Gold: ADP meldet nur 98.000 Stellen
Enttäuschende ADP-Daten treiben Gold über 4.090 Dollar. Fed-Chef Warsh kündigt weniger transparente Kommunikation an.

Kurz zusammengefasst
- Gold steigt um über 1,7 Prozent
- ADP-Bericht bleibt hinter Erwartungen zurück
- Fed verzichtet künftig auf Forward Guidance
- Kursziele für Sommer stark uneinheitlich
Ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht schickt den Goldpreis auf Sprint-Modus. Die Feinunze springt zeitweise um über 2 Prozent auf rund 4.097 US-Dollar. Damit bleibt Gold klar über der Marke von 4.000 Dollar – trotz eines miserablen Monats zuvor.
Aktuell notiert Gold bei 4.091,60 US-Dollar, ein Tagesplus von 1,74 Prozent. Der Blick auf die letzten 30 Tage zeigt allerdings ein anderes Bild: Dort steht ein Minus von 9,38 Prozent. Vom Rekordhoch bei 5.626,80 US-Dollar aus Ende Januar trennen das Edelmetall noch immer mehr als ein Viertel.
Der ADP-Bericht als Auslöser
Der US-Arbeitsmarkt kühlt sich ab. Laut dem ADP-Bericht für Juni entstanden in der US-Privatwirtschaft nur 98.000 neue Stellen. Ökonomen hatten mit 105.000 bis 113.000 gerechnet, nach revidierten 122.000 im Mai.
ADP-Chefökonomin Nela Richardson betont: Finanz- und IT-Branche stellen weiter ein. Das Gastgewerbe dagegen schwächelt bereits den sechsten Monat in Folge. Die schwachen Zahlen drücken sofort die Anleiherenditen und belasten den Dollar. Gold profitiert davon als zinsloses Investment.
Auch der Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe fällt schwächer aus als erwartet. Er sinkt auf 53,3 Punkte, Analysten hatten 54,0 erwartet. Der Preisindex innerhalb des Berichts bricht noch deutlicher ein – von 82,1 auf 73 Punkte. Das deutet auf nachlassenden Inflationsdruck in der Industrie hin.
Warsh setzt auf Intransparenz
Parallel zu den Konjunkturdaten richtet sich der Blick nach Sintra. Beim EZB-Forum in Portugal erklärt Fed-Chef Kevin Warsh seinen neuen Kommunikationsstil. Die Fed will künftig auf sogenannte Forward Guidance verzichten.
Zinsentscheidungen sollen künftig hinter verschlossenen Türen fallen, basierend auf Echtzeitdaten. Warsh sieht sinkende Inflationsrisiken, hält aber am Ziel von 2 Prozent Preisstabilität fest. Diese neue Zurückhaltung in der Kommunikation verunsichert die Märkte zusätzlich.
Fed Funds Futures preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Gold reagiert entsprechend nervös auf die fehlende Orientierung durch die Notenbank.
Gespaltene Prognosen für den Sommer
Der US-Dollar-Index hält sich stabil über 101 Punkten. Geopolitische Spannungen rund um den Iran und der hawkishe Grundton der Fed-Führung stützen die US-Währung – eigentlich Gegenwind für Gold.
Bei den Kurszielen gehen die Meinungen auseinander:
- Die Deutsche Bank senkt ihr Kursziel für das dritte Quartal auf 4.300 US-Dollar.
- Der World Gold Council rechnet in seinem Basisszenario mit einem Durchschnittspreis von rund 4.100 US-Dollar für die zweite Jahreshälfte, mit einer Schwankungsbreite von 5 Prozent.
- Technische Analysten warnen vor einem Rückfall unter 4.000 Dollar in Richtung 3.800 Dollar, sollte der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag stärker ausfallen als die ADP-Zahlen.
Die technische Lage untermauert die Nervosität: Der RSI steht bei 39,4, der Kurs liegt fast 8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar sind es dagegen nur noch knapp 5 Prozent.
Am Freitag entscheidet sich, welche Richtung Gold einschlägt. Fällt der offizielle US-Arbeitsmarktbericht schwächer aus als die ADP-Daten, dürfte die Rally über 4.000 Dollar Bestand haben. Ein überraschend starker Bericht könnte den Weg Richtung 3.800 Dollar öffnen.
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