Gold: 53,5 Prozent für September-Senkung
Gold schließt Woche mit Gewinn, doch charttechnische Signale und US-Schuldenlast trüben die Aussichten für das Edelmetall.

Kurz zusammengefasst
- Feinunze schließt bei 4.187 Dollar
- EU erfüllt Zolldeal fristgerecht
- Schwache US-Jobdaten stützen Gold
- Charttechnik deutet auf Todeskreuz hin
Der Goldpreis hat eine turbulente Woche mit einem Kursplus abgeschlossen. Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.187,30 US-Dollar, ein Tagesgewinn von 1,23 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Plus von 2,04 Prozent zu Buche. Die entscheidende Frage für die kommenden Tage: Reicht die Entspannung im Zollstreit aus, um die charttechnischen Warnsignale zu überdecken?
Die EU erfüllt die Trump-Frist
Die Europäische Union hat den Zolldeal mit den USA fristgerecht umgesetzt. Zahlreiche amerikanische Produkte können seitdem günstiger in die EU fließen. Im Gegenzug akzeptiert Brüssel US-Zölle von bis zu 15 Prozent auf die meisten europäischen Exporte. Zusätzlich schafft die EU ihre eigenen Zölle auf US-Industriegüter ab.
Trump hatte zuvor mit einer Eskalation gedroht. Sollte die EU ihren Teil der Vereinbarung nicht bis zum 4. Juli erfüllen, würden die Zölle nach seinen Worten „sofort auf ein viel höheres Niveau steigen“. Mit der fristgerechten Umsetzung ist dieser konkrete Konfliktpunkt für den Goldmarkt zunächst vom Tisch. Die grundsätzliche Handelspolitik Washingtons bleibt trotzdem ein Unsicherheitsfaktor.
Schwacher Arbeitsmarkt schiebt die Zinsfantasie an
Der jüngste Kursanstieg folgte auf enttäuschende US-Konjunkturdaten. Am 2. Juli meldete das US-Arbeitsministerium nur 57.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft für Juni. Das liegt deutlich unter den nach unten korrigierten 129.000 Stellen im Mai und unter den Erwartungen der Experten.
Anleger reagierten prompt und passten ihre Zinserwartungen an. Laut dem FedWatch-Tool der CME sehen Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September nun bei 53,5 Prozent. Vor den schwachen Jobdaten lag dieser Wert noch bei rund 65 Prozent. Schwächere Konjunkturdaten nähren die Hoffnung auf lockerere Geldpolitik – und das stützt Gold als zinslosen Vermögenswert.
Charttechnik warnt vor einem Todeskreuz
Trotz der jüngsten Erholung zeigt der langfristige Trend deutlich nach unten. Auf Monatssicht steht ein Minus von 6,16 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt Gold 3,56 Prozent im Minus. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt aktuell -5,16 Prozent, zum 100-Tage-Durchschnitt sogar deutlich mehr.
Diese Konstellation nährt Spekulationen über ein sogenanntes Todeskreuz. Ein deutscher Finanzdienst thematisierte zuletzt genau dieses Signal, bei dem kurzfristige gleitende Durchschnitte unter die langfristigen fallen. Ein solches Muster gilt technisch als Warnzeichen für einen mittelfristigen Abwärtstrend. Der RSI von 46,6 zeigt aktuell aber keine Überverkauft- oder Überkauft-Situation an, sondern einen neutralen Markt.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 Dollar aus Ende Januar trennen den Goldpreis inzwischen 25,58 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief bei 3.901,30 Dollar von Ende Oktober beträgt der Puffer dagegen nur 7,33 Prozent. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Handelstage liegt bei 27,65 Prozent – ein Wert, der die Nervosität am Markt unterstreicht.
Terminmarktdaten und Nagel-Rede im Kalender
Zum Wochenauftakt richten Händler den Blick auf nachgelieferte Terminmarktdaten. Die COMEX veröffentlicht ihre COT-Daten für Gold, Silber und weitere Metalle verspätet, weil der 4. Juli in den USA ein Feiertag war. Diese Zahlen geben Aufschluss über die Positionierung institutioneller Anleger.
Am Montag äußert sich zudem Bundesbankchef Joachim Nagel zur Konjunkturlage. Nagel spricht über Inflationsrisiken für Deutschland und die EU, auch im Zusammenhang mit möglichen Gegenzöllen. Da er zugleich im EZB-Rat sitzt, dürfte seine Einschätzung besonders den Euro-Goldpreis beeinflussen.
Schuldenlast bleibt der Dauerbrenner
Neben Zöllen und Zinsen bleibt die US-Verschuldung ein Belastungsfaktor für den Goldmarkt. Die Gesamt- und Staatsverschuldung der USA spitzt sich auch unter der aktuellen Regierung weiter zu. Gleichzeitig verharren die Benchmark-Renditen für die meisten US-Kredite auf hohem Niveau.
Diese Mischung aus Zollpolitik, Zinserwartungen und Schuldendynamik dürfte die Schwankungen am Goldmarkt auch in der kommenden Woche hochhalten. Bestätigt sich das Todeskreuz-Signal in den nächsten Handelstagen, dürfte die Diskussion um eine tiefere Korrektur neu aufflammen.
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