Gold: 6,5 Prozent Inflationsdruck im Mai
Neue US-Inflationsdaten setzen Gold massiv unter Druck. Die Fed-Zinsentscheidung nächste Woche wird zum entscheidenden Test für den Kurs.

Kurz zusammengefasst
- US-Erzeugerpreise steigen stark
- Fed-Zinsentscheidung im Fokus
- Türkei verkauft Goldreserven
- CME-Plan für 24/7-Handel blockiert
Fast ein Viertel seines Wertes hat Gold seit dem Januar-Hoch abgegeben. Jetzt kommen neue Inflationsdaten aus den USA hinzu — und erhöhen den Druck weiter.
Erzeugerpreise auf Mehrjahreshoch
Die US-Erzeugerpreise stiegen im Mai um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Jahresvergleich bedeutet das ein Plus von 6,5 Prozent — der stärkste Anstieg seit November 2022. Die US-Verbraucherinflation kletterte erstmals seit drei Jahren über vier Prozent.
Das setzt die Fed unter Zugzwang. Am 16. und 17. Juni tagt die Notenbank zum ersten Mal unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Investoren fürchten weitere Zinserhöhungen. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, ist das ein strukturelles Problem.
Der Schlusskurs am Freitag lag bei 4.239,70 USD — gut acht Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3.901,30 USD. Der RSI notiert bei 36,1 und signalisiert damit eine überverkaufte Lage, ohne bislang eine Gegenbewegung auszulösen.
Türkei verkauft, Iran schließt Meerenge
Geopolitische Risiken stützten Gold diesmal kaum. Der Iran erklärte die Straße von Hormus für geschlossen — eigentlich ein klassischer Auslöser für Flucht in sichere Häfen. Die makroökonomischen Belastungen überwogen dennoch.
Hinzu kam Verkaufsdruck aus der Türkei. Das Land baut seine Goldreserven ab. Analyst Peter Fertig von Quantitative Commodity Research warnt: Steigt die Inflation weiter, könnte Gold unter die Marke von 4.000 USD fallen.
CME-Pläne unter Beschuss
Auch strukturell gibt es Gegenwind. Die CME plant einen 24/7-Handel mit Gold-Futures, ursprünglich ab dem 26. Juli. Die US-Aufsichtsbehörde CFTC erwägt jedoch, das Vorhaben zu blockieren. Die Regulierer befürchten stark erhöhte Volatilität durch einen ununterbrochenen Handelsbetrieb. Bei bereits annualisierten 25 Prozent Schwankungsbreite ist das kein unrealistisches Szenario.
Die Bank ANZ hat ihr Jahresendziel für Gold inzwischen um 400 USD auf 5.200 USD gesenkt. Die psychologische Marke bei 4.000 USD bleibt das nächste Ziel der Bären — und der härteste Test für den Goldmarkt vor der Fed-Entscheidung nächste Woche.
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