Gold: Analysten senken Ziele, bleiben aber bullish
Höhere Renditen und ein starker Dollar belasten Gold, während Zentralbankkäufe und ETF-Zuflüsse die langfristige Nachfrage stützen.
Kurz zusammengefasst
- JPMorgan senkt Goldziel auf 4.500 Dollar
- Goldman Sachs korrigiert Prognose auf 4.650 Dollar
- Gold-ETFs stockten Bestände um 6,3 Millionen Unzen auf
- Zentralbanken kauften monatlich fast 70 Tonnen
Der Goldpreis kämpft gerade mit einer unbequemen Kombination: steigende Anleiherenditen, ein fester Dollar und die wachsende Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fed-Zinserhöhung im Oktober. An den Terminmärkten wird dieser inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent eingeräumt. Die Feinunze pendelte zuletzt um die Marke von 4.260 bis 4.300 Dollar und droht damit den zweiten Wochenverlust in Folge.
Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten. Das macht unverzinstes Gold kurzfristig unattraktiver. Hinzu kommen zeitweise stark gestiegene Energiepreise, die Inflationssorgen schüren und die Zinserwartungen weiter anheizen.
Große Häuser rechnen kurzfristig vorsichtiger
Mehrere Investmentbanken haben ihre Ziele für Ende 2026 zuletzt nach unten korrigiert. JPMorgan sieht das Edelmetall nur noch bei rund 4.500 Dollar, deutlich unter früheren Prognosen. Goldman Sachs reduzierte sein Ziel von 4.900 auf etwa 4.650 Dollar. Wells Fargo bleibt mit einer Spanne von 4.900 bis 5.100 Dollar optimistischer, hat aber ebenfalls gesenkt.
Der langfristige Grundton bleibt bei allen drei Häusern konstruktiv. Als tragende Säule gilt übereinstimmend die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken, die sich auch bei Kursrückgängen nicht bremsen lässt.
Zentralbanken und ETFs kaufen weiter
Genau hier setzt eine deutlich optimistischere Stimme an: TD Securities erwartet, dass Gold bis 2027 wieder über 5.000 Dollar steigen könnte. Begründet wird das mit einer aufgeweichten Beziehung zwischen Gold und Realzinsen — geopolitische Unsicherheit, Entdollarisierung und Sorgen um Währungsentwertung stützten die Nachfrage inzwischen unabhängig von der Zinsentwicklung.
Die Zahlen dahinter sind beachtlich: Globale Gold-ETFs haben seit Juli rund 6,3 Millionen Unzen aufgebaut. Zentralbanken kauften im Schnitt der vergangenen drei Monate fast 70 Tonnen monatlich. China bleibt dabei der auffälligste Akteur — die Notenbank meldete bereits den 22. Monat in Folge Goldkäufe, während BMO Capital Markets die chinesischen Netto-Importe im August auf 124,5 Tonnen bezifferte, ein Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch BMO und Standard Chartered halten trotz kurzfristiger Vorsicht an einer Rückkehr über 5.000 Dollar bis Anfang 2027 fest. Fidelity-Stratege Jurrien Timmer beziffert den fairen Wert bereits heute auf rund 5.000 Dollar — sein Modell koppelt Gold stärker an die globale Liquidität als an Realzinsen.
Kurzfristig bleibt der Ausblick damit zweigeteilt: Solange die Fed an ihrem strafferen Kurs festhält, dürfte der Preis unter Druck bleiben. Die Analysten sind sich aber einig, dass ein zusätzlicher Impuls — etwa eine überraschend gelockerte Geldpolitik oder ein neuer Schub geopolitischer Unsicherheit — die nächste Aufwärtsphase auslösen könnte.
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