Gold: 6,7 Prozent Minus in 30 Tagen

Trotz Eskalation im Nahen Osten fällt der Goldpreis unter 4.000 Dollar. Höhere Zinserwartungen und ein starker Dollar belasten das Edelmetall stärker als die geopolitischen Risiken.

Dieter Jaworski ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Gold fällt unter 4.000 Dollar
  • Zinserhöhungsängste dominieren den Markt
  • Ölpreis-Rallye treibt Inflationssorgen
  • Zentralbanken halten an Goldreserven fest

Krieg im Nahen Osten, aber Gold fällt. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Normalerweise treibt geopolitische Eskalation Anleger in sichere Häfen. Diesmal drückt eine andere Angst stärker: die vor höheren Zinsen.

Der Goldpreis rutschte am Freitagvormittag unter die Marke von 4.000 US-Dollar und notierte bei rund 3.981 Dollar je Feinunze. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der sich über Wochen aufgebaut hat. Binnen 30 Tagen hat das Edelmetall knapp 6,7 Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut 8 Prozent.

Warum die Ölpreis-Rallye Gold schadet

Der Auslöser der aktuellen Eskalation: ein Angriff auf das iranische Exportzentrum auf der Insel Kharg, dazu eine Seeblockade. Die Folge: Der Ölpreis der Sorte Brent kletterte auf über 86 Dollar pro Barrel.

Für Gold wirkt das kontraproduktiv. Teureres Öl treibt die Inflation. Und eine höhere Inflation könnte die US-Notenbank zwingen, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar weiter anzuheben. Genau das fürchten Anleger gerade mehr als geopolitisches Chaos.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verharrt bei etwa 4,58 Prozent. Gold zahlt keine Zinsen. Steigen die Marktzinsen, steigen die Opportunitätskosten fürs Halten von Gold – Anleger verkaufen. Selbst die moderaten US-Inflationsdaten für Juni mit einer Jahresrate von 3,5 Prozent konnten diesen Trend nicht stoppen.

Der Warsh-Faktor

Ein zweiter Belastungsfaktor kommt aus der Personalpolitik der Fed. Der designierte Notenbank-Chef Kevin Warsh äußerte sich bei seiner jüngsten Kongress-Anhörung auffällig hawkish. Seine Aussagen rückten eine Zinswende in weite Ferne.

Der Markt preist mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Das setzt Gold zusätzlich unter Druck. Hinzu kommt ein fester Dollar: Der Euro fiel zeitweise unter 1,14 Dollar, was Goldkäufe außerhalb der Dollar-Zone verteuert.

Zentralbanken kaufen weiter

Während private Anleger Positionen abbauen, bleibt die institutionelle Nachfrage stabil. Eine aktuelle Umfrage unter Notenbanken zeigt: Rund 84 Prozent planen, ihre Goldreserven zu halten oder aufzustocken. Vor allem China und Indien nutzen Kursrückgänge für Zukäufe, um ihre Dollar-Abhängigkeit zu verringern.

Am Terminmarkt zeigt sich ein ähnliches Bild. Das Netto-Long-Volumen großer Fondsmanager steigt, während Privatanleger verkaufen. Professionelle Akteure nutzen das aktuelle Niveau offenbar für langfristige Positionen.

Charttechnik: überverkauft, aber fragil

Der RSI notiert bei 37,6 Punkten – ein Wert, der auf eine überverkaufte Lage hindeutet und oft eine Gegenbewegung ankündigt. Aktuell liegt der Kurs nur rund 2,3 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3.901 Dollar, das Ende Oktober markiert wurde. Genau dort verläuft auch die wichtigste Unterstützung.

Bricht die Marke von 3.900 Dollar, öffnet sich Raum für weitere Verluste. Für eine echte Trendwende braucht es dagegen einen nachhaltigen Ausbruch über die Widerstandszone bei 4.200 bis 4.300 Dollar. Bis dahin bleibt Zinspolitik der Fed der entscheidende Taktgeber – nicht die Kriegslage im Nahen Osten.

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