Gold: 85 Prozent Zinserhöhungsrisiko im Dezember

Gold fällt auf 4.165 Dollar, belastet durch hawkishe Fed-Signale. Zentralbanken kaufen trotzdem weiter und treiben die Nachfrage.

Andreas Sommer ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldkurs fällt auf 4.165 Dollar
  • Fed signalisiert mögliche Zinserhöhung
  • Zentralbanken planen Rekord-Goldkäufe
  • Wichtige PCE-Daten am 25. Juni

Am heutigen Freitag bleiben die US-Börsen wegen Juneteenth geschlossen. Der Goldmarkt läuft damit auf Sparflamme — und genau in diesem dünnen Umfeld zeigt sich, wie zwei gegensätzliche Kräfte auf den Preis drücken.

Gold notiert aktuell bei 4.165 Dollar je Feinunze, rund 1,5 Prozent unter dem gestrigen Schlusskurs. Der RSI von 35 signalisiert eine überverkaufte Zone — vom Rekordhoch bei 5.627 Dollar im Januar ist das Metall inzwischen fast 26 Prozent entfernt.

Fed dreht den Zinspfad

Der Auslöser für den jüngsten Rücksetzer kam aus Washington. Die Federal Reserve ließ den Leitzins am Mittwoch zwar unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Neun der 19 Entscheidungsträger signalisierten aber eine weitere Anhebung noch in diesem Jahr.

Der Dot-Plot zeigt, wohin die Reise geht. Die Median-Prognose für den Leitzins Ende 2026 stieg auf 3,8 Prozent — zuvor lag sie bei 3,4 Prozent. Am Terminmarkt preisen Anleger laut CME FedWatch nun eine Zinserhöhungswahrscheinlichkeit für Dezember von 85 Prozent ein. Vor der Fed-Stellungnahme waren es 61 Prozent.

Der Dollar legte daraufhin zu und erreichte am Donnerstag ein Einjahreshoch. Für Käufer außerhalb der USA wird Gold damit teurer — ein klassischer Bremseffekt.

Zentralbanken kaufen trotzdem

Auf der Nachfrageseite sieht das Bild anders aus. Der aktuelle WGC-Survey zeigt: 89 Prozent der Reservemanager weltweit erwarten steigende globale Goldbestände in den nächsten zwölf Monaten. Ein Rekordwert von 45 Prozent plant, die eigenen Reserven aufzustocken. An der Erhebung nahmen 76 Zentralbanken teil — ebenfalls ein Rekord.

Die Kaufmuster auf Länderebene sind konkret. Die polnische Nationalbank erwarb im April 14 Tonnen und hält nun 595 Tonnen — rund 30 Prozent ihrer Gesamtreserven. China kauft seit 18 aufeinanderfolgenden Monaten und hält offiziell 2.322 Tonnen, entsprechend 9 Prozent der Gesamtreserven.

Der WGC stellte außerdem fest, dass Gold US-Staatsanleihen als weltgrößte Reserveanlage überholt hat. Das ist kein kurzfristiges Signal.

PCE-Daten als nächste Weiche

Am 25. Juni werden drei Datenpunkte gleichzeitig veröffentlicht: der Mai-Kern-PCE, das finale BIP-Wachstum für Q1 und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Im April lag der Kern-PCE bei 3,3 Prozent. Prognosen rechnen für Mai mit einem Gesamt-PCE von bis zu 4,1 Prozent.

Liegt der Wert auf oder über der Fed-Jahresprognose von 3,6 Prozent, festigt das die hawkische Mehrheit im Offenmarktausschuss. Fällt er niedriger aus, verliert das Argument für eine Zinserhöhung 2026 an Gewicht — und Gold gewinnt stabileren Boden.

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