Gold: 784 Tonnen Barren-Investitionen im H1 2026

Eine straffere Fed-Rhetorik belastet Gold kurzfristig, während vermögende Anleger und Zentralbanken ihre physischen Bestände weiter ausbauen.

Andreas Sommer ·
Mehrere glänzende Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte in einem professionellen Tresorraum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Tresore stoßen an Kapazitätsgrenzen
  • 52 Prozent wollen Goldkäufe erhöhen
  • Gold verliert 3,2 Prozent am Freitag
  • Zentralbanken kaufen deutlich mehr Gold

Während der Goldpreis am Wochenende unter dem Eindruck einer strafferen Fed-Rhetorik nachgab, zeichnet sich abseits der Tagesbewegung ein anderer Trend ab: Vermögende Anleger kaufen physisches Gold in einem Tempo, das die Lagerkapazitäten der Branche an ihre Grenzen bringt.

Laut einem Bericht der Financial Times sucht der Tresorbetreiber Sharps Pixley bereits nach neuen Standorten, Swiss Gold Safe erweitert gleich sechs Lagerstätten. Der Raffineur MKS Pamp plant eigens reservierte Tresorflächen für Kunden mit Barrenbeständen ab mindestens 50 Millionen Dollar.

Die Zahlen hinter dem Run sind beträchtlich. Eine HSBC-Untersuchung in zehn Märkten zeigt: 52 Prozent von zehntausend befragten vermögenden Anlegern wollen ihre Goldinvestitionen 2026 weiter aufstocken.

Die Bank of Singapore beziffert den Zuwachs an physischen Goldbeständen ihrer Kunden seit Ende 2025 auf 40 Prozent. Bei UBS ist der Goldanteil in den Portfolios von 307 Family Offices mit im Schnitt 2,7 Milliarden Dollar Nettovermögen von 2 auf 3 Prozent gestiegen.

Der World Gold Council meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Anstieg globaler Investitionen in Barren und Münzen um 21 Prozent auf 784 Tonnen – in der Türkei allein legte die Nachfrage im ersten Quartal um 29 Prozent auf 26,1 Tonnen zu, ein Rekordwert.

Fed-Rede bremst die Rally kurzfristig

Diese strukturelle Nachfrage traf am Freitag auf ein anderes Signal: Fed-Chef Kevin Warsh erklärte in Jackson Hole, die Notenbank habe „noch Arbeit“ vor sich, um die Inflation nachhaltig auf das Zwei-Prozent-Ziel zu drücken. Die Kernrate lag im Juli bei 3,4 Prozent.

Die Aussage ließ die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September laut CME FedWatch von rund 35 auf knapp 60 Prozent springen. Gold reagierte mit einem Tagesverlust von 3,2 Prozent auf 4.454,60 Dollar je Feinunze, parallel gaben Silber und Bitcoin nach, während der Dollar zulegte.

Der Rückschlag relativiert sich im größeren Bild kaum. Der Goldpreis liegt weiterhin rund 32 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 3.384,54 Dollar und hat seit Jahresbeginn 3,1 Prozent zugelegt.

Der jüngste Einbruch drückte die Notierung zugleich rund zwei Prozent unter den 200-Tage-Durchschnitt von 4.544,86 Dollar, während sie über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.214,49 Dollar verharrt – ein Bild, das eher nach kurzfristiger Verunsicherung als nach Trendwende aussieht.

Analysten bleiben trotz Rücksetzer optimistisch

Goldman Sachs hält an einem Jahresendziel von 4.900 Dollar je Unze fest und begründet dies vor allem mit den Käufen der Zentralbanken, die inzwischen mit rund 50 Tonnen monatlich einkaufen – eine Verdreifachung gegenüber 2022. Im zweiten Quartal 2026 kauften Notenbanken netto 289 Tonnen, das Fünffache des Vorquartals.

Deutsche Bank rechnet mit weiteren Zinserhöhungen der Fed im September und Dezember um jeweils 25 Basispunkte, sieht das aber nicht als Bremse für den Goldpreis. Andere Häuser sind zurückhaltender: JPMorgan nennt 4.500 Dollar, Bank of America 4.360 Dollar als Zielmarken.

Für Anleger ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild. Kurzfristig dürfte die Zinsdebatte um die Fed-Sitzung Mitte September für Schwankungen sorgen, zumal am 4. September der Arbeitsmarktbericht und am 11. September die Inflationsdaten anstehen. Der strukturelle Nachfragesog durch Zentralbanken und vermögende Privatanleger, der inzwischen sogar physische Lagerkapazitäten knapp werden lässt, dürfte den Preis auf mittlere Sicht jedoch stützen.

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