Gold: Anleiherenditen auf Mehrjahreshoch bremsen Erholung
Mildere US-Inflation stützt Gold, während Anleiherenditen und ein fester Dollar den Preisanstieg begrenzen.

Kurz zusammengefasst
- Goldnotierung steigt um 0,3 Prozent
- Kerninflation im August bei 3,0 Prozent
- Zehnjährige US-Rendite erreicht rund 5,3 Prozent
- Notenbanken kaufen im Juli netto 23 Tonnen
Nach überraschend moderaten US-Inflationsdaten stabilisiert sich der Goldpreis im Handel, sieht sich jedoch einem massiven Zinsdruck gegenüber. Am Spotmarkt notiert die Feinunze heute bei 4.171,02 USD, was einem leichten Zuwachs von 0,3 % entspricht.
Zwar nehmen schwächere Teuerungsdaten den Zinserwartungen vorerst die Spitze, doch der gleichzeitige Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen auf Mehrjahreshochs begrenzt den Spielraum für eine dynamische Erholung.
Milder PCE-Preisindex dämpft Zinssorgen
Neuen Schub erhielt die Debatte über den künftigen Zinspfad durch den Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben. Nach Angaben des Bureau of Economic Analysis lag die jährliche Kernrate für August bei 3,0 % und verfehlte damit die Prognosen vieler Volkswirte.
Vor gut einer Woche hatten falkenhafte Signale der Federal Reserve und eine Anhebung des Leitzinskorridors das Edelmetall noch unter Verkaufsdruck gesetzt. Mit den jüngsten Preisdaten sank die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts Ende Oktober jedoch spürbar.
Gleichzeitig bleibt die amerikanische Wirtschaft robust aufgestellt. Die US-Konsumausgaben kletterten im August um 0,9 % gegenüber dem Vormonat, gestützt durch eine anhaltende Nachfrage der privaten Haushalte. Da die Kernteuerung ungeachtet des Rückgangs weiterhin über der Notenbank-Zielmarke von 2 % verharrt, bleibt die Unsicherheit über die geldpolitischen Schritte bis zum Jahresende für die Finanzmärkte bestimmend.
Druck durch US-Staatsanleihen hält an
Die erhoffte Entlastung für das Edelmetall wird an den Rentenmärkten abgebremst. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf rund 5,3 % und markierte damit ein Niveau, das seit vielen Jahren nicht mehr erreicht wurde. Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, verteuern die attraktiveren Renditen festverzinslicher Papiere die Opportunitätskosten der Haltung und bremsen spekulatives Kapital.
Die Analysten der Bank OCBC hoben hervor, dass die anziehenden Renditen den technischen Druck auf das Edelmetall spürbar verstärkt haben. Nach dem jüngsten Abrutschen unter markante Preismarken dominiert kurzfristig die Vorsicht unter den Händlern. Hinzu kommt ein fester US-Dollar, der Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuert und die Erholungsversuche erschwert.
Physische Käufe sichern das Fundament ab
Gegen eine stärkere Abwärtsbewegung spricht vor allem die Nachfrage der Währungshüter. Nach Erhebungen des World Gold Council erwarben globale Notenbanken im Juli netto 23 Tonnen Gold, wobei China und Polen die größten Zukäufe meldeten. Im August baute die chinesische Zentralbank ihre Bestände um weitere 20,2 Tonnen aus, was den stärksten monatlichen Zuwachs seit fast drei Jahren darstellt.
Auch institutionelle Anleger greifen im Hintergrund zu: Nach Angaben der Société Générale verzeichneten Gold-ETFs im August den drittgrößten monatlichen Mittelzufluss seit Beginn der Erfassung. Zwar trennt den Markt noch ein weiter Weg vom 52-Wochen-Hoch bei 5.598,58 USD, doch die kontinuierliche physische Nachfrage aus Asien und dem Zentralbankensektor zieht ein stabiles Netz unter die Notierungen.
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