hormus bleibt dicht
Seit dem gemeinsamen US-israelischen Angriff auf den Iran Ende Februar ist die Straße von Hormus faktisch blockiert. Durch die strategische Meerenge fließen normalerweise rund 20 Millionen Barrel Öl täglich — etwa 20 Prozent des weltweiten Seehandels mit Rohöl. Derzeit bewegt sich der Schiffsverkehr dort bei etwa fünf Prozent des Vorkriegsniveaus.
Ein Memorandum of Understanding liegt auf dem Tisch: Es würde den Waffenstillstand um 60 Tage verlängern, die Meerenge wieder öffnen und Atomgespräche einleiten. Präsident Trump signalisierte, eine Einigung könnte bereits nächste Woche möglich sein. Allerdings hat Teheran die Kommunikation mit den Vermittlern wegen israelischer Angriffe im Libanon ausgesetzt — US-Außenminister Rubio räumte ein, der Verhandlungsstatus sei schlicht unklar.
Zinsdruck als zweiter Gegenwind
Parallel dazu dreht sich die geldpolitische Stimmung. Die US-Inflation, angeheizt durch den Nahostkonflikt, hat die Märkte auf eine härtere Fed eingestimmt. Rund 60 Prozent Wahrscheinlichkeit schreiben Marktteilnehmer derzeit einer Zinserhöhung bis Jahresende zu. Höhere Realzinsen belasten Gold strukturell — das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab.
Ex-Fed-Chef Jerome Powell, seit dem 15. Mai nicht mehr im Amt, warnte in seiner ersten öffentlichen Äußerung nach dem Ende seiner Amtszeit vor den Risiken einer politisierten Notenbank. Ein Signal mit Symbolwert — aber kein geldpolitischer Kurswechsel.
Nachfrage auf Rekordniveau, Schmuck bricht ein
Die Fundamentaldaten erzählen eine andere Geschichte. Laut World Gold Council erreichte die globale Goldnachfrage im ersten Quartal 2026 wertmäßig ein Allzeithoch: 193 Milliarden US-Dollar — ein Plus von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben vor allem durch den Preisanstieg. Mengenmäßig legte die Nachfrage um zwei Prozent auf 1.231 Tonnen zu.
Chinesische Privatanleger kauften 207 Tonnen Barren und Münzen — ein neuer Quartalsrekord, der den bisherigen Höchststand aus 2013 um ein Drittel übertrifft. Zentralbanken erwarben netto rund 244 Tonnen, angeführt von der Polnischen Nationalbank mit 31 Tonnen allein im Quartal.
Schmuck bleibt die Ausnahme: Mengenmäßig brach die Nachfrage um 23 Prozent ein. Wer Gold trägt, zahlt Rekordpreise — und kauft deshalb weniger davon.
Kurs mit Luft nach unten zum Jahreshoch
Aktuell notiert Gold bei 4.520 US-Dollar, gut zwei Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von rund 4.641 Dollar. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.450 Dollar — erreicht Ende Januar — trennen den Kurs noch 17 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von gut vier Prozent.
Ob die Meerenge von Hormus wieder öffnet, wird der entscheidende Taktgeber bleiben. Eine Einigung würde Öl- und Inflationsdruck dämpfen — und damit auch einen zentralen Stützpfeiler der aktuellen Goldnachfrage.
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