Gold: 4,8 Prozent Erholung vom Sechsmonatstief
Gold erholt sich kraftvoll vom Sechsmonatstief, bleibt aber durch Zinsängste und starke US-Arbeitsmarktdaten belastet.

Kurz zusammengefasst
- Kurserholung von über 4,8 Prozent
- US-Jobdaten befeuern Zinserwartungen
- Notenbanken kaufen weiterhin Gold
- Technische Hürde bei 4.600 US-Dollar
Nach einem Rücksetzer auf das tiefste Niveau seit sechs Monaten hat Gold am Freitag kräftig zurückgeschlagen. Der RSI war auf 24 bis 25 gesunken — eine klassisch überverkaufte Zone. Die Gegenbewegung kam prompt.
Bärenfalle löst Eindeckungskäufe aus
Das Korrekturttief lag bei rund 4.046 US-Dollar pro Feinunze. Wer zu spät auf fallende Kurse gesetzt hatte, wurde von der schnellen Erholung überrascht. Die erzwungenen Eindeckungskäufe verstärkten das Aufwärtsmomentum. Aktuell notiert Gold bei rund 4.239 US-Dollar — rund 4,8 Prozent über dem Tief.
Das technische Bild bleibt aber angespannt. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.600 US-Dollar, fast acht Prozent über dem aktuellen Kurs. Auf Wochensicht steht noch ein Minus von rund 2,6 Prozent.
Zinsdruck bremst die Erholung
Der fundamentale Gegenwind ist real. Der US-Arbeitsmarkt schuf zuletzt 172.000 neue Stellen — mehr als doppelt so viele wie erwartet. Das befeuert die Zinserwartungen. An den Terminmärkten preisen Händler eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent ein, dass die Fed bis Dezember 2026 noch einmal erhöht. Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterten auf 4,53 bis 4,56 Prozent.
Für Gold ist das ein strukturelles Problem. Das Edelmetall zahlt keine Zinsen. Steigen die Anleiherenditen, wächst der Verzicht, den Investoren für Gold in Kauf nehmen.
Zentralbanken als Nachfrageanker
Gegen diesen Druck stemmt sich eine bemerkenswerte Käufergruppe: Notenbanken. Die Polnische Nationalbank hat im bisherigen Jahresverlauf bereits über 45 Tonnen erworben. Ihre Reserven liegen nun bei rund 595 Tonnen — fast 30 Prozent der gesamten nationalen Währungsreserven.
Die chinesische Zentralbank kaufte im April zum 18. Mal in Folge netto zu. Ihre offiziellen Reserven erreichen nun 2.322 Tonnen. Peking will die Abhängigkeit vom US-Dollar reduzieren. Diese strukturelle Nachfrage wirkt wie ein Preisboden.
Geopolitik gibt kurzfristig Rückenwind
Berichte über eine mögliche diplomatische Annäherung im Iran-Konflikt stützten Gold am Freitag zusätzlich. Nachlassende Spannungen im Nahen Osten dämpfen Inflationssorgen — was Gold kurzfristig eher belastet als stützt. Der Anstieg dürfte vor allem technischer Natur gewesen sein.
Die nächsten Impulse kommen von den US-Erzeugerpreisen und der EZB-Zinsentscheidung. Hält Gold das Niveau über 4.200 US-Dollar, wäre das ein erstes Signal, dass die Korrektur — zumindest vorerst — ausläuft. Der Weg zurück über den 50-Tage-Durchschnitt bei 4.600 US-Dollar ist lang.
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