Gold: 82 Tonnen Zukauf in Polen

Trotz fallender Goldkurse stocken Polen und China ihre Reserven massiv auf. Eine Umfrage zeigt Rekord-Kaufabsichten der Notenbanken.

Redaktion Stock-World ·
Ein glänzender Goldbarren, der das Konzept des Goldkaufs und der Wertanlage in Polen symbolisiert. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Gold fällt auf Wochensicht um 2,7 Prozent
  • Polen kauft 82 Tonnen im ersten Halbjahr
  • China setzt 20. Monat in Folge Zukäufe fort
  • 45 Prozent der Notenbanken planen weitere Käufe

Gold fällt, doch die Notenbanken kaufen weiter. Dieser Widerspruch prägt gerade den Edelmetallmarkt. Während private Anleger angesichts sinkender Kurse zurückhaltender werden, bauen Polen und China ihre Reserven munter aus.

Am Freitag schloss Gold bei 4.015,40 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,88 Prozent zum Vortag. Die kurzfristige Erholung ändert am Gesamtbild wenig. Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,72 Prozent, auf Monatssicht sogar von 6,12 Prozent zu Buche.

Zinssorgen und Nahost-Spannungen drücken den Kurs

Zwei Faktoren belasten den Goldpreis aktuell besonders. Erstens die Geldpolitik: Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan fordert eine weitere Zinserhöhung. Vize-Notenbankchef Philip Jefferson signalisiert Unterstützung für eine straffere Politik, sollte sich die Inflation nicht bessern. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.

Zweitens die Geopolitik. Eskalierende Spannungen im Nahen Osten treiben die Ölpreise nach oben. Das schürt Inflations- und Zinssorgen gleichermaßen.

Die Wirtschaftsdaten selbst zeichnen ein gemischtes Bild. US-Verbraucher- und Erzeugerpreise fielen im Juni, vor allem wegen niedrigerer Energiekosten. Die Importpreise stiegen dagegen unerwartet. Fed-Chef Kevin Warsh betont weiterhin sein Ziel, die Preisstabilität wiederherzustellen – auch wenn die schwächeren Inflationsdaten eine Zinserhöhung im Juli weitgehend ausschließen.

Notenbanken nutzen die Schwäche gezielt

Während private Anleger zögern, kaufen Zentralbanken unbeirrt weiter. Polens Notenbankpräsident Adam Glapiński meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Zukauf von 82 Tonnen Gold. Damit steigen die polnischen Reserven auf 632,4 Tonnen. Warschau bleibt einer der aktivsten offiziellen Käufer weltweit.

Auch China bleibt am Markt aktiv. Die Volksbank kaufte im Juni 480.000 Feinunzen Gold – die stärksten Zukäufe seit Oktober 2023. Die chinesischen Goldreserven steigen damit auf 75,4 Millionen Feinunzen. Es ist bereits der 20. Monat in Folge mit Zukäufen.

Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch ordnet die chinesischen Käufe so ein: „Offenbar hat das gesunkene Preisniveau die PBoC zu stärkeren Käufen veranlasst.“ Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council untermauert den Trend. 45 Prozent der befragten Zentralbanken planen, ihre Goldbestände innerhalb der kommenden zwölf Monate weiter aufzustocken. Das ist der höchste Wert, den die Befragung je gemessen hat.

Silber legt zu, Platin und Palladium geben nach

Bei den übrigen Edelmetallen zeigt sich am Freitag ein uneinheitliches Bild. Silber steigt um 0,6 Prozent auf 55,83 US-Dollar je Unze. Platin verliert dagegen 1 Prozent auf 1.602,02 US-Dollar, Palladium gibt um 0,4 Prozent auf 1.244,84 US-Dollar nach.

Der Blick auf die technischen Marken zeigt, wie stark der Rückschlag bereits ausgefallen ist. Mit einem RSI von 40,1 gilt Gold weder als überkauft noch als überverkauft. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt aktuell 6,71 Prozent nach unten.

Die Divergenz zwischen fallenden Kursen und robuster Notenbanknachfrage bleibt das prägende Merkmal dieses Marktes. Solange die geldpolitische Unsicherheit in den USA und die geopolitischen Risiken im Nahen Osten anhalten, dürfte dieses Wechselspiel die Kursbewegungen der kommenden Wochen bestimmen.

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