Gold: 4 Milliarden Dollar Treasury-Rückkäufe
Gold legt trotz geopolitischer Spannungen zu, während Zweifel an der US-Schuldenpolitik den sicheren Hafen stützen. Experten sehen kurzfristig Überhitzung.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis steigt um 1,4 Prozent
- Neue US-Sanktionen gegen Iran angekündigt
- Zweifel an US-Anleihepolitik wachsen
- Gold charttechnisch überkauft, fundamental gestützt
Der Goldpreis gerät zu Wochenbeginn zwischen zwei gegenläufige Kräfte: neue US-Sanktionen gegen den Iran auf der einen, wachsende Zweifel an der Wirksamkeit der amerikanischen Anleihepolitik auf der anderen Seite. Am Montag schloss die Feinunze bei 4.728,80 US-Dollar, ein Plus von 1,4 Prozent zum Vortag – nachdem der Preis zuvor von seinem jüngsten Drei-Monats-Hoch zurückgefallen war.
Sanktionsdrohung gegen Teheran belastet Risikostimmung
Am Wochenende hatte US-Finanzminister Scott Bessent eine neue Sanktionsrunde gegen den Iran angekündigt, die er selbst als „economic onslaught“ und größte Finanzoffensive aller Zeiten bezeichnete.
Betroffen sind nach Angaben des Finanzministeriums mehr als 60 Organisationen, Personen und Schiffe, die Sekundärsanktionen richten sich gegen fünf Sektoren – darunter digitale Vermögenswerte, Technologie, Luftfahrt, Schifffahrt und auch Gold. Teheran wies die Drohung eines „economic D-Day“ zurück und wertete sie als Eingeständnis militärischer Schwäche der USA.
Iran drohte im Gegenzug, sämtliche Ölexporte aus der Golfregion zu stoppen, sollte die amerikanische Kampagne fortgesetzt werden. Bundesfinanzminister Klingbeil machte den Konflikt am Montag zudem für die gestiegenen Renditen von Bundesanleihen verantwortlich und forderte eine Übergewinnsteuer für Mineralölfirmen.
Diese geopolitische Zuspitzung erklärt einen Teil der Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold. Zugleich bleibt der Preis volatil: Nach Berechnungen aus dem asiatischen Handel fiel Spotgold zeitweise um 0,2 Prozent auf rund 4.640 US-Dollar, während Anleger auf die amerikanischen PCE-Inflationsdaten am 27. August sowie auf eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole warten.
Bessents Anleihe-Rückkäufe verunsichern die Rentenmärkte
Parallel zur Iran-Eskalation sorgt eine zweite Entscheidung Bessents für Diskussionen: Das US-Finanzministerium verdoppelt seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation, die erste Tranche startet am 9. September und läuft bis zum 4. November.
Ziel ist es, die Rendite 30-jähriger Anleihen unter der Marke von 5 Prozent zu halten. Bessent brachte zudem ins Spiel, das Treasury General Account mit rund 950 Milliarden US-Dollar Guthaben direkt zur Finanzierung heranzuziehen – deutlich mehr als der unter der Vorgängerregierung übliche Zielkorridor von 550 bis 600 Milliarden US-Dollar.
Die Reaktion an den Anleihemärkten fiel skeptisch aus. Analysten der Deutschen Bank sehen den Nettoeffekt der TGA-Finanzierung auf Reserven und kurzfristige Emissionen als nahezu neutral an, Goldman Sachs verweist darauf, dass Rückkäufe die eigentlichen Ursachen – Fiskaldefizit und Inflation – nicht beheben.
Die Rendite 30-jähriger US-Anleihen kletterte zuletzt auf 5,26 Prozent. Genau diese Kombination aus Zweifeln an der Schuldentragfähigkeit und geopolitischer Unsicherheit stützt strukturell die Nachfrage nach Gold als Absicherung.
Charttechnisch überhitzt, fundamental gestützt
Mit einem Relative-Strength-Index von 72,9 gilt Gold kurzfristig als überkauft, der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt zwölf Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 9,3 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Preis um 40 Prozent verteuert.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.586,20 US-Dollar aus Ende Januar bleibt Gold gut 15 Prozent entfernt – ein Hinweis darauf, dass trotz der jüngsten Rally noch Luft nach oben besteht, sollten sich Iran-Konflikt und Zinsdebatte weiter zuspitzen.
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